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29.01.2001

12:36 Uhr

Streit der Experten

Wie transparent ist der Jahresabschluss von MG Technologies ?

Großaktionär Otto Happel und das Unternehmen haben Gutachten renommierter Bilanzierungsexperten eingeholt. Für MG agiert Karlheinz Küting, Happel erhält Schützenhilfe von Bernhard Pellens. Ein zentraler Vorwurf Happels: Die MG-Ergebnisrechnung sei intransparent und durch Firmenverkäufe sowie die Umstellung auf US-Bilanzvorschriften aufpoliert worden. Dies betreffe insbesondere die im Berichtsjahr 1999/2000 erzielten Sondererträge von 294 Mill. Euro aus Beteiligungsverkäufen, die nicht separat in der Gewinn- und Verlustrechnung, sondern im Anhang unter "sonstige Erträge" ausgewiesen seien.

lü DÜSSELDORF. Auch Gutachter Pellens kommt zu dem Ergebnis, der MG-Abschluss sei zu wenig differenziert. So weise die Konzernrechnung trotz der tiefgreifenden Umstrukturierungen der MG und den damit einhergehenden Einzelmaßnahmen nur die Position "Jahresüberschuss" und keine weiteren Differenzierungen aus. Fehlen würden insbesondere der Ausweis des Ergebnis der eingestellten Geschäftstätigkeiten (discontinued operations) sowie außerordentliche Vorkommnisse (extraordinary items).

Der für MG Technologies agierende Gutachter Karlheinz Küting sieht dies anders und weist insbesondere den Vorwurf der Intransparenz zurück. Die aus dem Beteiligungsverkauf generierten Erträge seien als Teil des Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erfasst und auf Grund ihrer Höhe im Anhang gesondert angegeben. Diese Praxis, so Küting, stehe in Einklang mit den gängigen Vorschriften der amerikanischen Rechnungslegung.

Pellens attestiert dem MG-Jahresabschluss nicht nur mangelnden Informationsgehalt. Er weist auch darauf hin, das dessen bilanzpolitische Gestaltung es dem MG-Vorstand ermögliche, die Höhe seiner Bezüge zu steuern, da die Vergütung des Managements nicht primär von der Aktienkursentwicklung, sondern von der Entwicklung des EPS (Earnings per Share, "Gewinn pro Aktie") abhänge. Die Aktionäre hingegen profitierten von dieser Regelung kaum, denn trotz EPS-Steigerung sei der Aktienkurs erheblich gefallen.

Küting greift in den veröffentlichten Teilen des Gutachtens diesen Punkt nicht auf, nimmt aber zu weiteren Vorwürfen Happels Stellung. So hätte MG durch den stichtagsnahen Verkauf von Forderungen und die Verwendung der Mittel zur vorübergehenden Rückführung von Krediten die wahre Situation des Konzerns verschleiert. Dies, so Küting, sei zurückzuweisen. Die "offene Berichterstattung" lasse diese Geschäfte sichtbar werden. Pellens sagt dagegen: "Der Konzernabschluss der MG entspricht nicht dem US-amerikanischen Rechnungslegungsgrundsatz der ,fair presentation ."

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