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28.12.2011

14:44 Uhr

Stéphane Hessel

Der Apostel des Widerstands

VonWolfram Weimer

Er ist das Vorbild des Jahres: Stéphane Hessel hat mit seinem Büchlein „Empört euch!“ den Protestbewegungen auf der ganzen Welt eine Stimme gegeben – von Stuttgart 21 über den arabischen Frühling bis zur Occupy-Bewegung.

Schriftsteller Stéphane Hessel. dpa

Schriftsteller Stéphane Hessel.

DüsseldorfDie arabische Jugend revoltiert, Deutschlands Wutbürger gehen gegen ein Bahnhofsprojekt auf die Straße, die globale Occupy-Bewegung protestiert, und selbst in Russland rühren sich Bürgerrechtler – und alle folgen sie damit einem Empörungs-Apostel.

Er hat keinen Muskelpack wie Spartakus, keinen Bogen wie Robin Hood, keinen demagogischen Furor wie Marat, keine wehende Mähne wie Che Guevara. Er ist ein uralter Mann, der Gedichte und die Sanftheit liebt: Stéphane Hessel.

Der 93-jährige Franzose hat zwei kleine Büchlein geschrieben, die ganz groß herausgekommen sind. Rund um den Erdball werden seine Fibeln „Indignez vous!” (Empört euch!) und „Engagez vous!” (Engagiert euch“) millionenfach gekauft und gelesen.

Laudator Wolfram Weimer, Jahrgang 1964, war Gründungsherausgeber des Monatsmagazins Cicero und Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“ und des Nachrichtenmagazins „Focus“. Heute ist er als Publizist tätig. An Stéphane Hessel, unserem „Vorbild des Jahres“ fasziniert ihn dessen große Unabhängigkeit und ungebrochener Optimismus. picture alliance/dpa

Laudator Wolfram Weimer, Jahrgang 1964, war Gründungsherausgeber des Monatsmagazins Cicero und Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“ und des Nachrichtenmagazins „Focus“. Heute ist er als Publizist tätig. An Stéphane Hessel, unserem „Vorbild des Jahres“ fasziniert ihn dessen große Unabhängigkeit und ungebrochener Optimismus.


Dabei sind die politischen Weltbestseller in Wahrheit gar keine Bücher. Es handelt sich um kurze, sperrige Zwischenrufe, die den Geist der Zeit offenbar besser treffen als lange, geschmeidige Sonntagsreden. Es sind nicht einmal die Inhalte, die Hessels Meinungsminiaturen so populär machen. Im Gegenteil. Seine Argumente gehen durcheinander, manches klingt nach Plattitüden der Völkerverständigung, des Umweltschutzes und der sozialen Gerechtigkeit.

Wieder anderes ist grotesk einseitig – wie seine Kritik an Israel. Da versteigt er sich zur Ansicht, Israel leide an einem Überlegenheitswahn und begehe „Kriegsverbrechen”, während er die Gewalt der Hamas völlig verharmlost. Diese verquere Position hat ihm nicht nur in jüdischen Kreisen heftige Kritik eingebracht. Er kontert das mit dem Argument: „Ich mag ein schlechter Jude sein, denn ich gehe nicht in die Synagoge. Ich lasse mir aber von niemandem meine Kritik an der Politik Israels verbieten.“

Kommentare (2)

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Freygeist

30.12.2011, 00:44 Uhr

Herr Weimer, wenn Sie die Kommentare der Leser zur Kenntnis nehmen würden, dann könnten Sie sehen, daß es in der Leserschaft sehr wohl einen kräftigen Unmut über die Geschehnisse gibt.

Account gelöscht!

30.12.2011, 01:59 Uhr

Ich denke nicht, daß Stephane Hessels über die selbe Empörung spricht, die der angebliche Leser hier so artikuliert. Sie haben seine Streitschift wahrscheinlich nicht gelesen, sonst würden Sie das nicht durcheinanderbringen.

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