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22.03.2003

16:45 Uhr

Stellenabbau wegen der Reiseflaute

Tui weitet Sparpaket aus

Europas größter Touristikkonzern Tui erhöht angesichts der von der Irak-Krise verschärften Reiseflaute sein Sparprogramm stärker als bislang erwartet und weitet es auf 2004 aus.

rtr HANNOVER. Wie am Samstag aus Tui-Aufsichtsratskreisen bekannt wurde, soll das Sparvolumen für 2003 um deutlich mehr als die zunächst bekannt gewordenen 100 Mill. ? erhöht werden. Auch 2004 würden die Kostensenkungen fortgesetzt. Ein Stellenabbau sei wahrscheinlich, allerdings nach bisherigen Planungen ohne Entlassungen. Betroffen sei hiervon unter anderem die Konzernholding.

Damit würde sich das bisher 2003 geplante Sparvolumen des Reisekonzerns von zunächst 111 Mill. ? mehr als verdoppeln. Für 2003 und 2004 zusammengerechnet sei ein Gesamtvolumen der Kostensenkungen im Bereich von 300 Mill. ? möglich, hieß es in den Kreisen. Nähere Angaben werde Tui am Montag machen.

Mit dem zweiten Sparpaket innerhalb weniger Monate reagiert Tui auf rückläufige Buchungszahlen in der Touristikwirtschaft, die europaweit nach dem bereits schwierigen Jahr 2002 durch die Irak-Krise erneut belastet wird. Die Rezession der Touristikwirtschaft zwinge dazu, manche Restrukturierungen schneller vorzunehmen als geplant, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Auch der Konkurrent Thomas Cook hatte kürzlich sein Sparprogramm für 2003 auf 250 Mill. ? ausgeweitet.

Ziel sei bei Tui eine Beschleunigung der nach wie vor nicht abgeschlossenen Integration des in den vergangenen Jahren durch Zukäufe in Deutschland, Großbritannien und Frankreich entstandenen Touristikkonzerns. Allerdings habe der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Freitag keine konkreten Beschlüsse etwa über einen Stellenabbau oder eine denkbare Zusammenlegung von Bereichen gefasst, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus den Kreisen. Alle Konzernbereiche müssten aber ihre Betriebsabläufe überprüfen und hätten zum Teil konkrete Vorgaben.

Im ersten Sparpaket für 2003 war der Wegfall von rund 1000 Stellen ohne Entlassungen vorgesehen. Auch in dem neuen Sparpaket betreffe ein Teil der Kostensenkungen den Personalbereich, hieß es in den Kreisen. Ähnlich wie beim Flugmanagement sollten auch andere Aufgaben in zentralen Einheiten zusammengelegt werden. Ein erheblicher Restrukturierungsbedarf bestehe offenbar auch in der Konzernholding.

Die Belegschaft soll nach inoffiziellen Angaben am Montag ebenfalls über die neuen Sparpläne informiert werden. Anschließend will Tui die Öffentlichkeit unterrichten. Tui wollte sich vorher nicht zu den Ergebnissen der Aufsichtsratssitzung äußern.

Tui lag Anfang März beim gebuchten Umsatz der wichtigsten Konzernsparte Touristik sechs Prozent unter dem bereits rückläufigen Vorjahresniveau. Derzeit sind die Buchungseingänge in der gesamten Reisebranche weiter rückläufig. Einen Aufschwung erhoffen sich die Konzerne nach dem Ende des Irak-Krieges.

Mit dem Sparprogramm will Tui seine Kosten- und damit die Ertragssituation in der Touristik verbessern. Der Konzern war bereits im vorigen Jahr auf Grund des schwierigen Reisegeschäfts nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim Ergebnis unter Druck geraten. Der Umsatz ging um gut zehn Prozent auf 20 Mrd. ? zurück. Das operative Ergebnis fiel dagegen nach bisherigen Angaben sogar um fast 25 % auf rund 600 Mill. ? und dies trotz eines Sparprogramms von 165 Mill. ?.

Der Kurs der Tui-Aktie stieg am Freitag allerdings um mehr als zwölf Prozent auf 11,09 ?. Grund dafür war nach Angaben von Händlern die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Irak-Krieges. In den vergangenen Monaten war die Aktie auf ein Zehn-Jahres-Tief gefallen.

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