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16.06.2000

11:15 Uhr

Täter unerkannt entkommen

Draskovic nach Attentat aus Krankenhaus entlassen

"Gott hat ihn gerettet", sagte eine Parteisprecherin nach dem dem Attentat auf den serbischen Oppositionspolitiker. Aber wer hat geschossen? Verdächtigt werden offenbar auch Regierungskreise.

Rtr/ap/dpa BELGRAD. Auf den serbischen Oppositionspolitiker Vuk Draskovic ist nach Angaben seiner Partei in der Nacht zu Freitag ein Mordanschlag verübt worden. Draskovic sei kurz vor Mitternacht in seinem Haus in Budva im jugoslawischen Bundesland Montenegro von zwei Schüssen getroffen und dabei leicht verletzt worden, sagte die Sprecherin der serbischen Erneuerungsbewegung, Milena Popovic. Draskovic sei im Krankenhaus behandelt worden. Er sei später auf eigenen Wunsch entlassen worden, berichtete die Nachrichtenagentur Beta. Der Täter konnte unerkannt entkommen. In den vergangenen Monaten war es wiederholt zu Mordanschlägen auf jugoslawische Politiker gekommen.

Draskovic hatte Annäherungskurs an Regierung aufgegeben

Draskovic gilt als einer der wichtigsten Gegenspieler des jugoslawischen Staatspräsidenten Slobodan Milosevic. Er fordert dessen Rücktritt und Neuwahlen. Während der Nato-Angriffe auf Serbien hatte der Oppositionspolitiker jedoch bis zu seiner Entlassung am 28. April als stellvertretender Ministerpräsident mit Milosevic zusammengearbeitet. An den Demonstrationen gegen die Belgrader Führung im Sommer und Herbst letzten Jahres beteiligte sich Draskovic nicht.

In den vergangenen Wochen war es allerdings zur Konfrontation zwischen der jugoslawischen Führung und dem von der Opposition kontrollierten Stadtrat von Belgrad gekommen. Die serbische Regierung übernahm den öffentlichen Nahverkehr und den bis dahin regierungsunabhängigen Rundfunksender "Studio B". Montengro hatte sich aus dem Krieg der Serben gegen die Kosovo-Albaner herausgehalten und später eine Änderung des Bundesvertrages verlangt, um mehr Selbstständigkeit zu erlangen.

Der Anschlag auf Drascovic ist nur der letzte in einer Serie von Attentaten

Es sei ein wahrer Kugelhagel gewesen, sagte Popovic. Die Schüsse seien durch ein Fenster der Draskovic-Wohnung abgefeuert worden. Der Politiker habe Streifschüsse am Ohr und an der Schläfe abbekommen. Draskovic sei bei Bewusstsein gewesen und habe schildern können, was passiert sei. Als der Unbekannte das Feuer eröffnet habe, sei es Draskovic gelungen, in Deckung zu gehen. Beta meldete unter Berufung auf den Polizeichef von Budva, Draskovic sei angeschossen worden, als er das Haus verlassen wollte.

"Gott hat ihn gerettet wie im vergangenen Jahr", sagte Popovic. 1999 hatte Draskovic die jugoslawische Bundesregierung beschuldigt, im Oktober einen Anschlag auf ihn in Auftrag gegeben zu haben, bei dem vier seiner Mitarbeiter getötet wurden. Die Regierung wies die Anschuldigungen zurück.

In den vergangenen Monaten sind im Bundesland Serbien und in Montenegro mehrere Politiker Mordanschlägen zum Opfer gefallen. Anfang Juni töteten bislang Unbekannte den Sicherheitsberater des montenegrinischen Präsidenten Milo Djukanovic, Goran Zugic. Im Mai waren der sozialistische Politiker Bosko Perosevic und im Februar der jugoslawische Verteidigungsminister Pavle Bulatovic erschossen worden. Die Regierung des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic hat Geheimdienste des Westens für die Anschläge verantwortlich gemacht. Der Westen wolle Serbien in die Kniee zwingen und dann besetzen.



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