Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.06.2000

18:14 Uhr

Studie: Unterschiedliche Auswirkungen auf regionalen Märkten

Automobilindustrie beurteilt die Chancen des Internet mit großer Vorsicht

In der Automobilindustrie zieht Gelassenheit ein, was den künftigen Einsatz des Internets in der Fahrzeug-Branche betrifft. Sowohl Hersteller als auch Zulieferer sind sich weitestgehend einig darüber, dass die zunächst erhofften Einsparungen deutlich kleiner ausfallen werden.

zel DÜSSELDORF. Die Nutzung des Internets im "Business-to-Business"-Bereich (B2B) wird der Automobilindustrie nicht die erwarteten, großen Kostenreduzierungen bringen. "3 000 US-Dollar sind nicht realistisch", heißt es in einer gemeinsamen Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger und Deutsche Bank Alex. Brown. Der elektronische Handel zwischen Autoherstellern und-zulieferern werde sich während der kommenden Jahre nicht revolutionär, sondern evolutionär verändern.

Roland Berger und die Deutsche-Bank-Tochter haben weltweit 150 Führungskräfte aus der Automobilindustrie nach deren Erwartungen zum Internet gefragt. Die Ergebnisse variieren zwischen Nordamerika, Europa und Japan: Die Ersparnisse aus dem elektronischen Handel werden nach Einschätzung der Automanager in den verschiedenen Weltregionen unterschiedlich hoch ausfallen. 1 200 $ werden es in den USA pro Auto sein, in Europa 639 $ und in Japan 540 $.

Nach Meinung der befragten Führungskräfte wird das Internet nicht nur im Teileeinkauf, sondern auch in anderen Bereichen (Produktentwicklung, Lagerhaltung) zu Einsparungen führen. Ersparnisse im Einkauf sind in Japan am wichtigsten, wo diese Kostenkomponente durch B2B voraussichtlich um 37 % reduziert werden kann. In den USA sind es 33 %, für Europa werden 26 % erwartet.

Roland Berger und Alex. Brown kommen außerdem zu dem Schluss, dass der Einsatz des Internets nicht zu bedrohlichen Veränderungen bei den Zulieferern führen muss. Bei diesen Unternehmen ist die Sorge heute groß, die Automobilhersteller können das Internet dazu nutzen, den Preisdruck noch einmal zu erhöhen. Die Studie hält hingegen fest, dass auch die Hersteller zu weiten Teilen zu den erwarteten Einsparungen beitragen werden.

"Doch die Ersparnisse werden überwiegend an die Autokäufer weitergegeben", heißt es in der Studie. Der Wettbewerbsdruck in der Automobilbranche bleibe weltweit so hoch, dass die internet-bedingten Einsparungen nicht zur Steigerung der Gewinne eingesetzt werden könnten.

Die Autoren der Untersuchungen warnen zudem davor, schnelle Veränderungen aus dem Internet-Einsatz zu erwarten. Hersteller und Zulieferer würden noch Jahre brauchen, um wirklich komplett einsatzfähige Systeme zu haben. Allerdings hielten sich die dafür nötigen Investitionen in Grenzen, größeren Ausgaben durch B2B würden nicht initiiert.

Auch auf der Kundenseite wird das Internet zunächst nicht zu revolutionären Veränderungen führen. Nach Ansicht der Autoren bleibt es in Zukunft ein Traum, sein Auto entsprechend der eigenen Wünsche zu bestellen und nur wenige Tage später beim Händler abzuholen.

In der gesamten Automobilindustrie werde statt dessen das alte Hersteller-getriebene System vorherrschen: Die großen Konzerne würden weiterhin mit ihrem Angebot bestimmen, welche Autos letztlich auf den Markt kommen. Auch moderne Automobilfabriken werden zusammen mit dem Internet nicht in der Lage sein, flexibel genug auf Kundenwünsche zu reagieren.





Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×