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05.02.2002

19:00 Uhr

Start der Fertigung

Opel will die Mittelklasse zurück gewinnen

Opel-Vorstandschef Carl-Peter Forster glaubt an den Erfolg des neuen Vectra. "Damit heben wir uns deutlich von den Konkurrenten ab", sagte er am Dienstag bei der Eröffnung des neuen Vectra-Werks im hessischen Rüsselsheim.

zel RÜSSELSHEIM. Eine Rückkehr zu früheren Erfolgen hat die deutsche Tochter von General Motors (GM) bitter nötig: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen operativen Verlust von 674 Mill. Euro. Sowohl in Deutschland als auch im restlichen Europa ist der Opel-Marktanteil während der vergangenen Jahre deutlich gefallen.

Der Rüsselsheimer Automobilhersteller hat 750 Mill. Euro für die neue Produktionsstätte investiert, in der künftig vier Vectra-Varianten und der Nachfolger des Oberklasse-Modells Omega gefertigt werden sollen. Zunächst beginnt in Rüsselsheim die Produktion der Stufenheck-Limousine, im Sommer kommt eine Coupé-Variante dazu.

Opel-Chef Forster bezeichnete die neue Fabrik als "Zeichen für die Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschland". Opel bekomme im europäischen Werksverbund seine modernste Fabrik. Ähnlich äußerte sich auch Bundeskanzler Gerhard Schröder, der die Produktion im Rüsselsheimer Werk in Gang setzte. "Mit dem Werk und dem Vectra hat sich Opel zurückgemeldet", betonte der Kanzler.

Arbeitsplatzgarantie läuft zum Jahresende aus

Opel will 6 000 Mitarbeiter in der Rüsselsheimer Fertigung beschäftigen. Im benachbarten Werk für den alten Vectra waren es bei einer niedrigeren Produktivität noch etwa 10 000 Belegschaftsangehörige. Allerdings sind auch die 6 000 Stellen nicht ganz sicher - zum Jahresende läuft die Arbeitsplatzgarantie des 1998 von Unternehmen und Betriebsrat geschlossenen Standortsicherungsvertrages aus.

Werksleiter Arno Wiedenroth will mit der neuen Vectra-Fabrik in die Spitze unter den europäischen Autowerken aufrücken und die hohen Standards japanischer Konkurrenten erreichen. "Wenn wir den Drei-Schicht-Betrieb fahren, werden wir in der Oberklasse mitspielen", betonte er. Das werde allerdings noch etwa zwei Jahre dauern.

Deutlicher Qualitätssprung

Wiedenroth sieht einen deutlichen Sprung in der Qualität. "Das ist das Beste, was man in dieser Klasse bauen kann", sagte der Rüsselsheimer Werkleiter. Qualität habe in der neuen Vectra-Fertigung eine größere Priorität als die Produktivität. Intern gibt es Kritik an der neuen Vectra-Modellplanung. "Die Kombi-Variante kommt viel zu spät", verlautet an einflussreicher Stelle bei Opel. Erst in einem guten Jahr soll es diese Vectra-Version geben; im Unterscheid zu anderen Herstellern hat Opel damit längere Zeit keinen konkurrenzfähigen Kombi-Ableger im Angebot. Konzernchef Forster sieht das neue Werk dennoch auf dem richtigen Weg. "Stück für Stück kommt die Sache zusammen, das ist keine kurzfristige Aktion", sagte er dem Handelsblatt mit Blick auf das Sanierungsprogramm "Olympia", nach dem Opel bis 2003 wieder schwarze Zahlen will.

In der Automobilbranche gilt es jedoch nicht als ausgemacht, dass Opel mit dem neuen Vectra-Werk tatsächlich dem richtigen Weg ist. "In Rüsselsheim muss erst bewiesen werden, dass Opel wirklich produktiv fertigen kann", sagte Wilko Stark, Fertigungsexperte bei der Boston Consulting Group.

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