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09.01.2003

08:02 Uhr

Taiwanesischer Konzern will die Marke erhalten und das Vertriebsnetz auch für die eigenen Produkte nutzen

Sampo übernimmt angeschlagene Grundig

Die mehr als eineinhalb Jahre dauernde Hängepartie über der Zukunft des größten deutschen Herstellers von Unterhaltungsgeräten Grundig ist endgültig beendet. Der taiwanesische Elektronikkonzern Sampo Corp. erhielt den Zuschlag. Der Kaufpreis und die Höhe der Beteiligung an dem Traditionsunternehmen wurde offiziell nicht genannt. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen übernimmt Sampo rund 95 % der Anteile.

mwb MÜNCHEN. Der bisherige Mehrheitseigentümer Anton Kathrein (89 %) zeigte sich gestern bei der Vertragsunterschrift zufrieden und erleichtert: "Ich freue mich, weil ich mein Versprechen, Grundig in eine sichere Zukunft zu führen, erfüllt habe". Der Rosenheimer Antennenhersteller hatte mit seinem Einstieg den Konkurs zunächst abgewendet, ihm fehlten aber die finanziellen Mittel, um Grundig wieder auf die Beine zu bringen. Deshalb suchte das Unternehmen dringend Investoren. Im September rettete eine Landesbürgschaft für Bankkredite in Höhe von 45 Mill. Euro das Unternehmen vor dem Aus. Er sei froh mit Sampo einen Partner gefunden zu haben, der kein reiner Finanzinvestor sei und strategisches Interesse habe, sagte Kathrein.

Nach eigenen Angaben hat er kurz vor dem Verkauf auch die restlichen von den Banken gehaltenen 11 % der Grundig-Aktien gekauft - auch das ein Indiz dafür, dass die Taiwanesen deutlich mehr als 90 % übernommen haben. Kathrein kündigte an, dass er weiterhin im Aufsichtsrat von Grundig sitzen werde.

Sampo will mit Grundig zu einem internationalen Konzern werden. Sampo-Aufsichtsratschef Felix Che sagte, dass Grundig auch künftig als gehobene Marke im Markt positioniert werde. Für sein Unternehmen sei Grundig der ideale Schritt, um auf den europäischen Markt Fuß zu fassen. Durch Zulieferungen aus den chinesischen Werken von Sampo könnten die Kosten bei Grundig weiter reduziert werden.

Der Hersteller von Haushaltselektronik und Multimedia will die Vertriebsstruktur von Grundig auch für seine eigenen Produkte nutzen. Das Grundig-Management bleibe unverändert. Der eingeschlagene Weg sei richtig, sagte Che. Zuletzt hat Grundig sein "Herzstück", das Fernsehgerätewerk in Wien, verkauft. Zu Details wie geplante Investitionen, Arbeitsplätzen und neuer Struktur des Unternehmens machten sowohl die Taiwanesen wie auch Grundig-Vorstandschef Hans-Peter Kohlhammer keine Angaben. Diese Konzepte würden erst noch erarbeitet. Die Schuldenhöhe nannte Kohlhammer ebenfalls nicht. Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu versicherte, dass es außer der Bürgschaft für die Überbrückungskredite keine staatliche Förderung gebe.

Grundig ist mit unter 3 000 Beschäftigten nur noch ein Schatten seiner selbst und werde bald nur noch ein Handelshaus, sagen Kritiker aus der Branche. Für 2002 erwartet Grundig bei einem Umsatz von knapp 1,2 Mrd. Euro einen Verlust von 75 Mill. Euro. Grundig leidet unter dem harten Preiskampf in der Branche sowie der derzeitigen Wirtschaftsflaute. Sampo setzte im vergangenen Jahr 1,4 Mrd. Euro um.

Quelle: Handelsblatt

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