Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.05.2000

16:14 Uhr

Stockholm will staatlichen Telekom-Konzern privatisieren

Telia geht im Sommer an die Börse

Die Teilprivatisierung des schwedischen Telekom - Konzerns Telia soll zum Sommer dieses Jahres eingeleitet werden. Zunächst ist ein Verkauf von 20 bis 30 Prozent vorgesehen.

hst STOCKHOLM. Der staatliche schwedische Telekom-Konzern Telia soll noch vor dem Sommer 2 000 den Börsengang einleiten. Wie der zuständige Industrieminister Björn Rosengren am Mittwoch in Stockholm erklärte, ist über die Höhe des zu verkaufenden Anteils noch nicht entschieden worden. Auch sei der Ausgabepreis noch nicht festgelegt. "Wir haben noch keine endgültige Entscheidung getroffen, doch ich rechne damit, dass wir etwa 20 bis 30 Prozent verkaufen werden", erklärte Rosengren.

Gleichzeitig machte er deutlich, dass langfristig ein wesentlich höherer Telia-Anteil privatisiert werden könne. "Nach meiner persönlichen Meinung sollte der Staat nicht auf alle Ewigkeit hinaus 51 % an Telia halten", sagte er. Die sozialdemokratische Minderheitsregierung in Stockholm wird in wenigen Wochen eine Gesetzesvorlage zur Teilprivatisierung des Exmonopolisten vorlegen. Die Regierung schlägt darin vor, den staatlichen Anteil auf höchstens 51 % zu senken. Eine parlamentarische Mehrheit gilt für diesen Vorstoß als gesichert.

Außerdem soll Telia eine Neuemission im Zusammenhang mit dem Börsengang von 30 Mrd. skr ermöglicht werden. Diese sei notwendig, um die Expansionspläne des schwedischen Konzerns in Europa und den USA finanzieren zu können, sagte Rosengren. Nach der gescheiterten Fusion von Telia mit dem staatlichen norwegischen Konkurrenten Telenor Ende vergangenen Jahres haben die Regierungen in Oslo und Stockholm in aller Eile einen separaten Börsengang vorbereitet. Gleichzeitig will die finnische Regierung ihren Anteil am Telekom-Konzern Sonera von derzeit 42,1 % weiter reduzieren. Durch den geplanten Börsengang von drei nordeuropäischen Telekom-Gesellschaften wird die Bewertung der einzelnen Unternehmen schwieriger. Analysten geben zu Bedenken, dass eine Inflation von Telekom-Aktien den Kurs drücken könnte.

Der schwedische Industrieminister wollte keine Angaben zu dem eventuellen Telia-Wert machen. Vor der geplatzten Eheschließung mit Telenor waren Branchenkenner von einem Telia-Börsenwert von rund 270 Mrd. skr (33 Mrd. Euro) ausgegangen. Andere Schätzungen gingen sogar von bis zu 400 Mrd. skr aus. Rosengren will den Telia-Titel zu einer Volksaktie machen. "Einen Rabatt für Kleinanleger wird es aber nicht geben", erklärte er, "wir hätten das nach geltendem EU-Recht dann auch ausländischen Anlegern anbieten müssen. Dazu hatten wir aber keine Lust", sagte Rosengren. Die Regierung rechnet im laufenden Jahr mit Einnahmen aus der Privatisierung staatlicher Unternehmen von etwa 95 Mrd. skr. Rund 75 Mrd. skr dürfte der erste Börsengang von Telia einbringen.

Ein politischer Streit hatte die Ankündigung des Börsengangs um eine Woche verzögert. Während der sozialdemokratische Finanzminister die Einnahmen aus der Telia - Privatisierung zum weiteren Abbau der Staatsschulden von 1 373 Mrd. skr verwenden wollte, forderten die beiden Stützparteien, die Grünen und die Sozialisten, das Geld für den raschen Ausbau eines Breitband-Netzes in Schweden zu verwenden.

Der jetzt präsentierte Kompromissvorschlag sieht die Investition von insgesamt 8,3 Mrd. skr in den schnellen Ausbau eines landesweiten Breitbandnetzes vor. Die Investitionen werden laut Rosengren aber davon abhängig gemacht, dass private Telekom-Gesellschaft den gleichen Betrag aufbringen. Insgesamt stehen für das neue Netz, dass Datenübertragungen in Höchstgeschwindigkeit erlaubt, rund 17 Mrd. skr zur Verfügung. Rosengren rechnet bereits in zwei Jahren mit dem Anschluss von etwa 95 % aller schwedischen Haushalte an das neue Netz. Damit liegt Schweden nach seinen Worten auf einem europäischen Spitzenplatz. Von der Opposition und einigen privaten Netzbetreibern ist das staatliche Engagement wegen der Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung kritisiert worden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×