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22.01.2003

07:51 Uhr

Streit um „Neue Kronen-Zeitung“ – Essener Zeitungskonzern will Ablösung des 82-jährigen Herausgebers Hans Dichand

WAZ gibt in Österreich nicht nach

Der Machtkampf zwischen dem Essener Zeitungskonzern WAZ und dem Wiener Verleger Hand Dichand um das österreichische Massenblatt "Kronen-Zeitung" nimmt an Schärfe zu. Die WAZ will Dichand los werden.

ug/hps WIEN/DÜSSELDORF. Der Streit um die Herrschaft beim österreichischen Massenblatt "Neue Kronen-Zeitung" wird immer mehr zum persönlichen Duell. Die Forderungen des Miteigentümers Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) nach dem Rückzug von Krone-Herausgeber und Geschäftsführer Hans Dichand konterte der fast 82-Jährige: "Wenn es notwendig ist, bleibe und arbeite ich, bis ich tot umfalle."

Zuvor hatte WAZ-Geschäftsführer und Gesellschafter Erich Schumann in einem Interview des österreichischen Rundfunks (ORF) klar gemacht, dass der Streit um Österreichs mit Abstand größte Zeitung auf die Ablösung Dichands zielt. Dichand sei "endlich", sagte Schumann dem ORF. Nicht nur wegen seines Alters sei Dichands Zeit aus WAZ-Sicht "abgelaufen, sondern weil wir der Meinung sind, dass er die Zeitung nicht gut geführt hat." Dichands Behauptung, die "Krone" sei das Prunkstück im Essener Medienkonzern, stimme nicht. "Sie gehört im Augenblick zu den schlecht verdienenden Zeitungen im Verlag", sagte Schumann. In Unternehmenskreisen wurde bekannt, dass die "Kronen-Zeitung" nur noch eine einstellige Rendite erwirtschaftete. Die WAZ-Gruppe mit einem Umsatz von zuletzt knapp 2 Mrd. Euro (2001) erzielt trotz Werbekrise eine Umsatzrendite im zweistelligen Bereich.

"Die ,Krone? ist die rentabelste Zeitung im ganzen Konzern", widersprach Dichand der Darstellung Schumanns. Er werde den Reingewinn gerne nennen, wenn ihn die WAZ-Führung zur Offenlegung dieses "Geschäftsgeheimnisses" ermächtige. In Wien hieß es, dass die "Kronen-Zeitung" zuletzt einen Gewinn von 70 Mill. Euro im Jahr erwirtschaftet hatte.

Dichand beharrt darauf, seinen 37-jährigen Sohn Christoph - einen Juristen - zum 1. Februar zu seinem Nachfolger als Chefredakteur zu bestellen. "Ich habe die ,Krone? als Familienbetrieb aufgebaut", bekräftigte Dichand die Ernennung, deren Ablehnung durch die WAZ in der vergangenen Woche Auslöser des Streits war. Dichand sagte, WAZ-Geschäftsführer Schumann wolle "die Leitung der Redaktion an sich bringen". Die "Krone", die täglich von 2,3 der acht Millionen Österreicher gelesen wird, dürfe nicht in ausländische Hand kommen. Die Übernahme durch die Deutschen müsse im nationalen Interesse verhindert werden. Die WAZ wiederum machte deutlich, dass sie nicht vorhabe, einen deutschen Journalisten an die Spitze der "Kronen-Zeitung" zu etablieren.

Verkaufen wollen beide Partner ihre jeweilige Hälfte an der "Krone" jedenfalls nicht. "Großsprecherei" nannte WAZ-Manager Schumann Dichands Angebot, die WAZ-Anteile zu kaufen. "Er hat das Geld nicht, und bekommt es auch von keinem Kapitalinvestor." Umgekehrt will auch Dichand nicht auf das WAZ-Angebot eingehen, die Anteile des Krone-Gründers zu übernehmen, dann allerdings "sofort an einen österreichischen Partner weiterzugeben", agt Schumann. "Entweder Dichand wird vernünftig - oder es muss anderweitig entschieden werden", drohte er und berief sich damit auf den Gesellschafter-Vertrag. Dichand wiederum will vor Gericht einen handgeschriebenen Vertrag vom Juni 2001 geltend machen, in dem sich die WAZ mit Christoph Dichand als künftigem "Krone"-Chefredakteur einverstanden erklärt haben soll.

Der Streit kommt für die WAZ ungelegen. Der größter Verleger von Regionalzeitungen in Deutschland hatte in den vergangenen Monaten wenig Glück mit seinen Plänen wenig. Weder klappte ein Einstieg beim Axel-Springer-Verlag noch beim verlustreichen Süddeutschen Verlag. Die Gesellschafter des fünftgrößten deutschen Medienkonzerns, die beiden gleichberechtigten Gesellschaftergruppen Brost und Funke, konnten sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen.

Quelle: Handelsblatt

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