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24.01.2001

12:44 Uhr

Streit in Brüssel

Das Gezerre um Dot-EU nimmt kein Ende

VonBernd Kupilas

Die Einführung der geplanten neuen Internet-Adress-Endung .eu kommt nicht vom Fleck. In Brüssel streiten Deutsche, Franzosen und Briten um die richtigen Vergaberichtlinien für die europäischen Domain-Namen.

HB DÜSSELDORF. Das Gezerre um die geplante neue Internet-Adress-Endung .eu nimmt kein Ende. In Brüssel streiten Vertreter von EU- und von nationalen Behörden, Adress-Registrare und Privatunternehmen derzeit heftig über die richtigen Vergaberichtlinien für die neuen .eu-Adressen. Die Fronten verlaufen dabei pikanterweise zwischen den Nationen. Das wurde jüngst bei einer Anhörung der Arbeitsgruppe EC-POP deutlich. Französische Vertreter setzetn sich bei dem Treffen für eine restriktive Vergabe der neuen Namen ein, die Deutschen verfolgen eher eine liberale Linie, wie sie in Deutschland bereits praktiziert wird - und die Briten waren aus Protest gegen die zunehmende Bürokratisierung erst gar nicht erschienen.

Hintergrund des Streites: Die Franzosen haben im Gegensatz zu Deutschland schon heute sehr restriktive Richtlinien für ihre Internet-Adress-Endung .fr. So darf zum Beispiel in Frankreich jeder Registrierungswillige nur eine einzelne fr-Domain für sich beanspruchen. Gewisse Namen sind zudem verboten. Das sogenannnte Domain-Grabbing, bei dem sich Adressen-Räuber die Namen von Markeninhabern sichern, um sie anschließend an die Unternehmen teuer zu verkaufen, wird verhindert. Vorteil des französischen Verfahrens: Viele Markenrechts-Streitigkeiten um Internet-Adress-Namen, wie sie in Deutschland an der Tagesordnung sind, lassen sich so vermeiden. Französische Vertreter sehen das als Erfolg an.

Doch deutsche Vertreter halten diesen Erfolg für zweifelhaft. Denn bislang gebe es wegen der strikten Regeln in Frankreich weniger als 100 000 Internet-Adressen mit der .fr-Endung, erklärt Markus Eggensperger von dem Starnberger Unternehmen United Domains AG. "Registrierungswillige weichen da lieber auf attraktivere Top Level Domains aus", sagt Eggensperger. Zum Beispiel auf .com. Das deutsche Modell sei deutlich verbraucherfreundlicher. In Deutschland bewegt sich die Zahl registrierter Internet-Adressen auf die vier Millionen zu.

Eggensperger wie auch Vertreter anderer deutscher Unternehmen, die demnächst Domain-Registrierungen an Privatkunden und Unternehmen verkaufen wollen, treten deshalb für eine großzügige Regelung ein. "Man kann nicht alle Domain-Namen im vornherein prüfen", erklärt er. Statt dessen brauche man ein schnelles und klares Schlichtungsverfahren für Namensstreitigkeiten.

Im Streit um das richtige Registrierungsverfahren geht es vor allem darum, das Tag-Null-Problem zu lösen: Am ersten Tag, an dem zum Beispiel die Top Level Domain .eu eingeführt wird, dürften sich möglicherweise Dutzende von Interessenten auf die besonders attraktiven Adress-Namen stürzen. Um Markenstreitigkeiten zu verhindern, wird in Fachkreisen nun diskutiert, Registrierungen in einer "Sunrise Period" schon vor besagtem Tag Null zuzulassen. Markeninhaber könnten sich so ihren Namen sichern, bevor Adress-Räuber ihnen zuvorkommen. Ein Unternehmen wie Daimler-Chrysler käme damit auch zu der Domain daimlerchrysler.eu. Ein weiterer Vorschlag sieht vor, Markeninhabern die Möglichkeit zu geben, Claims abzustecken. Bei einer solchen Lösung gäbe es keine Vorab-Registrierungen. Vielmehr hätten Unternehmen die Chance, Anspruch auf gewisse Namen anzumelden und damit zu signalisieren, dass sie im Zweifelsfall diese Namen auch einzuklagen. Domain-Grabber könnte dies abschrecken.

Ob die Methode Sonnenaufgang oder die Methode Claims sich durchsetzen - ein Problem wird nicht gelöst: Was passiert bei mehrfach vorhandenen Markennamen? Wer bekommt die Domain phoenix.eu: der öffentlich-rechtliche Fernsehsender Phoenix oder der Hamburger Autoteile-Zulieferer?

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