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22.01.2005

11:00 Uhr

Studenten entwickeln Ideen für eigene Firmen

Universität Kiel will Gründergeist wecken

VonPatrick Mönnighoff (Handelsblatt)

Um den Wissenstransfer von der Hochschule zur Praxis zu fördern, müssen wir weniger denken und mehr handeln“, sagt Achim Walter, Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Natürlich sei das nicht wörtlich gemeint. Dennoch gilt: Eine moderne Universität basiert nicht nur auf „Forschung und Lehre“, sondern auch auf Technologietransfer.

HB DÜSSELDORF.Mit einem breit angelegten Forschungsprojekt versucht der Professor daher, den Gründergeist an der Universität zu wecken. In einem ersten Schritt hat er zusammen mit den Studenten den theoretischen Teil der Arbeit erledigt, Bücher gesichtet und Fallstudien ausgewertet. „Mittlerweile entwerfen wir einen Fragebogen, um zu untersuchen unter welchen Faktoren Uni-Ausgliederungen erfolgreich sind“, sagt Walter.

Die Studenten besuchen dazu einige der so genannten Spin-Offs und fühlen in Interviews nach, wo die größten Probleme liegen. Danach soll ein standardisierter Fragebogen an weitere junge Unternehmen verschickt werden.

Neben der Theorie sollen die teilnehmenden Studenten auch eigene Ideen für mögliche Existenzgründungen entwickeln. Dann arbeiten sie in kleineren Gruppen an den Geschäftsplänen der einzelnen Konzepte, führen Marktstudien durch und analysieren die jeweiligen Branchen.

Denn das Ziel des Projekts, an dem jedes Jahr bis zu 30 Nachwuchs-Akademiker teilnehmen können, ist nicht nur, mögliche Probleme der jungen Unternehmen zu erforschen und Lösungsansätze zu liefern. „Zudem sollen die Studenten durch den engen Kontakt mit den Gründern ihr eigenes unternehmerisches Talent besser einschätzen können“, sagt Walter.

An deutschen Hochschulen fehle es nicht an Ideen, sagt der Hochschullehrer. Vielmehr sei die Umsetzung und Entwicklung von marktreifen Produkten das größte Problem. Immerhin liegt Deutschland bei den Patentanmeldungen an der Spitze. Das Geld wird aber häufig im Ausland verdient. So wurde beispielsweise „MP3“, ein Dateiformat zur Audiokompression, am Fraunhofer- Institut in Erlangen entwickelt. „Das riesige Potenzial der Technologie vermarkten aber hauptsächlich ausländische Unternehmen wie Apple“, sagt Walter.

Damit derartige Chancen zumindest in Kiel nicht leichtfertig verspielt werden, hat die Uni mit dem Bau eines Wissenschaftsparks auf dem Campus begonnen. Die ersten Räume sind schon bezugsfertig.

Dort sollen dann auch einige der über 20 000 Studenten, die zurzeit im Kiel eingeschrieben sind, den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Und zumindest an guten Vorbildern fehlt es an der Uni, die bei der Forschung seit Jahren zu den Top-Fünf-Hochschulen des Landes zählt, nicht: Seit Anfang der 90er Jahre wurden aus der Hochschule heraus 65 Unternehmen gegründet.

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