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10.01.2002

16:19 Uhr

Studie des Freizeit-Forschungsinstituts der British-American-Tobacco

Berufliche Selbstständigkeit für viele nicht erstrebenswert

Nur jeder zehnte Beschäftigte in Deutschland ist heute zu einer beruflichen Selbstständigkeit bereit. 89 Prozent der Deutschen fühlen sich wohler, wenn sie angeleitet werden. Das geht aus einer neuen Studie des Freizeit-Forschungsinstituts der British-American-Tobacco (BAT) hervor, die am Donnerstag in Hamburg vorgestellt wurde. Für die Studie befragte das Institut im vergangenen Jahr 5 000 Menschen ab 14 Jahren.

dpa HAMBURG. In den 60er Jahren war noch jeder fünfte Berufstätige (22 Prozent) in Deutschland selbstständig, heute ist es nur noch jeder zehnte (10,1), nämlich 3,6 Millionen. Im EU-Anteil steht Deutschland mit durchschnittlich 14 Prozent an viertletzter Stelle. "Die politisch angestrebte Erhöhung der Selbstständigenquote als Lösung der Beschäftigtenkrise liegt noch in weiter Ferne", erklärte der Leiter des BAT-Freizeit-Forschungsinstituts, Prof. Horst W. Opaschowski.

Als Gründe für den sinkenden Anteil Selbstständiger nannte er neben mangelnder Förderung durch Politik und Bildung das immer noch vorherrschende "Untertanendenken" der Deutschen. Weitere Gründe für die geringe Risikobereitschaft in Deutschland seien die hohen bürokratischen Hürden und unzureichende finanzielle Starthilfe.

Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger (78) sei zwar der Auffassung "wir brauchen mehr Selbstständige", bereit dazu sei aber nur jeder zehnte. Für 88 Prozent der Bevölkerung sei das Risiko zur Selbstständigkeit einfach zu hoch: "Es gibt zu viele Pleiten." Die überwiegende Mehrheit (83) der jungen Generation von 18 bis 34 Jahren resigniere vorzeitig und finde sich mit der Tatsache ab: "Selbstständigkeit ist nicht für alle erreichbar."

Wagniskultur ist für die Jugend ein Fremdwort

Opaschowski: "Das Feld für eine neue Gründergeneration in Deutschland ist noch nicht bestellt. Wagniskultur ist für die Jugend weitgehend ein Fremdwort gelieben." 90 Prozent der 18- bis 34- Jährigen zögen die "finanzielle Sicherheit" und Regelmäßigkeit des Einkommens als Angestellter dem Risiko des Unternehmers vor. Noch dominiere das Leitbild des Industriezeitalters: der unselbstständig und abhängig Beschäftigte.

Eine künftige Kultur und Pädagogik der Selbstständigkeit muss nach Auffassung Opaschowskis immer zwei Erziehungsziele im Blick haben: "Die Selbstständigkeit als Person und die Selbstständigkeit im Beruf." In diese Richtung zielten auch die Vorschläge der Selbstständigen selbst.

Unter dem Titel "Start-up ins Leben. Wie selbstständig sind die Deutschen" ist das Buch zur Studie im Germa Press Verlag Hamburg, ISBN 3-924 865-37-X oder im Internet unter www.bat.de für 17,80 Euro erhältlich.

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