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02.08.2000

11:35 Uhr

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"Stern": Kohl drängte Lüthje zur Rücknahme belastender Aussagen

Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl soll einem Pressebericht zufolge versucht haben, den langjährigen Generalbevollmächtigten der CDU-Schatzmeisterei, Uwe Lüthje, zur Rücknahme belastender Aussagen zu drängen.

afp/ap HAMBURG. Wie das Hamburger Magazin "Stern" vorab aus seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, soll Kohl Lüthje angerufen und von ihm verlangt haben, die ihn belastenden Aussagen in der CDU-Spendenaffäre zu korrigieren. Lüthje hatte erklärt, auch Kohl habe ihm gelegentlich Spenden unbekannter Herkunft zur Weiterleitung auf Anderkonten übergeben. Lüthje ist einer der Hauptbelastungszeugen gegen den Altkanzler.

Lüthje weigerte sich nach Informationen des Magazins aber in dem Gespräch mit Kohl, seine Aussagen zu ändern. Er habe ihm in einem Telefonat gesagt: "Herr Kohl, es wird nichts geändert. Und gelogen wird dieses Mal auch nicht." Mitte der 80er Jahre war Kohl im Zusammenhang mit der Flick-Affäre wegen uneidlicher Falschaussage angezeigt worden, weil er bestritten hatte, von Millionenzahlungen der Staatsbürgerlichen Vereinigung an die CDU gewusst zu haben. Damals hatte Lüthje für Kohl ausgesagt. Die Staatsbürgerliche Vereinigung ging als "Parteispenden-Waschanlage" in die Nachkriegsgeschichte ein. Zwischen 1969 und 1980 soll die SV insgesamt 214 Millionen Mark an CDU und FDP bezahlt haben.

Ein Sprecher Kohls bestätigte am Mittwoch das Telefonat des Exkanzlers mit Lüthje im Dezember. Es sei dabei um den von der CDU-Führung verschickten Fragebogen zur Parteispendenaffäre gegangen. In den Antworten Lüthjes heiße es unter anderem, bei den von ihm an Finanzberater Horst Weyrauch weitergereichten Geldern zur Verbuchung auf Anderkonten handele es sich zum Teil um Spenden, die ihm, wenn er sich recht erinnere, gelegentlich auch von Kohl übergeben worden seien. "Dies steht im Einklang mit den Aussagen, die Herr Dr. Kohl gegenüber den Wirtschaftsprüfern der CDU gemacht hat", erklärte der Sprecher. Das Telefonat sei "in ausschließlich sachlicher und harmonischer Atmosphäre" verlaufen. Zu keinem Zeitpunkt habe Kohl dabei versucht, Druck auf Lüthje auszuüben.

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