Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.10.2011

08:21 Uhr

150 Jahre Telefon

„Über die Fortpflanzung von Tönen“

Merkwürdige Worte machten Johann Philipp Reis berühmt: „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.“ Sie fielen vor 150 Jahren bei der Vorstellung eines Geräts, dass aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist: das Telefon.

Nachbau der Fernsprechanlage von Johann Philipp Reis. dpa

Nachbau der Fernsprechanlage von Johann Philipp Reis.

DüsseldorfFast jeder hat seine Erfahrungen gemacht mit dem Gerät, das heute aus dem Alltag der Menschen nicht mehr wegzudenken ist: mit dem Telefon. Ob als Handy in der Tasche, als Festnetzgerät in den Varianten schnurlos oder verkabelt oder gar als schwarzer Nostalgiker mit Wählscheibe – wenige andere Gegenstände haben in den vergangenen 150 Jahren das Leben der Menschen derart verändert wie das Telefon.

Der Tüftler und Erfinder Johann Philipp Reis aus dem hessischen Friedrichsdorf konnte all das noch nicht ahnen, als er am 26. Oktober 1861, im Alter von 27 Jahren, der Physikalischen Gesellschaft in Frankfurt seinen Fernsprecher präsentierte: eine Ohrmuschel aus Holz mit einem aus Wurstdarm nachempfundenen Trommelfell, in das feine Platinstreifen eingesetzt waren . „Über die Fortpflanzung von Tönen auf beliebige Entfernungen durch Vermittlung des galvanischen Stroms“ hieß der Vortrag, mit dem der Erfinder seinen Apparat vorstellte.

Ein zentraler Satz, der durch das neue Gerät geschickt wurde, fiel der Legende nach bei einer anderen Vorführung. Und er klang merkwürdig: „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.“ Doch Reis und andere Anwesende konnten bei dem Test mit dem spontan ausgedachten Fantasie-Satz beweisen, dass Sprecher und Zuhörer sich nicht abgesprochen oder etwas auswendig gelernt hatten.

Den ganz großen Durchbruch schaffte Reis mit seiner Erfindung nicht. Er starb mit 40 Jahren an Tuberkulose, bevor er seinen Apparat weiterentwickeln konnte. Der Fernsprecher von Reis funktionierte nämlich nur in eine Richtung – der Hörer konnte nicht sofort antworten.

Erst als in den USA Alexander Graham Bell in den 1870er Jahren ein Telefon auf den Markt brachte, das abwechselnd ans Ohr und dann an den Mund gehalten wurde, trat der Fernsprecher seinen weltweiten Siegeszug an. Eines der ersten öffentlichen Fernsprechnetze entstand 1881 in Berlin mit 48 Teilnehmern. Mittels Kurbel wurde die Verbindung zur Vermittlungsstelle hergestellt.

Dort wurden die Gespräche manuell weitergeleitet – bald nur von Frauen, weil ihre höheren Stimmen besser zu verstehen waren als die von Männern. „Das Fräulein vom Amt“ war geboren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×