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23.01.2003

12:00 Uhr

Surfen über Funknetze

Mit dem Laptop drahtlos ins Internet

VonKatharina Slodczyk

Funknetzen mit Wireless-Lan-Technik, über die mobile Rechner Daten aus dem Internet laden können, gehört die Zukunft. Es gibt immer mehr Netze, und inzwischen wird fast jeder Laptop bereits vom Hersteller mit einer entsprechenden Schnittstelle ausgestattet. Jetzt fehlt nur noch ein Abrechnungssystem

HB DÜSSELDORF. Die Betreiber lokaler Funknetze (WLan) wollen sich künftig stärker verbünden, um gemeinsame Abrechnungssysteme zu etablieren und ihr Geschäft auszubauen. "Für den Kunden soll WLan ähnlich einfach nutzbar sein wie heute das stationäre Internet", sagt Harald Summa, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft Eco. Auf Initiative des Verbandes beraten Vertreter von Unternehmen wie Cisco, Microsoft und Siemens über solche neuen Geschäftsmodelle. Auf der Technologiemesse Cebit im März wollen sie ihr Konzept vorstellen.

Die Idee dabei: Kunden sollen künftig nur noch mit einem WLan-Betreiber einen Vertrag abschließen, um dann jedes lokale Funknetz in ganz Deutschland nutzen zu können. Abgerechnet wird über eine einheitliche Rechnung. Heute ist das Surfen über WLan noch etwas komplizierter: Die Betreiber verkaufen für einzelne Netze Guthabenkarten - ähnlich wie die so genannten Prepaid-Karten im Mobilfunk. Das hat aber den Nachteil, dass eine solche Karte nur bei dem jeweiligen Netzbetreiber gültig ist. Wer sich beispielsweise in ein WLan in einer Hotel-Lobby einwählt, braucht dafür eine andere Guthabenkarte als für das Funknetz in einem Biergarten, das von einem anderen Unternehmen betrieben wird. Zum Teil stellen die WLan-Betreiber ihre Infrastruktur auch kostenlos zur Verfügung oder finanzieren sich über Werbung - nach Ansicht von Analysten hat das Geschäftsmodell aber wenig Zukunft.

Die Nutzer können in einem WLan schnurlos mit ihrem Laptop im Internet surfen. Zurzeit wird die WLan-Technik in Deutschland noch in erster Linie in Unternehmen eingesetzt. Künftig sollen jedoch immer mehr zentrale Plätze mit vielen Besuchern wie Flughäfen, Hotels, Bahnhöfe und Cafés hinzukommen. Derzeit machen solche öffentlichen WLan-Zugänge (so genannte Hotspots) nur etwa 25 % aller lokalen Funknetze in Deutschland aus. Insgesamt gibt es nach Angaben von Experten hier zu Lande 800 WLan. Geht es nach den Prognosen der Analysten, werden die lokalen Funknetze in den nächsten Jahren enorm ausgebaut.

Die Marktforscher von Analysys erwarten, dass sich die Zahl der Nutzer bis 2006 allein in Europa auf 20 Millionen erhöht - gut tausend Mal mehr als heute. Den künftigen Umsatz aller WLan-Anbieter schätzt Analysys auf 3 Mrd. Euro.

Der Vorteil der Technik sind schnelle Übertragungsraten und ein vergleichsweise günstiger Aufbau der Infrastruktur. Die Kehrseite: WLan ist keine mobile Technologie. Sobald sich der Nutzer aus einer Funkzelle wegbewegt, bricht die Verbindung ins Internet zusammen. In der nächsten Funkzelle muss sich der Surfer neu einwählen. Zudem haben die Funkzellen eine eher geringe Reichweite von wenigen Hundert Metern im besten Fall. Und auch Sicherheitsprobleme bei der Datenübertragung sind noch nicht gelöst. Für Experten ist das WLan daher eine Ergänzung zur teuren Mobilfunktechnik UMTS - und keine Konkurrenz.

Der zunehmende Wettbewerb in der Branche sorgt dafür, dass die WLan-Hardware künftig billiger wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Während die Stückzahlen noch kräftig zulegen würden, werde der Umsatz wohl in den nächsten Jahren wohl eher schrumpfen. In 2002 setzten die Hardware-Hersteller nach Angaben von Frost & Sullivan weltweit mehr als 1,5 Mrd. Dollar um und damit rund 13 % mehr als im Vorjahr. In diesem Jahr sagen die Experten einen Umsatz von 1,4 Mrd. Dollar voraus - 9 % weniger als 2002. Erst ab 2007 sieht die Unternehmensberatung wieder positive Wachstumsraten.

Dem versuchen die Unternehmen offenbar mit neuen Produkten zu begegnen. So entwickeln beispielsweise die Unternehmen Avaya, Motorola und Proxim gemeinsame Produkte, die die WLan- Technik mit den heutigen Mobilfunkstandards verbinden. Ziel sei es, die Datendienste sinnvoll in einem Gerät zu integrieren, sagt Jerry Chard, Direktor für UMTS-Technik bei Motorola. Dazu gehört unter anderem die Entwicklung eines Handys, mit dem über das Mobilfunk- und das WLan-Netz telefoniert werden kann.

Auch die Mobilfunknetzbetreiber wollen sich das voraussichtlich lukrative WLan-Geschäft nicht entgehen lassen und mischen bei dieser Technologie mit. So will beispielsweise T-Mobile, die Mobilfunktochter der Telekom, bis Ende dieses Jahres rund 200 WLan-Hotspots betreiben. Ähnliche Pläne hat auch Vodafone. Im Gegensatz zu den kleineren Betreibern der lokalen Funknetze haben Konzerne wie Vodafone keine Probleme damit, ihren Kunden eine einheitliche und bequeme Abrechnung anzubieten. Analysten spekulieren daher bereits über eine Konsolidierung in der Branche und damit eine Übernahme der kleineren WLan-Betreiber oder zumindest strategische Partnerschaften.

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