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21.01.2003

08:06 Uhr

Steuerreform in den USA bringt Zusatzchancen

Investoren entdecken die Dividende wieder

VonGerhard Mauerer

Schlappe 4 % Rendite sind derzeit bei US-Staatsanleihen drin. Mit 6,1 % Dividendenrendite bieten Aktien von Philip Morris immerhin die Hälfte mehr, und wenn die Steuerfreiheit für Dividenden in den USA wie geplant kommt, rücken Titel wie die des Tabakkonzerns noch stärker ins Blickfeld. "Sie sind die Gewinner der US-Steuerreform", prophezeit John Manley, US-Aktien-Chefstratege von Salomon Schroders Smith Barney.

FRANKFURT/M. Die größte Freude werden Anlegern aber nicht traditionelle Dividendenpapiere machen - sondern Tech-Titel. Vergangene Woche kündigte Microsoft an, erstmals eine Dividende zu zahlen und damit die Anteilseigner direkt am Unternehmensergebnis zu beteiligen anstatt den Gewinn im Unternehmen zu belassen und neu zu investieren. Der weltgrößte Softwarekonzern, der über 40 Mrd. $ Cash verfügt, wird nach einem Aktiensplitt acht Cent je Aktie ausschütten.

Als dividendenstark gilt eine Aktie unter Analysten, wenn die Dividendenrendite 3 % übersteigt. Von den Unternehmen des S&P 500-Index erfüllen 110 Werte dieses Kriterium. Die Dividende allein aber macht eine Aktie nicht zum Kauf. Wichtig sind Gewinnentwicklung, Dividendenwachstum und Kurspotenzial. Der US-Versorger Allegheny Energy etwa hat mit 18 % derzeit die mit Abstand höchste Dividendenrendite im S&P. "Wegen Gewinnwarnungen ist das Niveau aber nicht gesichert", warnt Thomas Meier, Fondsmanager von Union Investment.

Thomas Radinger, Manager des Activest-Fonds Top Welt, nennt drei Gruppen, die von der Steuerfreiheit besonders profitieren: "Traditionelle Dividendenzahler aus den Branchen Versorgung, Gesundheit und Tabak, Aktien mit stetem Dividendenwachstum und, am interessantesten, große Technologieunternehmen." Viele dieser Unternehmen haben sehr hohe Cash-Flows und niedrige Schulden. Bislang haben sie Gewinne zur Expansion verwendet. Mittlerweile groß geworden und angesichts flauer Konjunkturperspektiven schütten sie Teile des Gewinns aus.

Oracle, Cisco, Dell und Yahoo wären neue Favoriten

Microsoft wird bei den Tech-Titeln kein Einzelfall bleiben. Andere werden nachziehen - schon um auf der Hauptversammlung keine unangenehmen Fragen beantworten zu müssen. Radinger sagt: "Oracle hat bislang nachweislich auch wegen der Doppelbesteuerung von Dividenden bei Unternehmen und Aktionär keine Dividende gezahlt." Zu den Favoriten der US-Experten unter den "neuen" Dividendenpapieren zählen neben Microsoft die Aktien von Oracle, Cisco, Dell und Yahoo.

Bei den Werten mit konstant wachsenden Ausschüttungen empfehlen die Experten den Autozulieferer Johnson Controls (1,8 % Dividendenrendite/ KGV 12), die Bank of America (3,6 %/12) und Pfizer (2 %/22), das die Dividende seit 25 Jahren stetig anhebt.

Klarer Favorit unter den traditionellen Dividendenwerten ist Philip Morris (6,1 %/8). "Der Wert sticht durch stets hohe Dividenden hervor", sagt Meier. Nach deutlichen Kursverlusten seien auch die Klagen von Rauchern eingepreist. Für aussichtsreich hält er auch General Electric (3,1 %/ 16). Radinger schätzt Eastman Kodak (4,7 %/ 25) und Dow Chemical (4,4 %/ 70), die beide dank hoher Umsatzanteile in Europa vom schwachen Dollar profitieren. Daneben besticht der Tabakkonzern R.J. Reynolds (8,1 %/11) durch eine sichere, hohe Dividendenrendite. "Insgesamt werden die Dividenden in den kommenden Jahren wieder steigen", ist sich Meier sicher.

Selbst bei den früheren "Witwen- und Waisenpapieren" aus der Versorgerbranche, die ihren sicheren Ruf spätestens seit dem Enron-Skandal verloren haben, kehrt nach massiven Kursverlusten wieder Ruhe ein. Versorgerwerte stellen den Großteil der dividendenstarken Papiere in den USA. "Anleger sollten aber abwarten, da die Dividenden sicher bei vielen Werten noch einmal gekürzt werden", rät Radinger.

Dass dividendenstarke Papiere von der Aufhebung der Besteuerung ausgeschütteter Gewinne überproportional profitieren, zeigt auch der Blick in die Vergangenheit. In Kanada bewahrheitete sich dies in den 70er-Jahren, in Australien in den 80ern. In den USA ist nur die Hälfte der Dividendenwerte von der Steuerbefreiung betroffen. Die andere Hälfte steckt in steuerbegünstigten Altersvorsorgeprogrammen. Fondsmanager Radinger geht dennoch davon aus, dass sich die überdurchschnittlich gute Wertentwicklung auch in den USA einstellt, wenn der Gesetzesentwurf den Senat einigermaßen unbeschadet passiert. "Bislang haben die Kurse verhalten reagiert", sagt Radinger. Ab Juni oder Juli, wenn die Entscheidung im Senat gefallen ist, könnten Dividendenwerte durchstarten.

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