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14.01.2003

14:33 Uhr

Staudt soll in den Aufsichtsrat

Wechsel an der Spitze von IBM Deutschland

An der Spitze der deutschen Tochter des Computerkonzerns IBM kommt es überraschend zu einem Wechsel. Der bisherige Vorsitzende der Geschäftsführung, Erwin Staudt (54), wird mit sofortiger Wirkung von Walter Raizner (48) abgelöst, der zuletzt in den USA für IBM tätig war.

Erwin Staudt (l.) und Nachfolger Walter Raizner (r.) Foto: dpa

Erwin Staudt (l.) und Nachfolger Walter Raizner (r.) Foto: dpa

HB/dpa STUTTGART. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in Stuttgart mit. Staudt soll den Vorsitz des Aufsichtsrats der IBM Deutschland GmbH übernehmen. "Die Anforderungen von Kunden, Geschäftspartnern und der Öffentlichkeit an das Unternehmen erfordern eine Neuaufstellung auch des Managements der IBM Deutschland", heißt es in der Mitteilung. Der Wechsel in den Aufsichtsrat gilt nach Einschätzung von Branchenkennern nicht als Beförderung für Staudt, der zu den prominentesten Informationstechnologie-Managern in Deutschland zählt. Bis zum inoffiziellen Pensionsalter für IBM-Spitzenkräfte bleiben ihm noch sechs Jahre.

Staudt pflegte enge Kontakte zur Politik und machte sich vor allem durch sein Engagement für die Initiative D21 einen Namen, deren Vorsitzender er ist. In seiner neuen Funktion soll er sich verstärkt um IBM-Kunden in Politik und Verwaltung kümmern. Staudt war 1998 an die Spitze von IBM Deutschland gerückt. Die Tochter beschäftigt nach früheren Angaben rund 26 000 Mitarbeiter, nennt jedoch keine eigenen Geschäftszahlen. Weltweit liegt der Umsatz von IBM bei 85,9 Milliarden Dollar (81,5 Mrd Euro).

Staudts Nachfolger Raizner ist seit 1984 bei IBM und war seit 1999 für das weltweite Speichergeschäft des Computerriesen verantwortlich. Sein Büro stand in Somers (US-Bundesstaat New York). Raizners Wechsel nach Baden-Württemberg ist ein Heimspiel für den Diplom-Kaufmann: Er wurde in Aalen (Ostalbkreis) geboren.

IBM steht als weltweit größter IT-Konzern ständig unter Druck, sich neu auszurichten. In den 1990er Jahren leitete der branchenfremde Vorstandschef Louis Gerstner einen revolutionären Umbau ein, indem er das traditionelle Hardware-Geschäft mit PCs und Großrechnern zu Gunsten von Dienstleistungen und Software zurückschraubte. Mit groß angelegten Marketing-Aktionen gab "Big Blue" die Richtung künftiger IT-Trends vor; dazu zählt vor allem das Engagement für das freie Betriebssystem Linux.

Gerstners Nachfolger Sam Palmisano, der sein Amt im März 2002 antrat, setzt diesen Kurs mit Hochdruck fort. Branchenexperten gehen davon aus, dass Palmisano mit neuen Köpfen eigene Akzente setzen und die Expansionsstrategie des Konzerns noch aggressiver als bisher umsetzen will.

IBM baute im vergangenen Jahr weltweit mehr als 15 000 Jobs oder fünf Prozent aller Stellen ab. Im Sommer übernahm das Unternehmen die Beratungssparte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) für 3,5 Milliarden Dollar. Die Integration gilt als Mammutaufgabe. Aus dem Zusammenschluss entsteht die größte Unternehmensberatung der Welt mit 30 000 Beschäftigten. Allein in Deutschland stießen rund 2000 PwC-Berater zu IBM, der Dienstleistungsbereich wird umstrukturiert. Als Kunden stehen künftig verstärkt auch mittelständische Unternehmen im Fokus.

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