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13.02.2017

14:53 Uhr

Amazon Echo im freien Verkauf

Wie Alexa ihr Deutsch verbessert hat

VonChristof Kerkmann

Alexa, was macht dein Deutsch? Die digitale Assistentin, die auf dem Lautsprecher Echo zum Einsatz kommt, hat ihre Sprache verbessert. Amazon verkauft das Gerät deswegen nun auch an Sachsen und Schwaben.

Die vernetzten Lautsprecher sind jetzt auch in Deutschland für alle Kunden zu haben. Reuters

Amazon Echo

Die vernetzten Lautsprecher sind jetzt auch in Deutschland für alle Kunden zu haben.

DüsseldorfAn der Aussprache war von vornherein nichts auszusetzen. Trotzdem sollte Alexa erst noch ihr Deutsch aufbessern: Als Amazon den vernetzten Lautsprecher Echo samt der digitalen Assistentin im vergangenen Herbst mit einer deutschen Sprachausgabe herausbrachte, bekamen nur ausgewählte Kunden das Gerät. Das System sei noch nicht ausgereift, lautete die Begründung (einen Test aus dem November lesen Sie hier). Nun ist der Crashkurs aber abgeschlossen – und das Gerät seit dem heutigen Montag frei verfügbar.

Echo und das kleine Modelle Echo Dot sind Lautsprecher, die Nutzer per Spracheingabe steuern können. Die Software erkennt die Kommandos, analysiert den Inhalt und leitet daraus Handlungen ab – Musik wiedergeben natürlich, aber auch einen Wecker stellen, die Nachrichten vorlesen oder ein Produkt in den Amazon-Warenkorb legen. Die Verarbeitung der Daten geschieht in den Rechenzentren des Konzerns, daher ist eine permanente Internetverbindung nötig.

Was Alexa antwortet

Intelligente Assistentin

Amazon hat mit Alexa eine künstliche Intelligenz erschaffen, die über den Lautsprecher Echo mit den Nutzern spricht – ähnlich Siri auf dem iPhone. Wie intelligent das System ist, hängt aber von der Programmierung. Ein Überblick zu den aktuellen Möglichkeiten.

Small Talk

Die Entwickler haben Alexa etwas Small Talk beigebracht. Auf „Wie geht es dir?“ antwortet die Assistentin beispielsweise „Alles klar bei mir.“ Auch ein paar Witze beherrscht das System, wenn auch nicht unbedingt gute. Eine Kostprobe: „Was hängt im Urwald an den Bäumen? Urlaub.“

Wissen

Das System greift auf verschiedene Wissensquellen zu. Daher weiß es das Alter von Donald Trump genauso wie den Grund dafür, dass der Himmel blau ist. Allerdings offenbaren sich noch viele Verständnis- oder Wissenslücken, etwa bei der Gründung nach der Bundesrepublik Deutschland.

Berechnungen

Ähnlich wie in der Suchmaschine lassen sich Berechnungen durchführen. „Wie viel ist 27 mal 37“ beantwortet Alexa korrekt (999), ebenso die Umrechnung von Kilometern in Meilen. Mit Währungen kennt sie sich allerdings noch nicht aus, anders als etwas Google.

Musik

Echo kann bestimmte Lieder abspielen, wenn sie denn in der Musiksammlung oder über Amazon Prime verfügbar sind. Mit Kommandos „Alexa, lauter“ oder „Alexa, Pause“ steuert man die Wiedergabe. Auch bei der Entdeckung hilft das System: „Was für Songs gibt es von Mumford & Sons“?

Smart Home

Andere Unternehmen können Alexa für die Steuerung ihrer Smart-Home-Geräte nutzen. Das deutsche Start-up Tado ermöglicht etwa, die Heizungssteuerung über das System anzusprechen. Beispiel: „Stelle die Temperatur im Wohnzimmer auf 21 Grad.“

Verkehr

Das System liest Informationen zur Verkehrslage vor. Der Kooperationspartner Deutsche Bahn ermöglicht es, sich Züge heraussuchen zu lassen, übrigens samt Verspätungen. An fortgeschrittenen Funktionen arbeitet der Konzern noch.

Nachrichten

„Was gibt es Neues?“ – diese Frage veranlasst Alexa, aktuelle Nachrichten von Kooperationspartnern wie „Tagesschau in 100 Sekunden“ vorzulesen. Über den Onlinedienst Toralarm können Fans Sportergebnisse abrufen. Wer nach dem Spielstand beim FCB fragt, bekommt aber das Ergebnis des FC Basel vorgetragen. Ob Alexa eine Schweizerin ist?

Praktischer Helfer

Alexa kann einen Wecker stellen und eine Stoppuhr starten, Einkäufe in eine To-Do-Liste eintragen und Termine in den Kalender schreiben (allerdings derzeit nur bei Gmail). Die Assistentin gibt auch Auskünfte auf Fragen wie: „Was steht morgen in meinem Kalender?“

Einkaufen

Natürlich bietet Amazon eine Möglichkeit an, über Alexa einzukaufen: Nutzer können Produkte dem Einkaufswagen hinzufügen oder gleich bestellen. Wer sie vorher lieber sehen will, bekommt sie in der Begleit-App angezeigt – bei vielen Produkten sinnvoll.

In den vergangen fünf Monaten habe es mehrere große Updates gegeben, vor allem beim Natural Language Understanding, also der Erkennung natürlicher Sprache, erläutert Amazon-Manager Michael Wilmes gegenüber dem Handelsblatt – denn die sei sehr komplex. Das betrifft etwa die Erkennung von Mundarten. „Das System muss den Dialekt in Sachsen genauso verstehen wie in Schwaben oder Ostfriesland“, sagt Wilmes.

Problematische Sprachvermischung

Mindestens genauso wichtig ist die Unterscheidung von Deutsch und Englisch, an der Amazon nach eigenen Angaben gearbeitet hat. Diese ist im heutigen Sprachgebrauch wichtig, gerade beim Aufruf von Musik: „Alexa, spiele ‚Smells like Teen Spirit‘ von Nirvana“ ist ein typisches Beispiel für die Vermischung der beiden Sprachen.

Bei der Verbesserung analysierte Amazon die Daten der ersten Nutzer – anonymisiert natürlich. Diese konnten sogar über eine App gezielt melden, wenn Alexa sie missverstanden hat. „Wir bedanken uns bei den ersten Nutzern für das wertvolle Feedback, mit dem wir den Service kontinuierlich verbessern konnten“, sagte denn auch Amazon-Manager Jorrit van der Meulen.

Weiterentwickelt hat sich auch das Angebot an zusätzlichen Fähigkeiten, die Amazon Skills nennt: Entwickler und Unternehmen können über Programmierschnittstellen das System erweitern. Es gibt beispielsweise einen Fußballticker, eine Zugansage, Spiele und Rezepte. Außerdem Kommandos, um vernetzte Geräte wie Heizthermostate oder Lampen zu steuern. Mehr als 500 dieser Skills gibt es inzwischen, das Unternehmen hat dafür auf seiner Website eine eigene Rubrik eingerichtet.

Klar ist: Die Entwicklung von Alexa ist noch nicht abgeschlossen. Auch wenn die Verständigung meist reibungslos klappt, hat die Assistentin immer noch viele Wissenslücken und beantwortet viele Fragen mit einer unbefriedigenden Antwort: „Das gehört genau zu den Dingen, die ich nicht weiß.“

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