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18.02.2002

09:27 Uhr

Streit hinter den Kulissen geht weiter

Paarlauf-Skandal endet mit zweiter Siegerehrung

Als sich das Goldquartett in die Arme fiel und küsste, war das Eis gebrochen und das Happyend perfekt. Nach einer Woche der Sticheleien und Vorwürfe wurde der Paarlauf-Skandal um Elena Bereschnaja/Anton Sicharulidse (Russland) und Jamie Sale/David Pelletier mit der nachträglichen Medaillenübergabe an die Kanadier sportlich fair beendet. Hinter den Kulissen ging die Affäre dagegen mit unverminderter Heftigkeit weiter.

Jamie Sale und David Pelletier. Foto: ap

Jamie Sale und David Pelletier. Foto: ap

HB/dpa SALT LAKE CITY. Die in Salt Lake City an den Pranger gestellte französische Preisrichterin hatte darauf gedrungen, noch einmal angehört zu werden. Marie-Reine Le Gougne, die zugleich Vizepräsidentin des französischen Eislauf-Verbandes ist, drohte damit, sich andernfalls an die Presse zu wenden. Am Montag wollte der Vorstand der Internationalen Eislauf-Union (ISU) der Jurorin, die eine von ihr manipulierte Wertung zugegeben hatte, Gehör schenken. An einem geheimen Ort sollte auch der französische Eislauf-Präsident Didier Gailhaguet zu Vorwürfen Stellung beziehen, er habe seine Preisrichterin so beeinflusst, dass sie für die Russen stimmt.

Vor hunderten von Fotografen und Kamerateams überreichte ISU- Präsident Ottavio Cinquanta am Sonntag im Anschluss an das Originalprogramm der Eistänzer den Kanadiern die extra angefertigten Medaillen. Beide Paare marschierten gemeinsam in das mit mehr als 16 000 Zuschauern ausverkaufte Salt Lake Ice Center. Die bereits mit Gold dekorierten Russen trugen ihre Plaketten bereits um den Hals.

"Das war besser als ich erwartet habe. Es liegen schreckliche Tage hinter uns, aber nun sind wir glücklich, dass diese Sache ein gutes Ende hat", sagte Pelletier im Olympia-Sender NBC, dessen TV-Quoten mit dem "Skate-Gate" in die Höhe geschnellt sind. So zeigte der Fernsehgigant auch keine Minute der Originaltänze, sondern ging erst live mit der Medaillen-Zeremonie für die Paare auf Sendung.

"Vielleicht hat das ganze Theater ja etwas gebracht", sagte Katarina Witt in der ARD. Die Doppel-Olympiasiegerin kennt Absprachen unter Preisrichtern aus eigener Erfahrung und hofft auf einen Neuanfang der ISU. Die Eistänzer Kati Winkler und René Lohse sind überzeugt, dass die Juroren wegen der öffentlichen Aufmerksamkeit vorsichtiger geworden sind. Erstaunlich ist aber, dass sich im Klassement der ersten zehn Paare von den Pflichttänzen zum Originalprogramm nichts verändert hat.

Wegen eines Wacklers mussten Winkler/Lohse mit niedrigen technischen Noten und Platz acht zufrieden sein. "Wir sind schon sehr glücklich, hier zu laufen und uns in den Top Ten zu behaupten", sagte Kati Winkler, die mit einem aufreizenden rot-schwarzen Flamenco-Kleid die Blicke auf sich zog. Für die Berliner ist es der erste Wettkampf in diesem Winter, da Lohse sich im November eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte. "Für mich ist es ein Wunder, dass sie hier überhaupt laufen", sagte ihr Coach Martin Skotnicky.

Vor der Kür am Montag behaupteten die Franzosen Marina Anissina/Gwendal Peizerat ihre Führung mit einer temperamentvollen Darbietung aus Tango und Flamenco. Zweite sind die Russen Irina Lobatschewa/Ilja Awerbuch vor den Italienern Barbara Fusar- Poli/Maurizio Margaglio. Im Zuge der Wertungsdiskussionen warfen die italienischen Weltmeister der Jury vor, trotz eines groben Schnitzers die Franzosen Anissina/Peizerat nach den Pflichttänzen auf Eins gesetzt zu haben. Unerklärlich ist für sie auch, dass das russische Duo an ihnen vorbeizog. Lobatschewa/Awerbuch bestätigten im Originaltanz aber ihre gute Leistung und bekamen im künstlerischen Ausdruck sogar einmal die Höchstnote 6,0.

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