Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.02.2001

13:26 Uhr

Stimmung an den Finanzmärkten hat sich zu Gunsten des Dollar verbessert

Euro fällt zum Dollar auf Acht-Wochentief

Bessere Erwartungen über die US-Konjunktur haben den Euro am Donnerstagmittag auf ein Acht-Wochentief unter 0,91 $ fallen lassen. Händler sagten, die Stimmung an den Finanzmärkten habe sich nach den Äußerungen von US-Notenbankchef Alan Greenspan, anderen Fed-Vertretern und Forschungsinstituten wieder etwas zugunsten der US-Konjunktur gedreht.

Reuters FRANKFURT. Nachdem der Euro dann die wichtige Marke von 0,9120 $ unterschritten habe, seien automatisch große Verkaufsaufträge (Stopp-Loss-Orders) ausgelöst worden, die den Kurs weiter gedrückt hätten. Auch zur japanischen Währung fiel der Euro auf ein Sechs-Wochen-Tief unter 105,70 Yen. Ohne Einfluss auf den Kurs ist Händlern zufolge dagegen die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Zinsentscheidung am frühen Nachmittag erwartet wird.

Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro mit 0,9079 $ festgestellt nach 0,9194 am Vortag. Der $ verteuerte sich damit auf 2,1542 (2,1273) DM. Zur japanischen Währung wurde der Euro mit 105,48 (106,96) Yen festgesetzt. Gegen 13 Uhr MEZ lag die Gemeinschaftswährung bei 0,9082/87 $, nachdem sie kurzzeitig sogar auf 0,9060 $ gefallen war. Am Vorabend in New York war der Euro mit 0,9177/82 $ noch mehr als einen Cent teurer.

Analysten sagten, an den Finanzmärkten habe sich die Stimmung in den vergangenen Tagen stetig zu Gunsten des Dollar verbessert. Dazu beigetragen hätten vor allem Äußerungen von US-Notenbankchef Greenspan, der für das zweite Halbjahr 2001 eine Erholung der US-Wirtschaft vorausgesagt hatte. Fed-Vizepräsident Roger Ferguson und andere Fed-Vertreter hatten sich in der Nacht zum Donnerstag trotz einiger Vorbehalte vorsichtig optimistisch zur Lage der US-Wirtschaft geäußert und damit Greenspans Erwartungen bestätigt. Auch eine positive Wachstumsprognose des vielbeachteten US-Konjunkturforschungsinstituts Conference Board hatte den $ gestützt. Conference Board erwartet, dass sich das Wachstum in den USA im dritten Quartal bereits wieder auf eine Jahresrate von 5,0 % beschleunigen wird.

Alle diese Faktoren zusammengenommen hätten die Front der Dollar-Skeptiker abbröckeln lassen. "Der Markt hatte einen sehr negativen Ausblick für das US-Wachstum eingepreist, der jetzt wurde jetzt wohl etwas zurückgenommen", sagte eine Analystin. Händlern zufolge löste dieser Meinungsumschwung einen Marktautomatismus aus: Nachdem die wichtige Marke von 91,20 US-Cents unterschritten worden sei, habe eine Welle von Stopp-Loss-Orders eingesetzt. In Japan sei nach hinzugekommen, dass viele Investoren zum Ende des Fiskaljahres verstärkt Yen nachfragten, um ihre in Yen fälligen Zinszahlungen zu begleichen.

Belastet wurde der Euro Händlern zufolge auch durch Äußerungen des amerikanischen Finanzministers Paul O'Neill. O'Neill hatte sich in einem Interview mit "Financial Times" (Donnerstagausgabe) skeptisch zu Interventionen an den Finanzmärkten geäußert. Dennoch schloss O'Neill die Beteiligung der USA an koordinierten Devisenmarktinterventionen nicht aus. Mehr Aufschluss über die Position der USA in diesem Punkt versprechen sich die Devisenmärkte von dem Treffen der sieben führenden Industrienationen (G7) am Wochenende im sizilianischen Palermo.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit an den Devisenmärkten steht nun der monatliche Index der Philadelphia Fed zu den Geschäftserwartungen im verarbeitenden Gewerbe (16.00 Uhr MEZ). Dieser gilt an den Finanzmärkten als ein wichtiger Konjunkturindikator. Volkswirte rechnen für Februar mit einem Indexstand von minus 24,0 Punkten nach minus 36 Punkten im Vormonat. Darüber hinaus werden im Tagesverlauf mehrere Mitglieder des Offenmarktausschusses der US-Notenbank sprechen, darunter der stimmberechtigte Fed-Präsident von St. Louis, William Poole (gegen 19.30 Uhr MEZ).

Keinen Einfluss auf den Euro hat Händlern zufolge die am Donnerstagmorgen begonnene Ratssitzung der EZB. Die überwiegende Mehrheit der befragten Analysten rechnete nicht mit einem Zinsschritt der europäischen Währungshüter. Die Zinsentscheidung wird gegen 13.45 Uhr MEZ bekannt gegeben.



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×