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10.02.2004

14:05 Uhr

Im Auftrag der European Private Equity and Venture Capital Association (EVCA) zu Risikoprofilen von Private Equity-Investitionen ist eine Studie durchgeführt worden, die Risikoprofile im Bereich Private Equity untersucht.
Die Studie zeigt, dass die Risikostufen bei Private Equity-Investitionen - je nach Investitionskanal - stark variieren. Sie belegt, dass die Investition über einen Fonds oder Dachfonds ein deutlich geringeres Risiko birgt als die direkte Investition in ein einzelnes Unternehmen. EVCA fordert, auf Grundlage dieser neuen empirischen Erkenntnisse, den aktuellen Basel II-Entwurf hinsichtlich der Risikobewertung für Private Equity-Investitionen neu zu überdenken. Denn nach dem jetzigen Basel II-Akkord müssten Banken die Sicherheiten, die bei Kreditrisiken zurückzulegen sind, stärker an die Risikostufe ihrer Investition binden und damit deutlich mehr Kapital als Reserven zurückhalten.
Die Studie von Weidig und Mathonet untersuchte die Risikoprofile von drei möglichen Investitionsstrategien in Beteiligungskapital: Direktinvestitionen in ein Unternehmen, Investitionen über einen Fonds sowie Investitionen über einen Dachfonds (Funds-of-Funds). Dabei zeigen die Ergebnisse, dass die Wahrscheinlichkeit eines Total - oder Teilverlusts des anfangs investierten Kapitals je nach Investitionstyp beträchtlich schwankt.
Die Unterschiede bei verschiedenen Investitionsstrategien: So birgt eine Investition in einen Private Equity-Fonds ein geringes Risiko eines Totalverlusts des investierten Kapitals. Bei Investitionen in einen Fonds wird das Kapital von Investoren durch den Fonds verwaltet, um es in ihrem Namen in etwa 10 bis 20 Direktinvestitionen anzulegen und diese zu betreuen. Trotzdem sind Fondsinvestitionen nicht risikofrei, denn die Wahrscheinlichkeit für einen Teilverlust liegt bei circa 30%. Investitionen in einen Dachfonds, in dem das Kapital der Investoren gesammelt wird, um es in ihrem Namen in etwa 20 oder mehr Private Equity- und Venture Capital-Fonds zu investieren, sind mit einer äußerst geringen Wahrscheinlichkeit - nahezu 0% - eines Total - oder Teilverlusts verbunden.
Ein anderes Bild dagegen bei Direktinvestitionen, bei denen ein Investor Kapital direkt in ein Unternehmen einbringt: Hier liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Totalverlust bei 30% und die Wahrscheinlichkeit für einen Teilverlust bei 42%. Hierbei handelt es sich zwar um eine sehr risikoreiche Investition, jedoch wird diese Anlageform von Banken so gut wie nie genutzt.
Die EVCA hat gegenüber dem Baseler Ausschuss die Befürchtung geäußert, dass die im aktuellen Basel II-Entwurf enthaltenen Risikobewertungen übertrieben erscheinen. Angewendet auf die Beteiligungsbranche bedeutet dieses Modell eine Verdreifachung des bei Kreditrisiken als Sicherheit zurückzulegenden Kapitals, nämlich von 8% im Basel I-Abkommen auf 24% oder sogar 32% im vorliegenden Basel II-Entwurf. Aufgrund dieser unangemessenen Risikoeinstufung ist zu erwarten, dass sich viele Banken aus PE-/VC-Fonds zurückziehen. Nach EVCA-Schätzungen gaben Banken rund ein Viertel (6,8 Milliarden Euro) aller Finanzmittel, welche der Private Equity-Industrie im Jahr 2002 zur Verfügung gestellt wurden. Über einen Fünf-Jahres-Zeitraum (1998-2002) belief sich diese Summe sogar auf 38 Mrd. EUR. Im Ergebnis könnte die Finanzierungsalternative Private Equity auf Grund fehlenden Kapitals viele kleine und mittelständische Unternehmen nicht mehr fördern.
Die Studie ist abrufbar unter: http://www.evca.com/html/PE_industry/news_academic.asp

Quelle: FINANZ BETRIEB, 10.02.2004

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