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10.03.2003

16:32 Uhr

T-Aktionäre leiden weiter

Ricke will dem Rosa Riesen Beine machen

Unerbittlich verharrte die Zahl im Rücken von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke auf der Videoleinwand: 24 600 000 000 ?. Einen derart Schwindel erregenden Verlust musste der Top- Manager eines deutschen Unternehmens der Öffentlichkeit noch nie präsentieren. Ricke, den Unmut der drei Millionen Kleinaktionäre wohl ahnend, redete am Montag in Hannover nicht lange um den heißen Brei herum. "Da gibt es nichts zu beschönigen", nahm er die desaströsen Zahlen auf seine Kappe.

HB/dpa HANNOVER. Die Quittung von den Aktienmärkten kam prompt: Die T-Aktie fiel unter die 10-Euro-Marke. Doch das Rekorddefizit hat auch sein Gutes. Denn die Geschäftsergebnisse 2002 sind für den größten europäischen Telekommunikationskonzern ein Befreiungsschlag. Ricke hat reinen Tisch gemacht, viel Luft aus der Bilanz herausgelassen. Nun kann er dem lange Zeit gelähmten Rosa Riesen wieder Beine machen.

Im Regen stehen erneut die T-Aktionäre. Für 2002 will der Konzern keine Dividende ausschütten, ein Novum seit dem Börsengang vor sieben Jahren. Das schmerzt auch den Großaktionär Bund (43 %) und Finanzminister Hans Eichel, dem somit mehrere hundert Millionen Euro durch die Lappen gehen. Die insgesamt eingesparten 1,6 Mrd. ? steckt die Telekom in den Schuldenabbau.

Bis zum Jahresende sollen die Verbindlichkeiten bei etwa 50 Mrd. ? liegen und damit dem Aktienkurs wieder auf die Sprünge helfen. Rickes Schuldenformel lautet 6 plus 6: Der Verkauf nicht-strategischer Vermögensteile und das operative Geschäft sollen jeweils sechs Mrd. ? einspielen.

Das freut die Analysten, Ricke aber wird sich auf der Hauptversammlung im Mai deutliche Kritik des kleinen Mannes anhören müssen. Denn viele Aktionäre kreiden dem Ex-T-Mobile-Chef eine Mitschuld an der Schieflage der Telekom an. Als der Konzern rund um den Globus auf milliardenschwere Einkaufstour ging, war Ricke zwar nicht Chef, als rechte Hand seines Vorgängers Ron Sommer aber an vorderster Front beteiligt.

Schwacher Trost für die Aktionäre ist, dass sich der Bonner Riese mit den roten Zahlen in illustrer Gesellschaft befindet. Auch die Konkurrenten France Télécom und Vodafone hatten zuletzt in ihren Bilanzen aufgeräumt und Verluste von jeweils über 20 Mrd. ? geschrieben.

Wer den begeisterten Segler Ricke kennt, konnte aus seinem Auftritt in Hannover heraushören, dass er die Krise des Vorjahres nicht als Flaute, sondern als auffrischende Brise für seinen Kurs verstanden hat. "Wir haben auf die Herausforderung entschlossen und konsequent reagiert und die gesamte Unternehmensstrategie auf den Prüfstand gestellt."

Konfliktpotenzial birgt in Zukunft der Abbau von weltweit knapp 55 000 Arbeitsplätzen bis Ende 2005. Ricke zeigte sich in diesem Punkt hart, aber nicht herzlos: "Es geht um persönliche Schicksale, um Menschen und ihre Familien. Deswegen wird es einen sozialverträglichen Personalabbau geben", versprach er.

Aber auch diese Stürme dürfte der groß gewachsene Blondschopf überstehen. Denn im Aufsichtsrat werden ihm ausgebuffte Top-Manager den Rücken freihalten. Post-Chef Klaus Zumwinkel soll den glücklosen Ex-Henkel-Manager Hans-Dietrich Winkhaus demnächst an der Spitze des Kontrollgremiums ablösen. Ebenfalls rückt Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in den Aufsichtsrat.

Kritiker dieser Rochade wenden ein, der viel beschäftigte Post-Chef Zumwinkel könne den Posten des Chefaufsehers der Telekom nicht einfach so nebenbei führen. Zudem entstehe - besonders im Ausland - wieder einmal der fatale Eindruck, der Bund ziehe im Hintergrund der Ex-Staatskonzerne Post und Telekom noch immer die Strippen.

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