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03.01.2001

10:10 Uhr

Stillschweigen vereinbahrt

Aventis verkauft Messer Griesheim an Finanzkonsortium

Der Pharmakonzern Aventis hat seine Industriebeteiligung an Messer Griesheim an ein Finanzkonsortium aus der Beteiligungsgesellschaft Allianz Capital Partners (ACP) und dem Investmenthaus Goldman Sachs verkauft.

Quelle: Handelsblatt

rtr/dpa FRANKFURT. Über die finanziellen Einzelheiten der Transaktion sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte der deutsch-französische Pharmakonzern am Mittwoch in Straßburg mit. Die aus der Fusion von Hoechst und Rhone Poulenc hervorgegangene Aventis hatte zuletzt noch zwei Drittel der Anteile an dem Industriegaseproduzenten gehalten. Nach Einschätzung von Analysten kann Avantis durch den Verkauf insbesondere seine Nettoverschuldung weiter verringern. An der Pariser Börse verzeichnete der Kurs der Aventis-Aktie leichte Kurseinbußen.

Die Familie Messer bleibe weiter mit 33,3 % an dem Unternehmen beteiligt, hieß es. Goldman Sachs und ACP übernähmen jeweils 33,3 % an Messer, die restlichen 0,1 % halte das Messer-Management. Beide Investoren verstehen den Beteiligungserwerb nach Angaben einer ACP-Sprecherin als langfristiges Investment.

"Diese Transaktion ist ein weiterer Schritt im Zuge der strategischen Konzentration auf unserer Kerngeschäft Pharma", sagte Aventis-Finanzvorstand Patrick Langlois. Mit dem Abschluss der Transaktion sei im ersten Quartal 2001 zu rechnen. Der Verkauf bedürfe noch der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden. Auch müsse noch eine abschließende Prüfung von Finanzierungs- und Steueraspekten vorgenommen werden. Durch die Verkaufserlöse und die Dekonsolidierung der Schulden von Messer werde Aventis 2001 seine Schulden deutlich reduzieren, hieß es weiter. In Presseberichten waren die Netto-Finanzschulden des Industriegaseproduzenten jüngst auf etwa 800 bis 900 Mill. Euro und der Verkaufspreis einschließlich der Verbindlichkeiten auf ungefähr 1,5 bis 1,6 Mrd. Euro beziffert worden.

Analysten loben Schuldenabbau

"Messer Griesheim war eine schwierige Transaktion," sagte Peter Spengler, Pharma-Analyst bei der DG Bank. Der zuletzt in der Presse genannte Preis sei angemessen. Durch den Anteilsverkauf käme Aventis seinem Ziel näher, die Nettoschulden, die 1999 bei etwa 12,6 Mrd. Euro gelegen hätten, bis 2002 auf etwa neun Mrd. Euro abzubauen. Zusammen mit der Abgabe der Wacker-Beteiligung könnten die Verbindlichkeiten nun um etwa 1,5 Mrd. Euro verringert werden.
James Culverwell von Merrill Lynch bezeichnete die Schuldenreduzierung als hilfreich. Seiner Einschätzung nach werden Investoren nun vor allem mehr Vertrauen in das Management gewinnen, die bei der Fusion gesteckten Ziele auch zu erreichen.

Aventis will sich auch noch von Dystar-Anteil trennen

Aventis hatte im vergangenen Jahr mitgeteilt, sich von ihren verbleibenden Industriebeteiligungen in der Chemie trennen zu wollen. Ein Aventis-Sprecher sagte, nach der Abgabe der Messer-Anteile stehe nun nur noch der Verkauf der von der Hoechst AG gehaltenen 35-prozentigen Industriebeteiligung an der Dystar GmbH an. Dystar, an der auch die BASF und Bayer Anteile halten, ist im Textilfarbstoffgeschäft tätig und erwirtschaftete 1999 nach Aventis-Angaben einen Umsatz von 741 Mill. Euro. "Für die Abgabe dieser letzten Chemiebeteiligung gibt es aber keine Terminvorgabe", sagte der Aventis-Sprecher.

Die Verhandlungen über die Abgabe von Messer hatten sich lange hingezogen. Ein zunächst geplanter Verkauf der Beteiligung an den Industriegasehersteller Linde war im vergangenen Jahr nach Linde-Angaben an einem voraussichtlichen Einspruch oder zu großen Auflagen der Europäischen Kommission gescheitert. Auch der britischen Industriegasegruppe BOC Group Plc hatten Branchenbeobachter ein Interesse an Messer nachgesagt.

Messer hatte zuletzt Ertragsprobleme

Die Messer Gruppe produziert Gasanwendungen, die nach Firmenangaben unter anderem in der Gesundheitsversorgung, der Lebensmittelverarbeitung, der Wasseraufbereitung und in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Messer ist in 55 Ländern tätig, umfasst 177 Unternehmen und beschäftigt etwa 10 000 Mitarbeiter. Firmensitz ist Frankfurt am Main. 1999 erwirtschaftete die Firma ein Betriebsergebnis von 253 Mill. DM, verglichen mit 400 Mill. DM im Vorjahr. Der Umsatz legte leicht auf 3,436 (Vorjahr: 3,372) Mrd. DM zu.

An der Pariser Börse gaben Aventis im Handelsverlauf 0,9 % auf 89,40 Euro nach.

Konsortium will Anteile langfristig halten

Allianz Capital Partners (ACP), die für die nicht börsennotierten Beteiligungen zuständige Tochter der Allianz, und die Goldman Sachs Gruppe, eine der welweit führenden Investmentbanken, halten künftig indirekt über eine neue Gesellschaft zu gleichen Teilen die 66,6- prozentige Mehrheit an Messer Griesheim. "Wir übernehmen den Anteil langfristig über mehrere Jahre", sagte eine Allianz-Sprecherin. Die erst 1998 gegründete ACP hat seit ihrem Bestehen mehrere größere Finanzinvestitionen realisiert, darunter Beteiligungen an dem Regionalflugzeug-Hersteller Fairchild Dornier, der Tank und Rast AG sowie an Schmalbach-Lubeca.



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