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29.01.2001

15:20 Uhr

Reuters TOKIO. Besser als erwartet ausgefallene japanische Konjunkturdaten haben am Montag an den internationalen Finanzmärkten wieder leichten Optimismus hinsichtlich der Entwicklung der japanischen Wirtschaft aufkommen lassen. Eine steigende Industrieproduktion sowie ein höheres Verbrauchervertrauen im Dezember verweisen Analysten zufolge auf eine besser als bisher angenommene wirtschaftliche Lage in Japan. Analysten wiesen dennoch darauf hin, dass schwächere Exporte und eine gedämpfte Stimmung auf dem Arbeitsmarkt das Ausmaß der wirtschaftlichen Erholung abgeschwächt hätten. Nach der Veröffentlichung der Daten schloss der japanische Aktienindex Nikkei am Montag 1,09 % im Plus, der Yen legte gegen Euro und $ deutlich zu.

Die Industrieproduktion in Japan stieg im Dezember 2000 nach einer vorläufigen Berechnung des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (Meti) gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 1,5 % und zum Vorjahr um 3,5 %. Analysten hatten nur mit einem Anstieg von 1,0 % gerechnet. Im Gesamtjahr 2000 beschleunigte sich die Industrieproduktion um 5,7 % und damit so stark wie seit 1989 nicht mehr.

"Im Großen und Ganzen sind dies sehr ermutigende Zahlen, die annehmen lassen, dass sich die Wirtschaft nicht in einem solch schlimmen Zustand befindet wie einige am Markt denken", sagte James Malcolm, Volkswirt bei JP Morgan.

Im vierten Quartal 2000 beschleunigte sich die Industrieproduktion damit nach Angaben von Meti allerdings nur noch um 0,3 % nach 1,6 und 1,7 % in den Vorquartalen. Das Ministerium erklärte dazu, das Produktionswachstum verzeichne nun nur noch einen "allmählichen" Aufwärtstrend. Als Grund für die allgemeine Wachstumsverlangsamung im produzierenden Gewerbe nannte ein Meti-Sprecher schwächere Exporte, aber auch eine nachlassende Nachfrage im Inland.

Ebenfalls besser als erwartet fiel im Dezember das Verbrauchervertrauen aus. Nach Angaben des Kabinetts stieg das Vertrauen der japanischen Kosumenten im Dezember saisonbereinigt auf 43,4 von 43,3 im November. Analysten hatten dagegen mit einem Rückgang gerechnet. Ein Kabinetts-Vertreter sagte dazu, dies sei zwar der sechste Anstieg in Folge, Einkommens- und Beeschäftigungssorgen hätten den Anstieg im Dezember aber gebremst. "Das Ausmaß des Anstiegs verlangsamt sich offensichtlich, mit einem fast flachen Verbrauchervertrauen im Dezember", sagte der Sprecher. Auch der japanische Notenbank-Gouverneur Masaru Hayami sagte am Montag, das Ausmaß der wirtschaftlichen Erholung lasse auf Grund des langsameren Exportwachstums nach. "Was die Aussichten betrifft, glaube ich, dass wir eine gute Chance haben, dass sich der Trend einer von Kapitalausgaben gestützten allmählichen Erholung fortsetzt", fügte er hinzu. Dennoch müssten wirtschaftliche Risikofaktoren wie etwa die Wachstumsverlangsamung in anderen Ländern und die Entwicklung an den Finanzmärkten im In- und Ausland für eine Weile aufmerksam verfolgt werden. Derzeit wolle die Bank von Japan ihre lockere Geldpolitik mit extrem niedrigen Zinsen jedoch beibehalten, um die wirtschaftliche Erholung des Landes zu stützen.

Analysten sind sich unterdessen einig, dass die Produktion in den kommenden Monaten von den Lagerbeständen der Unternehmen abhängt. Obwohl diese im Dezember um 0,1 % zurückgegangen seien, hätten sie im vierten Quartal 2000 im Vergleich zum Vorjahresquartal zugenommen. Daher müsse die Produktion nun zunächst heruntergeschraubt werden, um einen weiteren Anstieg der Lagerbestände zu vermeiden, sagten Volkswirte. Einige der großen japanischen Konzerne haben dies bereits angekündigt. Der Elektronikhersteller Sony Corp hatte beispielsweise in der vergangenen Woche mitgeteilt, er werde seine Lagerbestände bis Ende März um ein Volumen von 150 Mrd. Yen verringern, da der Konzern nicht mit einer deutlichen Konjunkturabkühlung in den USA gerechnet habe.

An den Devisenmärkten reagierte der Yen am Montag mit deutlichen Kursgewinnen auf die japanischen Konjunkturdaten. Der Euro file gegen die japanische Währung auf 106,97 Yen, die US-Devise verbilligte sich am Nachmittag auf 116,46 Yen. Am Tokioter Aktienmarkt legte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index nach einer fünftägigen Talfahrt um rund ein Prozent auf rund 13 845 Punkte zu.

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