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08.01.2003

14:27 Uhr

Südkorea in Mitleidenschaft gezogen

Nordkorea wirft USA Kriegstreiberei vor

Nordkorea hat den USA am Mittwoch Kriegstreiberei vorgeworfen, nur Stunden nachdem die USA Bereitschaft zu Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm signalisiert hatten. Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA warf den USA vor, die Kriegsgefahr auf der koreanischen Halbinsel zu verschärfen.

Reuters SEOUL. Das US-Angebot zu Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm ließ die Agentur dabei unerwähnt. Die USA waren zuvor von ihrer Forderung abgerückt, vor Verhandlungen müsse das kommunistische Land seine jüngsten Maßnahmen in Zusammenhang mit seinem Atomprogramm zurücknehmen.

"Das " 'Atom-Problem', das die Situation auf der koreanischen Halbinsel belastet, ist ein Produkt der US-Strategie, die Welt zu dominieren, im Zuge derer sie hart daran arbeiten, einen nuklearen Holocaust über die koreanische Nation zu bringen", teilte KCNA mit. Die USA hätten etliche Atomwaffen in und um Südkorea in Stellung gebracht. Der nordkoreanische Botschafter in Berlin, Pak Hyon Bo, erhob im Berliner "Tagesspiegel" den Vorwurf, die USA planten einen atomaren Erstschlag gegen sein Land.

"Die USA sind bereit, mit Nordkorea darüber zu sprechen, wie es seine Verpflichtungen gegenüber der internationalen Gemeinschaft erfüllen kann", hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung der Vertreter der USA, Japans und Südkoreas nach Gesprächen in Washington. In der Erklärung betonten die USA jedoch, die Regierung in Washington werde keine Gegenleistungen dafür anbieten, dass sich Nordkorea an bestehende Vereinbarungen halte.

Nordkorea hat US-Angaben zufolge eingestanden, in Verletzung eines Abkommens von 1994 ein Atomwaffenprogramm weiter entwickelt zu haben. Die USA und Westeuropa hatten daraufhin die in dem Abkommen zugesagten Öllieferungen an das Land eingestellt, das unter Energiemangel leidet. Unter Verweis auf die Folgen für die Energieversorgung plant Nordkorea, einen stillgelegten Reaktor wieder anzufahren, in dem nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) auch waffentaugliches Plutonium hergestellt werden kann.

IAEA-Chef Mohamed ElBaradei und internationale Atom-Experten widersprachen allerdings einem japanischen Agentur-Bericht, wonach Nordkorea nach der Wiederaufnahme seines Atomprogramms bereits relevante Mengen waffenfähigen Plutoniums für militärische Zwecke abgezweigt haben könnte. Im Dezember hatte Nordkorea die Beobachter der IAEA, die zuvor die Atomanlagen überwacht hatten, aus dem Land gewiesen.

In Südkorea, wo die Öffentlichkeit gelernt hat, mit der Rhetorik des kommunistischen Nachbarn zu leben, wird der Atomstreit eher gelassen betrachtet. "Die Menschen hier glauben nicht, dass es einen Krieg auf der Halbinsel geben wird", sagte ein Vertreter des Wiedervereinigungsministeriums in Seoul. "Für uns ist ein möglicher Irak-Krieg eine viel ernstere Sache, vor allem im Blick auf die Entwicklung der Ölpreise", sagte ein Fonds-Manager der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Ratingagentur Moody's, die die Kreditwürdigkeit von Staaten und Unternehmen bewertet, hat nach Angaben der südkoreanischen Regierung Besorgnis über die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise ausgedrückt. Ein Vertreter des Finanzministeriums schränkte aber ein: "Ihre Sorgen sind nicht so ernst, um Koreas Kreditwürdigkeit herabzustufen." Die Agentur war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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