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17.01.2003

14:58 Uhr

Streit mit Kassenärztlicher Bundesvereinigung

AOK sieht Ärzte bundesweit in Betrug verstrickt

In den Abrechnungsskandal um vorgetäuschte Behandlungen bereits toter Patienten sind nach Darstellung der AOK Niedersachsen Ärzte in ganz Deutschland verstrickt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bezweifelte ein solches Ausmaß der Betrügereien und warf der AOK Unseriösität vor.

HB/dpa HANNOVER. Zugleich wurden Forderungen nach einer besseren Kontrolle des Abrechnungssystems laut.

Die betrügerischen Machenschaften seien nicht auf Niedersachsen beschränkt, sagte AOK-Sprecher Klaus Altmann am Freitag in Hannover. "Das ist bundesweites Phänomen." Nach den bisherigen Ermittlungen der Kasse sollen allein in Niedersachsen einige Dutzend Ärzte Geld für Leistungen kassiert haben, obwohl die Patienten gar nicht behandelt wurden oder bereits gestorben waren.

In einem Quartal hat es der AOK zufolge Abrechnungen für mehr als 140 Tote gegeben. Hochgerechnet auf das ganze Bundesgebiet komme man spielend auf mehrere tausend Tote, mit denen Ärzte Geschäfte machten. Um solche Fälle künftig zu verhindern, schlug das niedersächsische Sozialministerium unter anderem die Einführung von Patientenquittungen vor, auf denen der Patient eine Behandlung mit seiner Unterschrift bestätigt.

Die KBV warf der Krankenkasse vor, sie wolle mit einer unseriösen Berechnung die Kassenärzte verunglimpfen. Sie werde die Aussagen der AOK Niedersachsen juristisch prüfen lassen. AOK-Sprecher Altmann sagte dazu, die Kasse wolle keineswegs die Ärzte diskreditieren, Betrugsfälle kämen in allen Sparten des Gesundheitswesen vor.

Die verdächtigten Ärzte sollen mit gespeicherten Patienten-Daten in darauf folgenden Quartalen erfundene Behandlungen abgerechnet haben. "Die Speicherung von Versichertendaten über ein Quartal hinaus ist nicht zulässig", erklärte Altmann. Ein beschuldigter Arzt aus Wilhelmshaven, gegen den bereits die Staatsanwaltschaft ermittelt, habe in einem Quartal allein für 100 Patienten fingierte Abrechnungen gestellt, elf von ihnen waren bereits gestorben.

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