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24.01.2007

12:25 Uhr

Steuerberater

Angst vor der Selbstständigkeit

VonPatrick Mönnighoff

Wer früher die Steuerberaterprüfung schaffte, wollte meist möglichst schnell eine eigene Kanzlei eröffnen. Zwar steigen die Zahlen der zugelassenen Steuerberater weiter an, doch der Anteil der Selbstständigen sinkt. Vor allem junge Steuerberater entscheiden sich zunehmend für das Angestelltenverhältnis. Eine Entwicklung, die verwundert, kann sich doch das eigene Büro immer noch lohnen.

Für junge Steuerberater führt der Weg immer seltener in die Selbstständigkeit. Illustration: Nils Fliegner

Für junge Steuerberater führt der Weg immer seltener in die Selbstständigkeit. Illustration: Nils Fliegner

DÜSSELDORF. Die Steuerberater haben momentan dieselben Probleme wie die meisten anderen Freiberufler auch. Seit den 70er-Jahren hat sich die Zahl der Ärzte, Berater, Anwälte und Ingenieure auf bald vier Millionen mehr als verdreifacht. Die Nachfrage konnte da nicht mithalten, so dass die Konkurrenz unter den Selbstständigen wächst. Der Unterschied bei den Steuerberatern?

Während beispielsweise Anwälte kaum eine andere Chance als das eigene Büro haben, da Jobs als Richter, Staatsanwälte oder in den Rechtsabteilungen der großen Konzerne rar sind, entscheiden sich immer mehr junge Steuerberater für das Angestelltenverhältnis.

Laut Bundessteuerberaterkammer sind 72,4 Prozent der 71 981 Steuerberater selbstständig. Dies klingt zwar viel. "Allein in den vergangenen zehn Jahren ist die Selbstständigen-Quote aber um rund sechs Prozent gesunken", sagt Nora Schmidt-Keßeler, Hauptgeschäftsführerin der Bundessteuerberaterkammer. Und noch sei kein Ende des Trends in Sicht. Zwar liegen die aktuellen Daten für 2006 erst in wenigen Wochen vor. "Wir wissen aber bereits jetzt, dass der Anteil mit großer Wahrscheinlichkeit weiter fällt."

"Ich musste mich einfach entscheiden, womit ich mich in den nächsten Jahren beschäftigen will", erklärt Christian Huschke. Der 31-Jährige hatte nach seiner bestandenen Prüfung vor drei Jahren die Wahl: Entweder übernimmt er die Kanzlei seines Vaters oder geht zu einer der großen Gesellschaften. Entschieden hat er sich für eine Karriere bei Pricewaterhouse Coopers. "Ausschlaggebend waren vor allem die potenziellen Mandanten", sagt Huschke. Denn, obwohl auch er gerade den persönlichen Kontakt schätzt, reizten ihn die großen internationalen Konzerne mit ihren teilweisen komplizierten Steuerfragen.

Hinter der wachsenden Skepsis gegenüber der Selbstständigkeit ste-cken jedoch mitunter ganz andere Gründe, sagen Experten der Bundessteuerberaterkammer. "Wir wissen, dass unter jungen Steuerberatern der Wunsch nach Selbstständigkeit unverändert groß ist", sagt Klaus Heiligeist, Präsident der Bundessteuerberaterkammer. Aber das Umfeld sei nun einmal schwieriger geworden. Dies hänge auch mit der anhaltend problematischen Lage des Mittelstands zusammen. Hinzu komme noch das Übermaß an Bürokratie. Denn neben der schwierigen Lage der mittelständischen Unternehmen seien es vor allem die zahlreichen Nachweis-, Melde- und Dokumentationspflichten, die ein eigenes Büro unattraktiv machen würden.

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