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06.03.2003

08:00 Uhr

Start-Schwierigkeiten

Telekom-Branche weiter von UMTS überschattet

Die in der kommenden Woche startende weltweit größte Messe der Telekommunikations- und Informationstechnologie-Branche CeBIT wird auch in diesem Jahr von den vier magischen Buchstaben UMTS überschattet.

Reuters FRANKFURT. Denn weiterhin kämpft die Branche mit Kinderkrankheiten der neuen Handygeneration namens "Universal Mobile Telecommunication System", in die in Europa deutlich mehr als 100 Milliarden Euro geflossen sind. Da sich Mobilfunkbetreiber und Handyhersteller mit den Verzögerungen bei der eigentlich für Ende 2002 geplanten Markteinführung abgefunden haben, stehen auf der CeBIT 2003 praktikable Anwendungen mit Nutzen für die Mobilfunk-Kunden im Vordergrund. Kamera-Handys, mit Bild und Ton anreicherbare Handy-Nachrichten (MMS) und Bezahldienste für Privat- und Geschäftskunden sollen auch für einen zügigen Rückfluss der Investitionen sorgen.

Statt Visionen über die unbegrenzten Möglichkeiten künftiger Handys zu verbreiten, macht sich die seit drei Jahren von Krisen geschüttelte Branche Sorgen um Profitabilität, Wachstum und zahlungskräftige Kunden. Wegen weitgehend stagnierender Umsätze mit Handy-Gesprächen muss die Übermittlung von Daten künftig für Zuwächse in der Mobilfunkbranche sorgen. Um das Geschäft mit multimedialen Nachrichten, E-Mails und mobiler Internet-Nutzung anzukurbeln, will der deutsche Branchenführer T-Mobile die Preise für Datentransfers drastisch senken. "Wir wollen den Massenmarkt erreichen", hieß es vor dem CeBIT-Start. Denn noch ist Datenkommunikation ein Nischengeschäft.

Für die private Kundschaft bedeutet Datentransfer vor allem Fotoversand und Internet per Handy. Doch nur 18 Millionen oder vier Prozent der im vergangenen Jahr weltweit verkauften Handys verfügen Marktforschern zufolge über eine Digitalkamera. In Europa gingen 1,3 Millionen der im Weihnachtsgeschäft 2002 beliebten Kombination aus Handy und Digitalkamera, mit der sich selbstgeschossene Fotos ab 39 Cents verschicken lassen, über die Ladentische. Bis Ende 2003 wird mit einer Verdoppelung des Absatzes weltweit auf 37 Millionen Geräte gerechnet.

In Deutschland, dem größten europäischen Mobilfunkmarkt, hat Vodafone D2 den Konkurrenten T-Mobile beim Verkauf von Kamera-Handys weit hinter sich gelassen. T-Mobile kündigte daher für April drei neue MMS-Geräte an. Auch der Branchendritte E-Plus forciert zur CeBIT nach langem Zögern die Themen MMS und Kamera-Handy, da die KPN-Tochter mit ihrem mobilen Internetportal i-Mode wenig Erfolg hatte. Während in Japan mehr als 33 Millionen Menschen i-mode nutzen, fanden sich in Deutschland nur 125 000 Nutzer - deutlich weniger als die "konservative Schätzung" von 400 000 Kunden. Zur CeBIT will E-Plus nun Handys der Mobiltelefon-Hersteller Nokia und Siemens präsentieren, die i-Mode verstehen und Fotos schießen können. Die bisher verfügbaren Mobiltelefone der japanischen Hersteller NEC und Toshiba ohne Kamera verkauften sich schlecht.

Abgesehen von der für die CeBIT angekündigten Flut neuer Handys hält die Messe nur wenig Neuigkeiten zu UMTS bereit. Lediglich die asiatischen Hersteller NEC und Samsung werden auf der CeBIT ihre UMTS-Handys präsentieren. Nokia, Motorola und Sony Ericsson haben ihre UMTS-Prototypen bereits der Öffentlichkeit vorgeführt. Siemens kooperiert mit Motorola.

Der wiederholt verschobene Start von UMTS wird in der Branche vor allem den Handyherstellern angelastet. Denn die neue Technik, die bessere Sprachqualität und schnellere Datentransfers verspricht, arbeitet noch nicht störungsfrei mit dem Standard GSM zusammen. Noch brechen Funkverbindungen ab, wenn Nutzer zwischen UMTS- und GSM-Netz wechseln. "Die Übergabe zwischen GSM und UMTS ist noch immer nicht so stabil, dass wir sie den Kunden anbieten könnten", sagte unlängst Vodafone D2-Chef Jürgen von Kuszkowski. An der Lösung dieses gravierenden Problems basteln die Experten seit langem. "Im Jahr 2004 wird uns dieses Thema sicher nicht mehr beschäftigen", versprach der Vodafone D2-Chef.

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