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19.02.2002

09:13 Uhr

Täter richtete sich selbst

Vier Tote bei blutigem Amoklauf in Bayern

Der Amokläufer von Bayern hat sich selbst getötet. Der 22 Jahre alte Mann hatte zuvor in Eching bei München zwei frühere Arbeitskollegen und im nahe gelegenen Freising einen Schulrektor erschossen. Nach Angaben der Polizei sprengte er sich mit einer Rohrbombe in die Luft.

Foto: ap

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dpa FREISING/ECHING. Bei einem blutigen Amoklauf in Oberbayern hat ein 22-Jähriger drei Männer erschossen und sich danach mit einer Rohrbombe selbst getötet. In einer Firma und in einer Schule feuerte der bis an die Zähne bewaffnete Mann am Dienstag mehrmals um sich, zündete selbst gebaute Rohrbomben und versetzte hunderte Schüler und Anwohner stundenlang in Angst und Schrecken. Nach einem Großeinsatz entdeckte die Polizei die Leiche des Täters am Mittag in einem Schulzentrum in Freising. Als Motiv für den Amoklauf gelten Hass und Rache für eine erst vor wenigen Tagen ausgesprochene Kündigung.

Der ledige Täter hatte an seinem früheren Arbeitsplatz in Eching am Morgen zwei Ex-Kollegen im Alter vor 38 und 40 Jahren erschossen. In der Freisinger Wirtschaftsschule tötete er danach den 52 Jahre alten Direktor und schoss einem Lehrer ins Gesicht. Gegen den Schützen war wegen Raubes und Betruges ermittelt worden.

Das Blutbad nahm nach den ersten Ermittlungen der Polizei folgenden Verlauf: Kurz vor 08.00 Uhr stürmte der Amokläufer im Bundeswehr-Kampfanzug und mit zwei Pistolen bewaffnet die Firma für Dekorationsartikel, in der er bis vor kurzem gearbeitet hatte. Sofort eröffnete er im Produktionsraum aus einer großkalibrigen Waffe das Feuer. Der Betriebsleiter und ein Vorarbeiter wurden von Schüssen tödlich getroffen.

Danach fuhr der Täter mit einem Taxi in die rund 20 Kilometer entfernte Kreisstadt Freising. Dort schoss er 20 Minuten nach der ersten Tat auf dem Parkplatz eines Schulzentrums mit einer Wirtschafts- und einer Fachoberschule wild um sich. Dann stürmte er die Wirtschaftsschule und ging ins Direktorenzimmer. Der Direktor starb durch die Detonation einer Bombe und an Schussverletzungen, einem Lehrer schoss der 22-Jährige durch die Wange.

Der Amokläufer habe sich gezielt einen besonders strengen Lehrer als "Opfer" aussuchen wollen, der aber an diesem Tag krank war, berichtete die Polizei. Daraufhin habe er den Direktor getötet. Eine Angestellte, die Zeugin wurde, erlitt einen Schock. Auch in der Fachoberschule feuerte der Täter mehrmals um sich. Er zündete zwei weitere Rohrbomben, deren Explosionen weithin hörbar waren. Sondereinsatzkräfte der Polizei stürmten daraufhin das Gebäude.

Die Polizei war mit etwa 300 Beamten im Einsatz, die den Tatort weiträumig absperrten; Polizeihubschrauber kreisten über dem Gebiet. Den Beamten, darunter Spezialeinsatzkräfte aus München und Nürnberg, gelang es jedoch nicht, mit dem Amokläufer Kontakt aufzunehmen. Daher blieb zunächst unklar, ob sich der 22-Jährige noch in dem Schulgebäude aufhielt oder bereits auf der Flucht war.

Mittlerweile war mit der Evakuierung des Schulzentrums begonnen worden. Auch umliegende Schulen wurden vorsorglich geräumt oder von Polizisten bewacht. Gegen 12.30 Uhr fanden Spezialeinsatzkräfte den 22-Jährigen dann tot im ersten Stock des Gebäudes. Die Leiche konnte aber auch Stunden später noch nicht geborgen werden, weil eine weitere Handgranate in einem Rucksack vermutet wurde. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) teilte am Tatort mit, der Amokläufer habe sich selbst gerichtet. Möglicherweise sei der Mann aber auch bei der Explosion einer Bombe ums Leben gekommen.

Das Rote Kreuz kümmerte sich mit einem Kriseninterventionsteam um Schüler und Lehrer. Zur medizinischen Versorgung der Betroffenen waren sieben Notärzte, zwölf Rettungswagen und ein Rettungshubschrauber vor Ort. Für Eltern wurde ein Informationszentrum und ein Sorgentelefon eingerichtet.

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