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29.01.2001

09:37 Uhr

Studenten fordern Rücktritt von Präsident Wahid

Massenproteste vor dem indonesischen Parlament

Die Demonstranten fordern den Rücktritt von Präsident Abdurrahmann. Sie werfen ihm Korruption vor.

ap JAKARTA. Mehr als 10 000 Studenten haben am Montag vor dem Parlamentsgebäude in Jakarta den Rücktritt des indonesischen Präsidenten Abdurrahman Wahid gefordert. Die Polizei feuerte Warnschüsse in die Luft und setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein; drei Studenten wurden verletzt. Nach offiziellen Angaben versammelten sich auch 1 000 Anhänger Wahids auf dem Gelände. Zur gleichen Zeit beriet das Parlament in nichtöffentlicher Sitzung über zwei Affären, die Wahids 15-monatige Amtszeit belasten.

Der Präsident wies vor Journalisten die Vorwürfe der Studenten zurück und erklärte, er werde nicht zurücktreten. In dem einen Skandal geht es um vier Mill. Dollar, die sich der Masseur Wahids unter Hinweis auf den Präsidenten bei einer Regierungsbehörde verschafft haben soll. Die Behörde erklärte, Monate zuvor habe Wahid angefragt, ob ihr Pensionsfonds für Hilfsprojekte in der von Unruhen erschütterten Provinz Aceh verwendet werden könne. Wahid erklärte, er habe sich schließlich dagegen entschieden und stattdessen vom Sultan von Brunei zwei Mill. Dollar angenommen.

Gegner des Präsidenten fassten dies als einen weiteren Skandal auf, den sie "Bruneigate" nennen. Wahid betonte, es habe sich um eine persönliche Spende gehandelt. Die Abgeordneten haben die Ergebnisse ihrer Ermittlungen nicht veröffentlicht. Es wurde jedoch spekuliert, es gebe ausreichende Beweise für die Verwicklung Wahids in beide Affären.

Der Druck auf Wahid wurde seit der in den benachbarten Philippinen erzwungenen Ablösung des unter Korruptionsverdacht stehenden Präsidenten Joseph Estrada größer. Die Demonstration am Montag erinnerte an die Proteste, die 1998 den ehemaligen Diktator Suharto und ein Jahr später seinen Nachfolger B.J. Habibie zum Rücktritt zwangen.



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