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23.01.2001

18:51 Uhr

Standort des Partners Renault im Gespräch

Nissan vor brisanter Standortentscheidung

Der japanische Autobauer entscheidet diese Woche darüber, wo künftig der Kleinwagen „Micra“ produziert wird. Zur Auswahl stehen der britische Standort Sunderland und Flins in Frankreich

zel/abo DÜSSELDORF/PARIS. Das entscheidende Treffen findet voraussichtlich am Donnerstag statt. "In Tokio kommt das Global Alliance Comitee zusammen", bestätigte ein Sprecher von Nissan Deutschland. Das Gremium setzt sich aus den Vorständen der beiden Automobilhersteller Renault sowie Nissan Motor zusammen und beschließt die wichtigsten Investitionsprojekte des Bündnisses. Im Frühjahr 1999 hatte sich Renault mit gut 36 % an dem damals hoch verschuldeten japanischen Konkurrenten beteiligt.

Die Entscheidung über den künftigen Produktionsstandort des kleinen Nissan Micra ist brisant. Im Moment wird der Kleinwagen im britischen Nissan-Werk in Sunderland gefertigt. Zur Sicherung von 1 200 Arbeitsplätzen drängt vor allem die britische Regierung darauf, dass auch das neue Micra-Modell von 2003 an in Sunderland von den Bändern läuft. London wäre bereit, dafür Subventionen in Höhe von etwa 120 Mill. DM zu zahlen. Die EU-Kommission in Brüssel hatte der staatlichen Beihilfe bereits in der vergangenen Woche ihre Zustimmung gegeben.

Französischer Produktionsstandort im Gespräch

Nissan könnte sich jedoch für den französischen Produktionsstandort Flins aussprechen, wo Renault ebenfalls Kleinwagen herstellt. Der japanische Automobilhersteller hatte sich in den vergangenen Monaten mehrfach über den hohen Wechselkurs des britischen Pfunds beklagt. Die Produktionskosten in Sunderland lägen deutlich über dem Niveau in Kontinentaleuropa. Nach inoffiziellen Angaben des japanischen Unternehmens wird der Micra in Sunderland derzeit mit Verlust produziert.

Den Renault-Verantwortlichen wird nachgesagt, sie würden einen französischen Produktionsstandort für den Micra vorziehen. Anfangs müsste zwar umgerechnet mehr als 1 Mrd. DM in Flins investiert werden; die Kosten in Sunderland hingegen werden auf gut 600 Mill. DM geschätzt. Auf längere Sicht macht sich jedoch eine Fabrik auf dem europäischen Kontinent bezahlt, weil Renault und Nissan erstmals in der Pkw-Fertigung eine gemeinsame Plattform (Fahrzeug-Unterbau) verwenden würden. In Flins sollen gleichzeitig Nissan Micra und der Kleinwagen Renault Clio von den Bändern laufen.

Micra ist wichtigstes Einzelmodell

In Sunderland ist der Micra heute das wichtigste Einzelmodell bei einer gesamten Fahrzeugproduktion von 330 000 Autos. Etwa 60 % der britischen Micra-Fertigung werden auf dem europäischen Kontinent verkauft. In England ist die Sorge groß, dass die Nissan-Fabrik in Sunderland komplett in Gefahr geraten könnte. General Motors und Ford haben bereits die Schließung von Werken in England angekündigt. Toyota eröffnet in der nächsten Woche sein neues Kleinwagen-Werk im französischen Valenciennes.

Auch hinter der Allianz des französischen Stahlriesen Usinor S.A. mit dem japanischen Konkurrenten Nippon Steel steht die französisch-japanische Automobilverbindung. Die Anforderungen von Nissan an die Qualität von Zulieferungen haben sich bereits den höheren Ansprüchen von Renault angepasst. Das ist offenbar eine wichtige Grundlage der Zusammenarbeit von Usinor und Nippon Steel, die in Zukunft durch die Belieferung von US-Automobilherstellern ergänzt werden könnte. Nissan produziert in den Vereinigten Staaten in mehreren Fabriken.

Der Einstieg von Renault bei Nissan hatte schon früher zu industriellen Konsequenzen bei Zulieferern geführt. Die französische Valeo S.A. schloss in Japan seither zwei Allianzen mit anderen Zulieferern ab.

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