Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.07.2000

11:10 Uhr

"Streichvolumen" von etwa zehn Prozent

Bahn will schwach besetzte Fernzüge streichen

Auf dem Weg zu einem marktorientierten Angebot soll jeder zehnte Zug wegfallen. Reisende sollen in den Regionalverkehr umsteigen.

dpa BERLIN/MÜNCHEN. Die Deutsche Bahn (DB) wird möglicherweise im nächsten Jahr im Fernverkehr jede zehnte Zugverbindung im Fernverkehr streichen. Betroffen davon wären schwach ausgelastetet Intercity- und InterRegio-Linien. Entfallen würden auch einige Fernzüge, die Feriengebiete wie die Alpen oder die Nordseeregion direkt mit den Großstädten verbinden. Entsprechende Planungen, über die die "Süddeutsche Zeitung" am Wochenende berichtete, wurden am Wochenende zwar nicht voll inhaltlich bestätigt. Ein Bahn-Sprecher bekräftigte aber, dass das Unternehmen mit den Bundesländern weiterhin Gespräche über eine Straffung des Zugangebots führt. Es gebe aber noch keine Ergebnisse.

Bahn-Kreise machten aber deutlich, dass das genannte mögliche "Streichvolumen" von etwa zehn Prozent des Zugangebots "der Größenordnung nach stimmt". Bei den Gesprächen des Bahnmanagements mit den Ländern geht es um ein "marktorientiertes Angebot". Die Bahn will nur noch dort fahren, "wo es sich rechnet". Überprüft werden sollen deshalb vor allem jene Verbindungen, auf denen IC-Züge, Interregios und Nahverkehrszüge jeweils nur schwach besetzt hintereinander herfahren. Einige Länder stehen der Optimierungsstrategie der Bahn dem Vernehmen nach aufgeschlossen gegenüber.

Dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge müssten Urlauber, die mit der Bahn anreisen, künftig auf bestimmten Verbindungen auf Regionalzüge umsteigen, um ans Ferienziel zu kommen. Etwa die Hälfte der Fernzüge, die auf der seit Monaten erarbeiteten und nunmehr fertigen Streichliste stünden, soll nach dem Zeitungsbericht durch zusätzliche Regionalzüge ersetzt werden. Ob das gelingt, hänge allerdings von den Ländern ab. Sie bestellten und bezahlten die Nahverkehrszüge. Bayern und Baden-Württemberg hätten aber bereits erklärt, dass sie nicht gewillt seien, mit zusätzlichen Bestellungen im Regionalverkehr die Sparmaßnahmen der Bahn bei den Fernzügen auszugleichen.

Der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft TRANSNET, Norbert Hansen, sprach sich dagegen aus, dass die Deutsche Bahn künftig nur noch das überregionale Schienennetz betreibt und die übrigen Trassen an die Länder und Kommunen abgibt. Dem "Hamburger Abendblatt" sagte Hansen: "Von dieser Idee halte ich überhaupt nichts. Auf diese Weise zerschlägt man das deutsche Schienennetz." Umfangreiche Streckenstilllegungen wären die Folge. Ein entsprechender Vorschlag stammt von einer Expertenkommission, die im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums Vorschläge zur künftigen Finanzierung der Verkehrswege in Deutschland zusammenstellt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×