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04.01.2002

09:50 Uhr

Südasien-Gipfel

Dialogforum für Pakistan und Indien

Mit eintägiger Verspätung beginnt am Samstag der Südasiengipfel in Nepal, der erstmals seit dem Wiederaufflammen des Kaschmir-Konflikts ein Forum für Gespräche zwischen Spitzenvertretern Pakistans und Indiens bietet.

Pervez Musharraf. Foto: ap

Pervez Musharraf. Foto: ap

rtr KATHMANDU. Grund für die Verschiebung war, dass sich die Ankunft des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf aus China am Freitagabend verzögerte. Bei seiner Ankunft in Kathmandu schloss er ein Gespräch mit Indiens Ministerpräsident Behari Vajpayee nicht aus. Indien erklärte, die Bedingungen für einen Dialog seien noch nicht erfüllt. Pakistan nahm zwar mehr als 100 radikale Moslems fest, darunter Mitglieder zweier Gruppen, die Indien für einen Anschlag auf sein Parlament Mitte Dezember verantwortlich macht. Indien reicht dies jedoch noch nicht aus.

Die verfeindeten Nachbarn Pakistan und Indien haben bereits zwei Mal wegen Kaschmir Krieg geführt und sind beide im Besitz von Atomwaffen. Der Gipfel der Südasiatischen Organisation für Regionale Kooperation (SAARC) hätte ursprünglich am Freitag Nachmittag eröffnet werden sollen. Schlechtes Wetter habe aber das Flugzeug des pakistanischen Präsidenten aufgehalten, sagte ein nepalesischer Regierungsvertreter. Der SAARC gehören außer Indien, Pakistan und Nepal Bangladesch, Bhutan, die Malediven und Sri Lanka an. Die Organisation beschäftigt sich vor allem mit Wirtschaftsfragen.

Musharraf hatte in Peking Gespräche über Kaschmir geführt und dort einem offiziellen Bericht zufolge angekündigt, sich im Dialog mit Indien um eine Entspannung der Lage bemühen zu wollen. Das indische Außenministerium erklärte, Pakistan habe noch nicht die notwendigen Bedingungen für eine Wiederaufnahme des Dialogs geschaffen. Indien fordert von Pakistan ein Ende der Unterstützung für alle islamischen Gruppen, die gegen die indische Herrschaft in Kaschmir kämpfen. Vajpayee und Musharraf werden nach offiziellen Angaben aber beide an einem Bankett des nepalesischen Königs Gyanendra teilnehmen.

Der pakistanische Militärsprecher Rashid Qureshi sagte, China werde Pakistan "in allen Eventualitäten" unterstützen. Pakistan hoffe, dass Indien auf die pakistanischen Bemühungen für einen Dialog reagiere. Im Fall einer Verletzung pakistanischer Hoheitsrechte werde Pakistan mit all seiner Macht antworten.

An der Grenze in Kaschmir kam es auch am Freitag wieder zu Schießereien zwischen Soldaten beider Staaten. Zwei indische Soldaten seien getötet worden, als sie von pakistanischen Truppen unter Beschuss genommen worden seien, verlautete aus indischen Verteidigungskreisen. Bei einem Gegenangriff seien zwei pakistanische Grenzwachen getötet und mehrere pakistanische Bunker zerstört worden. Die Kämpfe wurden entlang der Waffenstillstandslinie geführt, die Kaschmir seit 1948 teilt. Pakistan und Indien haben an ihrer Grenze die umfangreichsten Truppenkontingente seit 15 Jahren zusammengezogen.

Die etwa 120 Mitglieder radikaler Gruppen wurden der Polizei zufolge in der pakistanischen Provinz Punjab festgenommen. Die meisten von ihnen gehörten zwei Gruppen an, die mit den von Indien wegen des Anschlags beschuldigten Organisationen verbündet seien. Es seien aber auch Mitglieder der Kaschmir-Separatisten darunter. Kaschmir wird mehrheitlich von Moslems bewohnt und wird von den Rebellen für Pakistan reklamiert, das 1947 bei der Teilung Indiens am Ende der britischen Kolonialherrschaft die mehrheitlich moslemischen Gebiete erhalten hat.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld äußerte sich zuversichtlich, dass die beiden Länder eine kriegerische Auseinandersetzung vermeiden werden. Am Freitagabend traf der britische Ministerpräsident Tony Blair in der südindischen Stadt Bangalore ein. Am Sonntag soll er mit Ministerpräsident Vajpayee zusammenkommen, bevor er nach Pakistan reist. Blair soll in Abstimmung mit den USA zwischen beiden Staaten vermitteln.

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