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15.06.2000

14:23 Uhr

Studenten laden sich Titel kostenlos aus dem Internet – Umsatzzahlen beim CD-Verkauf sinken

US-Musikbranche klagt gegen Napster

Musikdateien aus dem Internet sind der Renner bei Kids und Studenten. Was für Künstler, die noch keinen Produzenten gefunden haben, eine Chance ist, wird für die Musikindustrie zum Ärgernis. Sie sieht ihre Umsätze dahinschmelzen und setzt sich gegen den illegalen Vertrieb von Musik via Internet massiv zur Wehr.

wsje/cs/siri SAN FRANCISCO/ NEW YORK. Madonna hat sich mächtig geärgert, als sie feststellen musste, dass ihre neueste CD schon vor dem geplanten Verkaufsstart in den Musikläden im Internet zu hören war. Kaum ist ein neues Musikstück veröffentlicht, steht es auch schon als MP3-Datei im Web.

Immer mehr Jugendliche holen sich ihre Musik direkt aus dem Internet. Eine neue Studie in den USA belegt zeigt, dass der Umsatz von Musikläden vor allem in der Nähe von Universitäten mit schnellem Internet-Anschluss rasant zurückgeht. Die Studenten holen sich ihre Musik direkt aus dem Internet.

Dabei hilft ihnen eine kostenlose Software des kalifornischen Internetdienstleisters Napster Inc. Sie erleichtert die Suche und das Herunterladen ein von MP3-Musikdateien, die häufig von Privatleuten ins Netz gestellt werden. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Raubkopien urheberrechtlich geschützter Musiktitel. Auf Basis dieser Studie hat der Verband der amerikanischen Musikindustrie RIAA nun Klage gegen Napster eingereicht. Napster bestreitet diese Vorwürfe.

Die Studie des Marktforschungsunternehmen SoundScan, die im Auftrag des Branchenverbandes der US-Musikindustrie RIAA (Recording Industry Association of America) durchgeführt worden ist, hatte ergeben, dass der Verkauf von CDs im ersten Quartal 2000 zwar gegenüber dem ersten Quartal 1997 um 18 % gestiegen ist. In Musikgeschäften, die in der näheren Umgebung eines Uni-Campus , liegen, blieb der Umsatz im gleichen Zeitraum jedoch unverändert. In Musikläden, die im Umkreis einer der 40 US-Hochschulen mit den schnellsten Internet-Anschlüssen liegen, sei der Umsatz im Vergleichszeitraum sogar um 13 % zurückgegangen.

Napster und andere Internet-Musikdienstleister sind bei Studenten in den USA beliebt, denn vielen Studenten steht ein schneller Internet-Anschluss zur Verfügung, was es den Studenten wiederum erleichtert, sich Musik aus dem Internet herunterzuladen. Das bestätigte auch die jüngste Untersuchung der Webnoize Inc., einem US-Informationsdienstleister für die Medienindustrie. Dieser fand heraus, dass über 70 % der befragten Studenten mindestens einmal pro Monat die Dienste von Napster nutzen.

Bisher hatte die Musikpiraterie über das Internet kaum Auswirkungen auf den Gesamtumsatz der US-Musikbranche, der im vergangenen Jahr bei rund 15 Mrd. $ lag. Der derzeitige Verlust durch Raubkopien aus dem Internet liege bei 3 % bis 4 %, rechnet Michael Nathanson, Analyst von Sanford C. Bernstein & Co. Stanford geht allerdings davon aus, dass sich dies in den nächsten Monaten drastisch ändern werde. "Bereits im Jahr 2002 wird schon rund 16 % des Musikgeschäfts auf dem US-Markt durch Musikpiraterie verloren gehen", so seine Prognose.

Über kurz oder lang wird damit gerechnet, dass sich die Musikanbieter im Web dazu verpflichten werden, Lizenzgebühren zu entrichten. Pilotcharakter hat hier die jüngste außergerichtliche Einigung zwischen dem Musikportal MP3 - das den Nutzern erlaubt, Musikdateien zu komprimieren und über das Internet anzuhören - und den Musikverlagen Time Warner Musik und BMG Entertainment, einer Division der Bertelsmann AG. Branchenkenner gehen davon aus, dass MP3 ungefähr je 20 Mill.$ an Time Warner Music und BMG Entertainment zahlen wird. Hinzu kommen Lizenzgebühren in Höhe von geschätzten 11 Mill.$ jährlich.

Die Einigung wurde erreicht, nachdem ein Richter entschieden hatte, dass MP3 durch einen Service mit dem Namen MyMP3 die Urheberschutzrechte der Plattenindustrie verletzt hatte. Neben Time Warner Music und BMG Entertainment hatten auch EMI, Sony Music und Universal Music Group mit der Begründung geklagt, dass auch unberechtigte Nutzer Zugang zu dem Dienst hätten. MP3-Chef Michael Robertson hatte in einem Interview erklärt, die Einigung bedeute keine große finanzielle Belastung für MP3 - das Unternehmen verfüge über Bargeldreserven in Höhe von 380 Mill. $.

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