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18.06.2000

15:13 Uhr

Stationierung von UN-Friedenstruppen vorgesehen

Äthiopien und Eritrea unterzeichnen Waffenstillstand

Der 15 Punkte umfassende Plan sieht vor, dass sich die äthiopischen Soldaten auf die Vorkriegspositionen zurückziehen. Zwischen beiden Staaten soll eine 25 Kilometer tiefe Pufferzone auf eritreischem Territorium eingerichtet und durch eine UNO - Friedenstruppe überwacht werden.

dpa/Reuters ALGIER. Im Beisein von Abgesandten der USA und der EU haben Äthiopien und Eritrea am Sonntag in Algier einen Waffenstillstand unterzeichnet. Unter das Abkommen zur Beendigung des seit zwei Jahren erbittert geführten Krieges setzten die Außenminister Seyoum Mesfin und Haile Woldensae ihre Unterschriften. Ausgehandelt worden war der Friedensplan von der Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU). Russland begrüßte die Unterzeichnung als wichtigen Schritt zum Frieden am Horn von Afrika. Beide Länder hatten bereits am Donnerstag ihre Kämpfe eingestellt, bei denen es über 120 000 Tote gegeben haben soll.

Der Unterzeichnung im Volkspalast wohnten der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika, der auch OAU-Vorsitzender ist, und Vertreter der USA und der Europäischen Union (EU) bei. Seyoum und Haile erklärten in ihren Reden, die Länder wollten nun an einer dauerhaften Lösung des Konflikts arbeiten. Beide Staaten, die bis 1993 zusammengehörten, hatten zuvor den internationalen Friedensplan als Ergebnis ihrer militärischen Erfolge gefeiert.

Der 15 Punkte umfassende Plan sieht vor, dass sich die äthiopischen Soldaten auf die Vorkriegspositionen zurückziehen. Zwischen beiden Staaten soll eine 25 Kilometer tiefe Pufferzone auf eritreischem Territorium eingerichtet und durch eine UNO - Friedenstruppe überwacht werden. Spezialisten sollen nach der Truppenentflechtung den genauen Verlauf der über 1000 Kilometer langen Grenze klären.

Im russischen Außenministerium wurde laut Nachrichtenagentur Interfax die Waffenruhe begrüßt. Jetzt müssten sich auch beide Länder an die Regelung halten. Für die USA hatte bereits im Vorfeld der Unterzeichnung der Sonderbeauftragte Anthony Lake erklärt, die Stationierung der Friedenstruppe an der Grenze zwischen Äthiopien und Eritrea sei ein wichtiger erster Schritt. Der zweite müsse zur international anerkannten Festlegung der Grenze führen.

Die beiden Staaten am Horn von Afrika führten seit Mai 1998 Krieg, angeblich ging es um umstrittene Grenzabschnitte. Im Mai 2000 waren die Kämpfe nach einer längeren Pause wieder aufgeflammt; äthiopische Truppen drangen in einer Großoffensive weit auf eritreisches Gebiet vor. In dem Konflikt zwischen den beiden armen Staaten sollen über 120 000 Soldaten beider Seiten gefallen sein. Eritrea, früher eine Provinz Äthiopiens, war vor sieben Jahren selbstständig geworden. Seitdem ist Äthiopien ein Binnenland ohne Zugang zum Meer. Seine Exporte müssen über Häfen in Eritrea oder Djibuti abgewickelt werden. Die Spannungen hatten sich mit Einführung einer eigenen Währung in Eritrea im November 1997 verschärft.

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