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24.02.2002

23:12 Uhr

Team USA unterliegt 2:5 - Gretzkys Mission erfüllt

Kanada erringt Gold im Traumfinale

Die kanadischen NHL-Stars haben ihre Mission erfüllt und das erste olympische Gold für das Eishockey-Mutterland seit 50 Jahren gewonnen. Im Traumfinale von Salt Lake City setzten sich die Dollar-Millionäre aus Kanada mit 5:2 (2:1, 1:1, 2:0) gegen ihre Liga-Kollegen aus den USA durch.

HB/sid SALT LAKE CITY. Auf der Ehrentribüne applaudierte Eishockey-Idol Wayne Gretzky, der als Kanadas verantwortlicher Delegationsleiter nachholte, was er als Spieler vor vier Jahren in Nagano verpasst hatte.

US-Coach Herb Brooks, der 1980 beim "Wunder von Lake Placid" ein Team aus College-Boys zum Sensationssieg gegen die Sowjetunion und später zu olympischem Gold geführt hatte, blieb die Wiederholung seines Triumphes versagt. Die Gastgeber, die im Viertelfinale die deutsche Mannschaft ausgeschaltet hatten, verloren nach 24 Partien ohne Niederlagen erstmals seit dem 4. Februar 1932 in Lake Placid (1:2 gegen Kanada) ein Olympia-Heimspiel.

Vor 8599 Zuschauern im ausverkauften E-Center brachte Tony Amonte von den Chicago Blackhawks die Gastgeber unter dem ohrenbetäubenden Jubel der US-Fans in Führung (9.). Doch danach dominierten die "Ahornblätter" das erste Drittel - zur Freude der rund 4000 kanadischen Anhänger. Paul Kariya von den Anaheim Mighty Ducks nutzte einen Traumpass von Verteidiger Chris Pronger, den Superstar Mario Lemieux durch seine Beine zum Ausgleich (15.) passieren ließ.

Nur drei Minuten später, nachdem Scott Niedermayer bereits den Pfosten getroffen hatte, erzielte NHL-Topscorer Jarome Iginla von den Calgary Flames das verdiente 2:1 (19.). Mittelstürmer Joe Sakic hatte den 24-Jährigen mustergültig angespielt.

Die Vorentscheidung im Mittelabschnitt verpasste ausgerechnet Superstar Lemieux. Der 36-Jährige, als Klubbesitzer der Pittsburgh Penguins im NHL-Alltag Chef von Talentspäher Brooks, verfehlte aus einem Meter Entfernung das leere Tor (31.). So glich Brian Rafalski von den New Jersey Devils in Überzahl für die US-Profis aus (36.), doch Sakic von Stanley-Cup-Sieger Colorado Avalanche antwortete prompt mit dem 3:2 (39.). Das 4:2 durch Iginla in der 52. Minute war praktisch die Entscheidung, das 5:2 durch Sakic in der 59. Minute nur noch das Sahnehäubchen.

20 Stunden nach ihrer bitteren Halbfinal-Niederlage gegen die USA holten sich die russischen Eishockey-Stars am Samstag durch einen ungefährdeten 7:2-Sieg gegen Außenseiter Weißrussland als kleinen Trost die Bronzemedaille. Alexej Kowalew (6.), Darius Kasparaitis (12.), Oleg Twerdowski und Pawel Datsjuk mit einem Doppelschlag innerhalb von 23 Sekunden (24.), erneut Kowalew (48.) und Datsjuk (53.) sowie Maxim Afinogenow (60.) trafen für den Rekord-Olympiasieger.

Für den Favoritenschreck, der im Viertelfinale sensationell Schweden ausgeschaltet hatte, erzielten Dmitri Pankow (10.) und der Ex-Nürnberger Dmitri Dudik (22.) zweimal den Ausgleich. Torhüter Andrej Mesin, einer von insgesamt sechs Legionären aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), musste schon nach zwölf Minuten seinen Platz für Sergej Schabanow räumen.

Nach dem Spiel wiederholte Russlands Trainer Wjatscheslaw Fetisow seine Vorwürfe gegen den Internationalen Eishockey-Verband (IIHF): "Es ist alles getan worden, damit das Finale USA - Kanada heißt. Die NHL-Schiedsrichter leben und arbeiten in Nordamerika und kennen die Spieler. Da ist es nur menschlich, dass sie nicht gegen sie pfeifen." Der Kanadier Bill McCreary hatte nicht nur nach Fetisows Meinung die Russen gegen die USA benachteiligt.

Nicht nur wegen der Diskussion um die Schiedsrichter-Ansetzungen ist die Zukunft der NHL-Profis bei Olympia fraglich. "Die Balance stimmt einfach nicht mehr. Wir haben Termin-Probleme und der internationale Verband eine andere Auffassung. Die NHL kann ihren Spielbetrieb nicht für 16 Tage unterbrechen. Olympia macht für uns keinen Sinn, weil es dem Spielbetrieb und unseren Geschäften schadet", erklärte NHL-Commissioner Gary Bettman. Der Liga-Boss kündigte an, dass man sich nach dem Turnier mit der IIHF zusammen setzen werde, um über Turin 2006 zu sprechen.

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