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20.02.2002

19:17 Uhr

Streit um die Jahresabschlussprüfung von Gazprom

PWC droht Verlust von Millionen-Aufträgen

Der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) droht der Verlust von Millionen-Aufträgen in Russland. Sogar der russische Rechnungshof will jetzt die von Gazprom-Aktionären als zweifelhaft angegriffenen Buchprüfungen durch PwC beim größten Gaskonzern der Welt kontrollieren.

mbr MOSKAU. Der Investmentfond Hermitage Capital Management erwägt zudem eine Klage gegen PwC. Der Fond, der mit rund 3 % an Gazprom beteiligt ist, wirft PwC vor, zu Lasten der Aktionäre Verkäufe von Unternehmensteilen weit unter Wert an dem Top-Managern Gazproms nahe stehende Personen bewusst nicht aufgedeckt zu haben. Auch andere Minderheitsaktionäre fordern die Ablösung PwCs als Gazprom-Prüfer.

Die Gesellschaft bekommt derzeit jährlich 12 Mill. $ für seine Gazprom-Arbeit. Hermitage und andere Aktionäre wollen auf der Hauptversammlung des Gaskonzerns Ende Juni die Wirtschaftsprüfung des Unternehmens an Deloitte & Touch vergeben. Der Rechnungshof spricht sich ebenfalls für einen Wechsel aus: Die gleiche Firma sollte nicht mehr als drei Jahre lang die Bücher russischer Monopolisten wie Gazprom, dem Stromkonzern UES oder der Bahn prüfen, forderte Michail Beschmelnizyn vom Rechnungshof, der unter Präsident Wladimir Putin enorm an Bedeutung gewonnen hat bei der Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität.

PwC hatte jahrelang die Gazprom-Bücher geprüft und keine Missstände aufgedeckt. Auch der auf Druck von Minderheitsaktionären herausgegebene, als "vertraulich" eingestufter Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt, enthält kaum Erhellendes. Er verschweigt vor allem, dass Top-Manager 9,65% des Gazprom-Vermögens veruntreut haben, wie eine Nachprüfung durch Hermitage ergab.

PwC steht aber nicht nur in Sachen Gazprom in Russland unter Druck: "Da PwC der Wirtschaftsprüfer von UES ist, wird der undurchsichtige Schuldendeal Russlands und Tschechiens wohl nie aufgedeckt werden", sagte der Moskauer Vertreter einer internationalen Finanzorganisation dem Handelsblatt.

UES hatte die tschechischen Schuldforderungen an Moskau aufgekauft unter zwielichtigen Bedingungen. "PwC steht vor einer Zwickmühle: Ehrlich prüfen und damit das Management verärgern oder die Aktionäre zu hintergehen, um den Prüfauftrag zu behalten", so der Finanzexperte. Dann aber würden die UES-Minderheitsaktionäre - immerhin befinden sich 35% der UES-Aktien in Händen von Ausländern und das Unternehmen ist im Zuge der Restrukturierung auf ausländische Milliarden-Investitionen angewiesen - gegen PwC aufbegehren. Der russische Staat hält bei UES 51% der Aktien, bei Gazprom 38,4%.

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