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16.01.2003

16:00 Uhr

Tarifgespräche gehen weiter

Tausende Fluggäste von Warnstreiks betroffen

Bundesweite Warnstreiks bei der Lufthansa haben am Donnerstag an den großen deutschen Flughäfen zu Ausfällen und Verspätungen geführt. 40 Starts mussten während des mehrstündigen Ausstands gestrichen werden, mehr als 3000 Reisende waren betroffen, wie die Lufthansa in Frankfurt mitteilte.

Foto: dpa

HB/dpa FRANKFURT. Die ins Stocken geratenen Tarifgespräche für die 52 000 Beschäftigten des Boden- und Kabinen- Personals sollen nun am 28. Januar wieder aufgenommen werden. Dabei beharrt die Gewerkschaft Verdi auf ihrer Forderung von neun Prozent mehr Geld. Die Lufthansa lehnt dies als "absolut realitätsfern" ab.

Nach den Warnstreiks an sieben Flughäfen normalisierte sich der Flugbetrieb bis zum Mittag wieder. Zwischen 4 und 8:30 Uhr hatten sich laut Verdi rund 6500 Beschäftigte an Protesten beteiligt. Verhandlungsführer Jan Kahmann wertete die Aktionen als Erfolg. "Hoffentlich ist der Lufthansa klar geworden, wozu wir fähig sind, wenn es weiterhin keine Bewegung in den Verhandlungen gibt." Die Mitarbeiter hätten dazu beigetragen, dass das Unternehmen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wieder auf die Beine gekommen sei. Nun wollten sie auch etwas davon haben.

"Empfindliche Nadelstiche"

Die Lufthansa nannte die Warnstreiks "empfindliche Nadelstiche". Konzernsprecher Klaus Walther kritisierte den Kurs der Gewerkschaft mit Blick auf die schwierige wirtschaftliche Lage und den drohenden Irakkrieg. "Wer auf solchen Forderungen beharrt, gefährdet bestehende Arbeitsplätze und verhindert zukünftiges Wachstum." Die Lufthansa hat angeboten, die Einkommen Anfang 2003 um 2,4 Prozent und gegen Jahres- Ende noch einmal um 1,5 Prozent zu erhöhen. Vorgeschlagen wurden zudem eine Ergebnisbeteiligung sowie eine Einmalzahlung für November und Dezember 2002. Die seit Oktober laufenden Tarifverhandlungen waren am Dienstag abgebrochenen worden.

Auf dem größten deutschen Flughafen in Frankfurt beteiligten sich laut Verdi knapp 2000 Mitarbeiter von Technik, Cargo, Catering und Passage an dem Warnstreik. Auf einer Kundgebung vor der Lufthansa - Basis forderten sie auf Plakaten ein "Ende der Bescheidenheit". Sechs Flüge mussten gestrichen werden. Passagiere wurden umgebucht oder stiegen auf Züge um. Viele Jets konnten starten, da sie bereits am Vorabend technisch vorbereitet worden waren. Auf manchen innerdeutschen Flügen wurde auf Bordverpflegung verzichtet.

In Hamburg traten laut Verdi mehr als 2000 Beschäftigte in den Warnstreik. Einige Flüge wurden gestrichen, 29 Maschinen waren zum Teil erheblich verspätet. Am zweitgrößten Lufthansa-Drehkreuz München folgten 200 Beschäftigte dem Aufruf zu einem zweistündigen Ausstand. Drei Flüge fielen aus. In Berlin-Tegel mussten Reisende mehrstündige Verspätungen hinnehmen, sechs Flüge fielen aus. Auch in Düsseldorf, Köln und Stuttgart mussten einige Maschinen am Boden bleiben. In Dresden gab es geringe Verspätungen. Die Lufthansa absolviert pro Tag rund 1300 Flüge.

Bei den vorhergehenden Tarifverhandlungen 2001 hatten sich Verdi und die Lufthansa auf Einkommenserhöhungen von 3,5 Prozent bei 14 Monaten Laufzeit geeinigt. Auch damals kam es zu einem Warnstreik, von dem 7000 Passagiere betroffen waren.

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