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22.01.2003

17:15 Uhr

Tasmanische Wälder brennen

Flammenmeer bedroht Ferienort

Die verheerenden Buschfeuer in Australien rasen nun auf einen kleinen Touristenort in den Bergen südwestlich von Canberra zu. Während die Bewohner der Haupstadt nach einer Wetteränderung vorerst aufatmen durften, geht der Kampf gegen die Buschbrände vor der Stadt Bright im Bundesstaat Victoria weiter.

HB/dpa SYDNEY. Nach australischen Medienberichten vom Mittwoch haben sich Hunderte der etwa 2 000 Bewohner der beschaulichen Kleinstadt in Notunterkünfte begeben müssen, andere wollen noch ihre Häuser vor dem anrückenden Flammenmeer schützen. "Hier ist es wie in einer Geisterstadt", sagte Shirley Moore (67).

Seit zwei Tagen wohnt sie mit ihrem Mann Max im Gemeindezentrum von Bright, während Tochter, Schwager und vier Enkelkinder versuchen, das Familienhaus zu retten. "In 71 Jahren habe ich bisher noch nie mein Haus wegen Buschfeuer verlassen müssen", sagte Max Moore. Auch auf der Insel Tasmanien vor der Südküste Australiens wüten Waldbrände.

Von 18 Brandherden hat die Feuerwehr bisher nur elf unter Kontrolle bringen können. In einem Wettlauf mit der Zeit versuchen die Einsatzkräfte, die Feuer bis zum Wochenende in Schach zu halten. Am Samstag erwarten die Meteorologen höhere Temperaturen und einen starken Wind vom Festland.

In Canberra wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung erst am Mittwoch klar: Innerhalb von 24 Stunden ist nach Angaben der Behörden die Zahl der von dem Flammenmeer vernichteten Häuser um über 100 auf zuletzt 530 gestiegen. Mindestens vier Menschen starben bislang bei der schwersten Feuersbrunst seit Jahrzehnten, 50 wurden schwer verletzt. Die Feuerwalze war in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) vor der 320  000-Einwohner-Stadt wegen unerwarteten Ostwindes zum Stillstand gekommen.

Die Sachschäden in Canberra werden jetzt auf etwa 150 Millionen Australischer Dollar (82 Millionen Euro) geschätzt. Eine Bank in der Stadt hat den Geschädigten Familien Aufbauhilfe in Höhe von jeweils 10  000-Dollar zur Verfügung gestellt. In der Hauptstadt wurde unterdessen ein 15-jähriger Junge wegen Brandstiftung angeklagt. Von den fünf Bränden, die er in den vergangenen Tagen gelegt haben sollte, konnten jedoch alle rechtzeitig gelöscht werden.

Die Höchststrafe für Brandstiftung in Australien beträgt 15 Jahre Haft. Trotz der gegenwärtigen Atempause in Canberra mahnte Feuerwehrchef Peter Lucas-Smith die Hausbesitzer, sich für das kommende Wochenende auf einen neuen Kampf gegen die Flammen vorzubereiten. Er warnte vor steigenden Temperaturen und neuen Winden. Bislang seien 2 500 Menschen vor dem Flammenmeer, das acht Kilometer vor der Stadt wütet, geflohen.

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