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10.03.2003

08:56 Uhr

Suche nach Käufern dauert deutlich länger

Wende am Wohnungsmarkt in Sicht

In keinem Land Europas kaufen die Bürger so selten Eigenheime wie in Deutschland. Seit 1995 geht die Zahl der Neubauten zurück. Für 2004 rechnen Experten aber mit der Trendwende.

cs DÜSSELDORF. Der Bau neuer Eigenheime wird zwar noch nicht dieses Jahr, vermutlich aber 2004 anziehen. "Der deutsche Wohnungsmarkt hat seine Talsohle noch nicht erreicht", schätzt Carl Stinglwagner, Vorstandsmitglied des weltweiten Immobilienverbands Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS): "Wir rechnen aber im zweiten oder dritten Quartal 2004 mit einer Erholung." Dem RICS gehören nach eigenen Angaben 110 000 Mitglieder aus der Immobilienwirtschaft in 100 Ländern an. Andere Branchenexperten teilen die Einschätzung.

Eine Studie des RICS in 14 europäischen Ländern zeigt auf, dass sich der deutsche Wohnungsmarkt von den meisten europäischen Ländern abgekoppelt hat. Während hier zu Lande die Zahl der Neubauten seit 1995 stetig sinkt, haben die zum Teil drastischen Zinssenkungen vor allem in Großbritannien einen Hauskauf-Boom ausgelöst. Auch die Münchener HVB Expertise GmbH bestätigt, dass neben Deutschland allenfalls in Finnland, den Niederlanden und Österreich der Wohnungsneubau 2002 gegenüber dem Vorjahr zurück gegangen sei.

Vor allem die hohe Arbeitslosigkeit, der steigende Altersschnitt der Gesellschaft und die drohende Kürzung der Eigenheimförderung bremsen in Deutschland den Wohnungsmarkt. Hinzu kommt in Ostdeutschland ein Überangebot an Wohnfläche.

An der schleppenden Nachfrage haben nach Beobachtungen von RICS-Vorstand Stinglwagner auch die Zinssenkungen der vergangenen Jahre nichts geändert. "Wir sitzen in einer Zinsfalle", glaubt der Immobilienexperte. Während fast überall in Europa der Hang zum Eigenheim steigt und der Mietsektor Einbußen verzeichnet, liegt die Eigenheimquote in Deutschland bei mageren 41 % - 20 Prozentpunkte unter dem europäischen Durchschnitt. Doch obwohl nur wenige Wohnungen und Eigenheime neu hinzu kommen oder den Besitzer wechseln, steigen die Kaufpreise nach RICS-Beobachtungen weiter, wenn auch moderat. Weil Lebensversicherungen und Aktienfonds als Altersvorsorge an Vertrauen eingebüßt haben, halten viele Privatinvestoren an ihren Immobilien fest. Der Verkaufsdruck bleibt damit gering, die Bereitschaft, beim Preis nachzugeben, ebenfalls. "Die Veräußerungszeiträume haben sich verlängert", berichtet Stinglwagner. Sei ein Haus früher bereits nach einem Monat verkauft worden, warte man inzwischen häufig ein halbes Jahr lang auf den Käufer.

Seit drei Jahren rangieren die Baugenehmigungen unterhalb des tatsächlichen Bedarfs, wie das Forschungsunternehmen Bley und Schwarzmann AG ermittelt. Selbst bei den Renovierungsmaßnahmen sei die Quote unterschritten worden. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: Bei den Baugenehmigungen sei eine Trendwende zu beobachten, berichten die Schorndorfer Marktforscher. In diesem Jahr werde sich die schlechte Genehmigungsquote des Vorjahres zwar noch bemerkbar machen, aber 2004 werde die Zahl fertig gestellter Neubauten wieder steigen.

Das glaubt auch Hildegard Höhlich, Leiterin der Regionalmarktforschung bei HVB Expertise. Die Prognosen des Münchener Unternehmens deuten auf eine leichte Besserung 2004 hin. "Vor allem die Ballungsräume besitzen ein Wohnungsdefizit", sagt die Immobilienexpertin. "Hier erwarten wir eine Belebung."

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