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10.04.2006

12:11 Uhr

Tabuthema 11. September

Ein Film reißt Wunden auf

VonTorsten Riecke

Ein Kinotrailer schockt die USA: Als erstes Filmstudio Hollywoods machen die Universal Studios den Versuch, die Geschehnisse vom 11. September 2001 aufzuarbeiten. Obwohl der Film "United 93" in den Staaten auf große Widerstände trifft, soll er doch nur der Auftakt einer ganzen Reihe von 9/11-Filmen sein.

NEW YORK. Die Zuschauer im Crown Plaza Kino in der Kleinstadt Greenwich im US-Bundesstaat Connecticut vertreiben sich die Wartezeit mit Popcorn und Cola. Die Stimmung ist locker und fröhlich. Schließlich soll gleich die Liebeskomödie "Zum Ausziehen verführt" mit Sarah Jessica Parker beginnen. Plötzlich wird es totenstill im Kinosaal. Über den Bildschirm flimmern Flughafenszenen. Dann kommen plötzlich Bilder, die jeder hier schon x-mal gesehen und kaum einer verarbeitet hat: Ein Flugzeug rast in das World Trade Center in New York. Die Zuschauer sind geschockt, einige haben keine Lust mehr auf die Liebeskomödie und verlassen vorzeitig das Kino.

Ähnliche Szenen haben sich in den vergangenen Tagen in vielen Städten der USA abgespielt. In Manhattan setzte ein Kinomanager den Vorschaufilm kurzerhand ab, um seine Gäste nicht weiter zu vergraulen. Der Spot wirbt für den Film "United 93", eine 15 Mill. Dollar teure Produktion der Universal Studios. Erzählt wird darin die Geschichte des Schicksalsfluges von United Airlines am 11. September 2001. Es war jenes vierte Flugzeug, das vier El-Kaida-Terroristen auf das Weiße Haus oder das Kapitol in Washington stürzen wollten. Nur dem Eingreifen der 33 Passagiere und der sieben Besatzungsmitglieder ist es zu verdanken, dass die Maschine Washington nicht erreichte, sondern in ein Feld in Pennsylvania stürzte. Niemand überlebte die Katastrophe.

"United 93" ist der erste Versuch Hollywoods, sich dem jüngsten Trauma der amerikanischen Geschichte anzunähern. Zwar hat es bereits zahllose Bücher, Musiktitel und auch einige Fernsehserien zu den Terroranschlägen gegeben. Für die Filmemacher in Hollywood war das Thema jedoch bislang Tabu - aus Furcht, die kaum verheilten Wunden in der amerikanischen Seele wieder aufzureißen. Jetzt, fast fünf Jahre nach den Anschlägen, sehen viele die Zeit gekommen, das Tabu zu brechen.

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