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15.01.2001

00:00 Uhr

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Stimmungsschwankungen

VonThomas Schmitt

Der Januar hat an den Wachstumsmärkten besser begonnen, als die Pessimisten erwartet haben. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, ob in den nächsten Wochen die Stimmung an der Nasdaq dreht. Wenn die Bullen langsam die Oberhand gewinnen, könnte in den nächsten Wochen das Fundament für die nächste Rally gelegt werden.

Dreht die Stimmung an den Neuen Märkten oder nicht? Die vergangene Woche lieferte einige Signale, die Analysten und Anleger Anlass zu neuer Hoffnung geben. Die wichtigen Indizes an der Nasdaq und am Neuen Markt sind an einem wichtigen Punkt angelangt. Beide Marktbarometer könnten in dieser Woche zumindest den kurzfristigen, sehr steilen Abwärtstrend hinter sich lassen. Die Nasdaq muss allerdings aus einem Trendkanal ausbrechen, der nun schon über drei Monate hält. Das ist nicht einfach und womöglich mit Rückschlägen verbunden.

Und selbst wenn der Nasdaq-Index in dieser Woche deutlich über 2650 Punkten schließen sollte, hätten die Bullen an der wichtigsten Wachstumsbörse der Welt nur einen Etappensieg errungen. Die Pessimisten - also die Bären - dominieren vorerst weiter. Sie dürften sich noch lange nicht geschlagen geben, zumal ja weitere schlechte Nachrichten von den Unternehmen zu erwarten sind. Immer wieder kann dies den Markt nach unten ziehen. Entscheidend wird sein, wie weit, ob also wichtige Marken wie 2650 sich später einmal als Bollwerk gegen weitere Verluste erweisen.

Ob dies gelingt, hängt zu einem großen Teil von den weiteren US-Konjunkturdaten ab. Bestätigen sie die Angst vor einer Rezession in den USA oder deuten sie auf eine weiche Landung der US-Konjunktur hin? Eine wichtige Rolle in diesem Spiel wird auch in diesem Monat US-Notenbankchef Alan Greenspan übernehmen. Er könnte ein weiteres Mal die Zinsen senken, wenn sich die Negativsignale aus der US-Wirtschaft vermehren und die Börsen entsprechend schlecht darauf reagieren. Anders als in Europa muss ein Währungshüter in den USA die Börsen sehr viel stärker als Indikator für die weitere Konjunkturentwicklung nutzen. Denn Einbrüche an den Aktienmärkten schlagen wesentlich stärker auf die Stimmung der Verbraucher und deren Ausgabeverhalten durch als hierzulande.

Eine Abwärtsspirale aus sinkenden Börsenkursen, schlechterer Stimmung der Verbraucher, geringeren Konsumausgaben und einem Abschwung der Konjunktur kommt somit schneller in Gang als in Europa und sollte so früh wie möglich gestoppt werden. Einen ersten Schritt in diese Richtung machte Greenspan mit seiner überraschenden Zinssenkung Anfang Januar. Einen weiteren könnte er Ende dieses Monats machen. Er würde damit womöglich die Stimmung der US-Verbraucher weiter stabilisieren, den Unternehmen neuen Mut einimpfen und die Bullen an der Nasdaq stärken.

Mit anderen Worten: Greenspan würde die Stimmungswende einleiten oder verstärken. Schlechte Nachrichten einzelner Unternehmen würden - wie in der vergangenen Woche bei Yahoo - nur noch die einzelnen Unternehmen treffen. Der Markt insgesamt aber sollte sie ignorieren. Grundsätzlich ist es ein gutes Zeichen, wenn Gewinnwarnungen nicht mehr wirken. Als Einstiegssignal darf dies aber nur bedingt gewertet werden. Es kommt darauf, welch einen Zeithorizont der Anleger hat. Will er etwa nur in eine kurze Gegenreaktion investieren, muss er sich des Risikos bewusst sein. Er sollte rechtzeitig wieder aussteigen, wenn die Bären doch die Oberhand behalten.

Langfristig orientierte Anleger sollten eher noch abwarten. Erst müssen die Wachstumsbörsen den Bärenmarkt hinter sich lassen. Dies wäre gegeben, wenn auch die mittelfristigen Abwärtstrends gebrochen würden. Fans des Neuen Markt werden dafür in erster Linie auf die Nasdaq und die Marke von 3600 Punkten schauen. Wenn die Stimmung in den USA zugunsten der Bullen dreht, wird der Funken in Frankfurt überschlagen. Umgekehrt gilt dies leider nach wie vor auch. Starke Stimmungsschwankungen sind also in den nächsten Wochen gut möglich. Vorsichtige Anleger werden sich daher weiter zurückhalten.

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