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06.12.2013

14:58 Uhr

Android

Taschenlampen-App leuchtet Nutzer aus

Wer eine App auf seinem Smartphone installiert, gibt den Herstellern unbewusst Zugriff auf seine Daten. Der jüngste Fall betrifft eine Taschenlampen-App, die ihre Nutzer im wahrsten Sinne des Wortes durchleuchtete.

Wie ein vermummter Einbrecher bediente sich eine Adroid-Taschenlampen-App an den Daten von Millionen Nutzern. dpa

Wie ein vermummter Einbrecher bediente sich eine Adroid-Taschenlampen-App an den Daten von Millionen Nutzern.

BerlinEine Taschenlampen-App für Android-Handys hat unerlaubt Daten über Aufenthaltsort und Gerät der Nutzer gespeichert und an Werbenetzwerke weitergegeben. Die App wurde mindestens 50 Millionen mal aus Googles App-Store heruntergeladen, wie die dortige Statistik zeigt.

Die App habe Nutzer nicht darüber informiert, dass deren Aufenthaltsort und die Identifikationsnummer der Geräte an Dritte weitergegeben wurden, erklärte die US-Handelsbehörde FTC am Donnerstag. Nach dem Herunterladen der Anwendung hätten Handynutzer die Möglichkeit gehabt, einer Datenübertragung zuzustimmen oder sie abzulehnen. Allerdings wurden bereits Daten übertragen, bevor die Nutzer eingewilligt hatten. Außerdem hätten die Hersteller nicht erwähnt, dass gesammelte Daten nicht nur von ihnen selbst verarbeitet, sondern auch an Dritte weitergereicht wurden.

Meine Daten und ich

Die Internetgiganten und die NSA-Affäre

Aus jüngst veröffentlichten Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden geht hervor, dass US-Internetfirmen wie Google, Facebook, Yahoo und Microsoft für die Weitergabe von Daten an den amerikanischen Geheimdienst NSA offenbar Zahlungen in Millionenhöhe erhalten haben. Um an Nutzerdaten zu kommen, muss die NSA nicht auf die Server zugreifen: Datenpakete mit Bezug zu Facebook oder Google können auch an anderer Stelle abgefangen werden.

Datenschutzrichtlinien

Gmail-Nutzer dürften keine „vernünftigen Erwartungen an die Privatsphäre auf dem Server“ stellen, teilte Google vor Kurzem einer US-Verbraucherschutzorganisation mit. Was bedrohlich klingt, ist in den Datenschutzbestimmungen geregelt, die jeder Nutzer bei Kontoeröffnung bestätigt. "Wir erfassen (...) Informationen über die von Ihnen genutzten Dienste und die Art und Weise, wie Sie diese nutzen". Die Daten werden mit dem Gmail-Account verknüpft, lassen sich also auf eine Person beziehen.  

Meine Persönlichkeit ist Gold wert

Laut den Marktanalysten von eMarketer liegt Googles weltweiter Anteil an Online-Werbung im Jahr 2012 bereits bei über 50 Prozent – Tendenz steigend. Google scannt den Inhalt von E-Mails, verfolgt und identifiziert die Nutzer seines Suchmaschinenangebots über Cookies und personalisiert  die Ergebnislisten von Suchanfragen. Zwei Personen können so bei gleichem Suchbegriff völlig unterschiedliche Ergebnisse erhalten – mit individuell auf sie abgestimmten Werbeanzeigen.

Big Data: Auch ich bin vorhersagbar

Laut IT-Branchenverband Bitkom geht es bei der Technik Big Data darum, große unstrukturierte Datenmengen, wie Tweets, Blogs, Texte und Fotos in eine „sinnvolle“ Form zu bringen. Echtzeit und die Berücksichtigung vieler verschiedener Formate ermöglichen das „Erkennen von Zusammenhängen, Bedeutungen, Mustern, Vorhersagen“. Wie genau die Internetkonzerne damit arbeiten, bleibt unklar. „Apple oder Google nutzen diese Möglichkeiten virtuos“, steht in einer Bitkom-Publikation.

Der App-Entwickler Goldenshores Technologies muss nun alle persönlichen Daten, die über die Taschenlampen-App gesammelt wurden, löschen. Außerdem muss er die Datensammlung transparent machen und eine explizite Einwilligung der Nutzer einholen.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine App allzu gierig nach Daten der Handynutzer greift. Immer wieder fallen Anbieter auf, die etwa alle Telefonbuch-Einträge der Smartphone-Besitzer kopieren, obwohl die für den Betrieb der Anwendung gar nicht benötigt werden. Informationen über die Datenverarbeitung verstecken sich oft in seitenlangen Nutzungsbedingungen, die die wenigsten Nutzer vor der Installation einer App durchlesen.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

06.12.2013, 15:21 Uhr

"Taschenlampen-App leuchtet Nutzer aus"
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Hallo? Wer ist denn so ('Tschuldigung!) dämlich, dafür eine App zu brauchen? Taschenlampen gibt's für wenige Euro im Hausratsgeschäft, Discounter o.ä. und zwar richtig taugliche! Und ganz ohne Schnittstellen zu Datenkraken.
Manchmal frage ich mich, ob die Leute überhaupt noch ohne App auf's Klo gehen können! Wessen Daten dann ausgequetscht werden, der soll nicht rumjammern, sondern mal nachdenken!

Habakuktib

06.12.2013, 16:11 Uhr

Naja es gibt ebend Leute die benutzen ihr Smartphone als Multitool. Ich finde es super praktisch Telefon, Kamera, Navi, E-Mail-Acount und Taschenlampe in einem Gerät in der Hosentasche zu haben! Ich benutze auch eine Taschenlampen App, die bei meinem alten SE-Outdoor-Handy zum Lieferstandard gehörte

Binsobloed

06.12.2013, 16:53 Uhr

Sie sind halt einfach superschlau, tragen stets eine Taschenlampe mit sich herum und lesen Zeitung auf dem Klo.

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