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14.01.2003

08:31 Uhr

Startschuss für Großraumlimousine

VW will mit Touran an die Spitze fahren

Ein neues Produktionsmodell, ein neues Auto, ein bereits besetztes Segment. Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern greift in der Kompakt-Van-Klasse an und will Opel als Marktführer ablösen.

Der VW Touran. Foto: VW/dpa

Der VW Touran. Foto: VW/dpa

hof WOLFSBURG. VW kommt spät, doch der Auftritt soll nach Hoffnung des Konzerns gewaltig sein. Am Montag fiel in Wolfsburg der Startschuss für die Serienproduktion des neuen Kompaktvans Touran, und spätestens 2004 soll das Auto den Opel Zafira vom Thron des Marktführers in diesem Segment stoßen. 180 000 Touran sollen nach den Plänen des VW-Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder in diesem Jahr von den Bändern in Wolfsburg rollen, 130 000 davon ab dem 14. März an Kunden ausgeliefert werden. Da knapp die Hälfte davon in Deutschland verkauft werden soll, kämen sich VW und Opel bereits in diesem Jahr im Kompakt- Van-Segment sehr nahe.

Die Kritik in der Branche, dass das "Auto einfach drei Jahre zu spät kommt", lässt VW-Chef Pischetsrieder angeblich kalt, denn diese habe es bereits bei der Vorstellung des großen Bruders Sharan gegeben: "Der Sharan kam auch spät, wurde aber umso schneller Marktführer", konterte der VW-Chef.

Die Adam Opel AG will genau das verhindern: "Wir nehmen neue Wettbewerber ernst, Angst vor ihnen müssen wir nicht haben", heißt es aus der Rüsselsheimer Zentrale. Bislang führt der Opel Zafira, der das Segment der Kompakt-Vans zusammen mit dem Renault Scenic begründete, das Feld eindeutig an. Mehr als die Hälfte des wichtigen deutschen Marktes teilten sich die beiden Wettbewerber 2001; 2002 schlossen sie nur leicht unter dieser Marke. Fast eine Viertel Million Bestellungen verzeichnete Opel 2002 für den Zafira, knapp 54 000 wurden in Deutschland ausgeliefert. Damit hatte er die Nase mit rund 30 % Marktanteil ganz klar vorne.

Eine so klare Marktdominanz dürfte in Zukunft kaum noch erreichbar sein, auch wenn die Rüsselsheimer ihren Zafira, der seit 1999 verkauft wird, im Herbst noch einmal kräftig renoviert haben. Denn Renault schickt einen neuen Scenic ins Rennen, und neben VW wird auch Ford mit einem Kompakt-Van auf Focus-Basis in dem noch stark wachsenden Segment aktiv. Härter wird zudem der Wettbewerb mit den japanischen Konkurrenten, die Jagd auf die Zielgruppe der jungen Familien mit Kind machen.

Opel hat noch eine weitere Trumpfkarte im Ärmel, den etwas kleineren Meriva auf Corsa-Basis, der in diesem Jahr ins Rennen geht. Doch auch bei VW sind die Van- Pläne mit dem Touran noch nicht erschöpft. Offiziell wird dies zwar noch nicht bestätigt, doch am Rande der Touran-Vorstellung war zu erfahren, dass ein kleiner Bruder für den Touran auf der gleichen Plattform als Golf-Van kommen wird. Nach dem Geländewagen Touareg schließt VW mit dem Touran zudem jetzt eine weitere Modelllücke in einem Wachstumssegment.

Produziert wird der Touran von der Auto 5000 GmbH. Das Modell, bei dem in der Endstufe 5000 ehemals Arbeitslose bis zu 200 000 Touran und auch den neuen Microbus produzieren sollen, gilt mit seiner untertariflichen Grundvergütung und hohen Erfolgsabhängigkeit der Arbeiterlöhne sowie einer wöchentlich festgelegten Fortbildungszeit als Modell dafür, wie sich Deutschland als Produktionsstandort behaupten kann. So werde der Touran bereits in diesem Jahr das Renditeziel von 8 % erreichen, sagte Pischetsrieder.

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