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11.02.2001

13:55 Uhr

Tauschhandel Abrüstung gegen US-Rakentenabwehr funktioniere nicht

Moskau begrüßt Bushs Abrüstungspläne

Die Verhandlungen über beiderseitige Abrüstung von Waffen könne sofort beginnen, sagt ein russischer Militärsprecher. Mit Gegenmaßnahmen droht Russland im Fall eines ersten Schrittes zum Aufbau einer nationalen Raketenabwehr in den USA.

dpa MOSKAU/KIEW. Russland hat Äußerungen von US-Präsident George W. Bush über eine mögliche Verringerung der Nuklearwaffen begrüßt. "Wir sind zu sofortigen Verhandlungen mit den USA über eine weitere Reduzierung von strategischen Angriffswaffen bereit", zitierte die Nachrichtenagentur Interfax am Samstag einen nicht näher genannten Militärsprecher in Moskau.

US-Plänen für eine weltraumgestützte Raketenabwehr verweigerte Moskau jedoch unter Verweis auf den ABM-Vertrag weiterhin seine Zustimmung. Der Vertrag, den die USA und die damalige Sowjetunion 1972 schlossen, regelt die Begrenzung von Raketenabwehrsystemen.

"Sobald Washington den ersten Schritt zum Aufbau eines nationalen Systems der Raketenabwehr macht, wird Moskau entsprechende Gegenmaßnahmen treffen", drohte der russische Militärsprecher. US- Militärexperten verfolgen die Strategie, durch bedeutende Kürzungen bei den Nuklearwaffen die Bedenken Russlands, Chinas und der westeuropäischen Verbündeten gegen die geplante Nationale Raketenabwehr (NMD) zu zerstreuen. Die Raketenindustrie der Ukraine schlug unterdessen Russland eine Rüstungskooperation vor.

Deutschland lehnte "Tauschgeschäft" Abrüstung für Raketenabwehr ab

US-Präsident Bush hatte am Freitag in Washington mitgeteilt, das Verteidigungsministerium zu einer umfassenden Überprüfung seines Zuständigkeitsbereiches beauftragt zu haben. Nach Angaben von Regierungsbeamten gehört dazu auch das Atomwaffenarsenal.

Die deutsche Bundesregierung lehnte ein Tauschgeschäft Abrüstung für Raketenabwehr mit den USA zunächst ab. So einfach werde es nicht gehen, sagte ein Berliner Regierungsbeamter am Freitag in Washington nach Gesprächen mit der US-Regierung.

Waffenhersteller fordert Russland zur Zusammenarbeit auf

Der größte ukrainische Hersteller von Interkontinentalraketen, Juschmasch, forderte Russland angesichts der US-Raketenabwehrpläne zur Rüstungszusammenarbeit auf. "Wir haben etwas, worüber die Nachfolgestaaten der Sowjetunion nachdenken sollten", teilte der ukrainische Hersteller der noch zu Sowjetzeiten entwickelten Interkontinentalraketen SS-18 und SS-24 mit.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion ist die Zusammenarbeit der Rüstungsbetriebe in den einzelnen Republiken weitgehend zusammengebrochen. Die unabhängige Ukraine zählt zu den größten Rüstungsexporteuren der Welt. Der russische Präsident Wladimir Putin wird voraussichtlich am Montag mit dem ukrainischen Präsidenten und früheren Juschmasch-Direktor Leonid Kutschma in Dnjepropetrowsk zusammentreffen.

Die USA verfügen nach eigenen Angaben über rund 7000 Nuklearsprengköpfe, Russland habe etwa 6000. Nach dem letzten Abrüstungsvertrag sollen sie auf jeweils 3500 reduziert werden. Moskau strebt eine Reduzierung auf eine Obergrenze von 1500 Nuklearsprengköpfen an.

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