Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.02.2003

08:52 Uhr

Studie zur Leistungsfähigkeit der Bundesrepublik

Das technologische Fundament hat Risse

VonBarbara Gillmann

Das technologische Fundament Deutschlands hat "unübersehbare Risse", der Strukturwandel hin zu wissensbasierten Industrien verläuft "im Schneckentempo" - mit drastischen Worten fassten die Autoren der vom Bundesforschungsministerium in Auftrag gegebenen Studie zur "technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands" ihre Erkenntnisse zusammen.

DÜSSELDORF. Der Anteil der Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) am Bruttoinlandsprodukt ist nach dieser Erhebung zwar seit Mitte der 90-er Jahre gestiegen. Zuletzt stagnierte er jedoch bei 2,5 % - und liegt damit meilenweit entfernt vom ehrgeizigen Drei-Prozent-Ziel der EU, das sich auch die Bundesrepublik auf die Fahnen geschrieben hat. Weil aber mittelfristig nur massive Investitionen in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie hohe Einkommen und Beschäftigung sichern, stehe Deutschland nun "vor der Nagelprobe", heißt es in dem 200 Seiten dicken Bericht. Während die Wirtschaft 2002 ihre FuE-Ausgaben noch um 1,5 % steigern konnte, sei angesichts der unsicheren Lage in diesem Jahr "alles andere als ein Rückfahren der Budgets eine Überraschung". Umso größere Bedeutung habe daher der staatliche Beitrag, der hier deutlich langsamer gewachsen sei als anderswo.

So stiegen die gesamten staatlichen FuE-Ausgaben von 2000 bis 2002 hier zu Lande nur um 6 %, während es in Schweden nach Aussage der Autoren knapp 30 %, in den USA 25 % und "selbst im rezessionsgeplagten Japan" 15 % waren. Wenn Deutschland seine technologische Zukunft nicht aufs Spiel setzen wolle, seien Investitionen in Forschung und Bildung das letzte, was dem Rotstift zum Opfer fallen dürfe, warnen die Experten. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) kündigte denn auch an, im Haushalt 2004 wieder einen Zuschlag durchsetzen zu wollen und zudem einen Ausgleich für die wegfallenden UMTS-Mittel. Seit 1998 ist ihr Etat zwar um 25 % aufgestockt worden, im laufenden Jahr musste sie gegenüber dem Vorjahr aber ein kleines Minus hinnehmen.

Besorgnis erregend für den Technologiestandort Deutschland sind nach Auffassung von Harald Legler vom Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung neben den zu geringen Investitionen insbesondere der Mangel an qualifiziertem Personal. So sei die Zahl der Ausbildungsplätze in technischen Berufen seit 1990 um 30 bis 40 % zurückgegangen. Noch bedenklicher sei, dass trotz zuletzt gestiegener Studienanfängerzahlen bei Naturwissenschaftlern und Ingenieuren ein "erheblicher Nachwuchsmangel" absehbar sei. Nur 7 von 1 000 jungen Leuten wählten diese Laufbahnen - "in anderen Ländern sind es 10 bis 15 %". Angesichts dieser Lücken sei alles, was die Bundesrepublik für ausländische Akademiker attraktiv mache, "außerordentlich hilfreich".

Schuld an der fehlenden Dynamik - bei den Ausgaben wie bei der Ausbildung - sei keinesfalls die Konjunktur, betonen die Forscher. Vielmehr sei die Misere seit dem Ende der Sonderkonjunktur nach der Wiedervereinigung ein Dauerzustand. Dies schlägt sich deutlich in der Statistik nieder: Im Vergleich der führenden 12 Nationen ist Deutschland gegenüber Anfang der 90-er Jahre bei den meisten Indikatoren zurückgefallen, so etwa bei den FuE- und Bildungsausgaben, dem Hochtechnologiehandel und den Ausgaben für Informations- und Kommunikationstechnologie. Im Schnitt "haben wir einen Rangplatz verloren", so Grupp.

Mit gemischten Gefühlen sehen die Forscher im Übrigen die überragende Stellung der Automobilindustrie, die allein 30 % der FuE-Ausgaben tätigt. Es fehlten jedoch andere ähnlich starke "Impulsgeber" - und "auf einem Bein kann man nicht gut stehen", so Legler.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×