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02.11.2016

13:15 Uhr

Amazon Echo im Test

Alexa, lass' uns reden!

VonChristof Kerkmann

Amazons Assistentin Alexa hat Deutsch gelernt: Ähnlich wie Siri beantwortet sie Fragen und trägt Termine in den Kalender ein, jedoch nicht übers Smartphone, sondern einen Lautsprecher. Meist charmant, manchmal nervig.

Der Lautsprecher fügt sich mit seinem dezenten Design ins Wohnzimmer oder die Küche ein. AP

Amazon Echo

Der Lautsprecher fügt sich mit seinem dezenten Design ins Wohnzimmer oder die Küche ein.

Düsseldorf„Was hängt im Urwald an den Bäumen? Urlaub.“

Seltsam, dass ihr Humor nach Otto Waalkes oder einem Witzebuch aus den 80er Jahren klingt. Eigentlich ist sie nämlich das, was viele als die Zukunft des vernetztes Zuhauses sehen. Alexa, die Erzählerin dieses mauen Witzes, ist eine digitale Assistentin, die Nutzer über den Lautsprecher Echo aufrufen können – ähnlich wie Siri auf dem iPhone.

Amazon hat mit dem Gerät in den USA einen Überraschungserfolg gefeiert und angeblich mehrere Millionen Exemplare verkauft. Die Faszination rührt nicht unbedingt vom Humor, sondern von den zahlreichen anderen Fähigkeiten.

Nun verkauft der Konzern das Modell auch in Deutschland. Zunächst nur in begrenzten Mengen – wohl auch, weil die Assistentin Alexa noch viel dazulernen muss. Die deutsche Sprachausgabe ist neu, der Online-Händler muss sich noch mit Dialekten oder anderen Widrigkeiten auseinandersetzen. Erste Erfahrungen zeigen: Alexa amüsiert und fasziniert, aber manchmal nervt sie auch.

Was Alexa antwortet

Intelligente Assistentin

Amazon hat mit Alexa eine künstliche Intelligenz erschaffen, die über den Lautsprecher Echo mit den Nutzern spricht – ähnlich Siri auf dem iPhone. Wie intelligent das System ist, hängt aber von der Programmierung. Ein Überblick zu den aktuellen Möglichkeiten.

Small Talk

Die Entwickler haben Alexa etwas Small Talk beigebracht. Auf „Wie geht es dir?“ antwortet die Assistentin beispielsweise „Alles klar bei mir.“ Auch ein paar Witze beherrscht das System, wenn auch nicht unbedingt gute. Eine Kostprobe: „Was hängt im Urwald an den Bäumen? Urlaub.“

Wissen

Das System greift auf verschiedene Wissensquellen zu. Daher weiß es das Alter von Donald Trump genauso wie den Grund dafür, dass der Himmel blau ist. Allerdings offenbaren sich noch viele Verständnis- oder Wissenslücken, etwa bei der Gründung nach der Bundesrepublik Deutschland.

Berechnungen

Ähnlich wie in der Suchmaschine lassen sich Berechnungen durchführen. „Wie viel ist 27 mal 37“ beantwortet Alexa korrekt (999), ebenso die Umrechnung von Kilometern in Meilen. Mit Währungen kennt sie sich allerdings noch nicht aus, anders als etwas Google.

Musik

Echo kann bestimmte Lieder abspielen, wenn sie denn in der Musiksammlung oder über Amazon Prime verfügbar sind. Mit Kommandos „Alexa, lauter“ oder „Alexa, Pause“ steuert man die Wiedergabe. Auch bei der Entdeckung hilft das System: „Was für Songs gibt es von Mumford & Sons“?

Smart Home

Andere Unternehmen können Alexa für die Steuerung ihrer Smart-Home-Geräte nutzen. Das deutsche Start-up Tado ermöglicht etwa, die Heizungssteuerung über das System anzusprechen. Beispiel: „Stelle die Temperatur im Wohnzimmer auf 21 Grad.“

Verkehr

Das System liest Informationen zur Verkehrslage vor. Der Kooperationspartner Deutsche Bahn ermöglicht es, sich Züge heraussuchen zu lassen, übrigens samt Verspätungen. An fortgeschrittenen Funktionen arbeitet der Konzern noch.

Nachrichten

„Was gibt es Neues?“ – diese Frage veranlasst Alexa, aktuelle Nachrichten von Kooperationspartnern wie „Tagesschau in 100 Sekunden“ vorzulesen. Über den Onlinedienst Toralarm können Fans Sportergebnisse abrufen. Wer nach dem Spielstand beim FCB fragt, bekommt aber das Ergebnis des FC Basel vorgetragen. Ob Alexa eine Schweizerin ist?

Praktischer Helfer

Alexa kann einen Wecker stellen und eine Stoppuhr starten, Einkäufe in eine To-Do-Liste eintragen und Termine in den Kalender schreiben (allerdings derzeit nur bei Gmail). Die Assistentin gibt auch Auskünfte auf Fragen wie: „Was steht morgen in meinem Kalender?“

Einkaufen

Natürlich bietet Amazon eine Möglichkeit an, über Alexa einzukaufen: Nutzer können Produkte dem Einkaufswagen hinzufügen oder gleich bestellen. Wer sie vorher lieber sehen will, bekommt sie in der Begleit-App angezeigt – bei vielen Produkten sinnvoll.

Ordentlich abgestimmter Klang

Äußerlich ist Echo kaum von einer der vielen herkömmlichen Boxen zum Mitnehmen zu unterscheiden: Ein Zylinder, erhältlich in schwarz oder weiß, unten mit kleinen Löchern für die Lautsprecher, oben metallisch glatt. Mit diesem schlichten Design fügt sich das Gerät unauffällig ins Wohnzimmer oder in die Küche ein. 

Und Echo tut, was man von einer Box erwartet: Das Gerät füllt den Raum mit einem ordentlich abgestimmten Klang, aus dem Höhen wie Bässe gut herauszuhören sind. Ähnlich wie bei Konkurrenzprodukten lässt es sich per Bluetooth mit Musik oder Podcasts vom Smartphone oder Notebook bespielen und somit unabhängig von Amazon benutzen. Einen Klinkeneingang hat es nicht. 

Die Bedienelemente beschränken sich auf zwei Knöpfe, mit denen man die Spracheingabe startet oder die Mikrofone ein- und ausschaltet. Die Steuerung erfolgt schließlich über Sprache. Damit das Gerät sie versteht, enthält es sieben Mikrofone, die in alle Richtungen lauschen. Das funktioniert erstaunlich gut: Das System erkennt Eingaben auch dann an, wenn sie aus dem Nebenzimmer herüberschallen und nebenbei Musik läuft. Missverständnisse kommen vor, sind aber relativ selten. 

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