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29.07.2011

13:07 Uhr

Apples Tablet

Warum das iPad der Konkurrenz keine Chance lässt

VonStephan Dörner

Tablets knabbern heftig am PC-Markt – doch davon profitiert bisher nur einer: Apple. Warum die Konkurrenz den Wunder-Konzern bislang nicht schlagen konnte - doch für die Zukunft Hoffnung besteht.

Ein iPad 2 in einem der New Yorker Apple Stores. Das Tablet von Apple beherrscht einen Markt, der immer größer wird. Quelle: Reuters

Ein iPad 2 in einem der New Yorker Apple Stores. Das Tablet von Apple beherrscht einen Markt, der immer größer wird.

DüsseldorfApple verdient inzwischen nicht nur mit dem iPhone mehr als mit dem klassischen Computergeschäft. Im jüngst abgeschlossenen Quartal überflügelten erstmals auch die Umsätze der iPads die des Umsatzes mit Macintosh-Rechnern.

Doch während die iPhone-Konkurrenz mit Googles freiem Android-System blüht und gedeiht, sieht es auf dem Tablet-Markt für die Konkurrenz düster aus. Tablet-PCs mit Android-Systemen liegen wie Blei in den Regalen, Tablets mit Windows spielen derzeit überhaupt keine Rolle. Einen Tablet-Markt gibt es im Grunde nicht: das iPad dominiert die Tablet-Verkäufe. Schätzungen des Marktanteils reichen von 75 bis über 90 Prozent. „Unsere Kunden fragen nicht nach Tablets, sie fragen nach dem iPad“, sagt Caronlina Milansi, Analystin des IT-Marktforschungsunternehmens Gartner

Das liegt auch an Versäumnissen von Google. Während der Suchmaschinenriese mit Android schnell auf Basis des freien Betriebssystem-Kerns Linux ein Smartphone-System auf die Beine stellte, das Apples iOS gewachsen war, ließen die Anpassungen für Tablets auf sich warten. Erst Googles Android-Version 3.0 alias Honeycomb wurde auf die Tablet-Geräte optimiert, im Februar dieses Jahres kam mit dem Motorola Zoom das erste Tablet mit Honeycomb auf den Markt.

Das Prinzip Apple

Alles aus einer Hand

Konsistenz ist Teil der Designphilosophie von Apple. Dazu gehört ein möglichst einheitliches Nutzererlebenis. Apple bietet dazu vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Profi-PC alle Gerätklassen an. Auf den kleinen Geräten iPhone und iPad läuft dabei das mobile Betriebssystem iOS, auf den Laptops und Desktop-Rechnern Mac OS X. Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, allerdings bietet Apple viele eigene Applikationen für beide Plattformen an, etwa die Office-Suite iWork. Über die App Stores verkauft Apple außerdem noch Software für beide Plattformen online – bei iPhone und iPad sogar der einzig legale Weg, Software zu installieren.

Apples Gefängnis und Ausbruch-Tools

Apples Stärke ist zugleich auch der größte Kritikpunkt: Weil alles aus einer Hand kommt, behält Apple die volle Kontrolle. Im App Store schöpft Apple satte 30 Prozent der Umsätze ab, sowohl von gekauften Apps als auch von Käufen, die innerhalb von Apps getätigt werden. Immer wieder kommt der Konzern in die Schlagzeilen, weil Apps aus teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen aus dem Store entfernt werden. So gelten dank Apple beispielsweise weltweit amerikanische Moralvorstellungen: Medien müssen nackte Haut zensieren. Ein Weg aus dem Apple-Gefängnis ist entweder ein sogenannter Jailbreak. Dabei führen iPhone- und iPad-Anwender ein Programm aus, das Sicherheitslücken in den Geräten nutzt, um das Gerät aus der Apple-Kontrolle zu befreien. Nach einem Jailbreak können alle Programme wie auf einem PC oder Mac installiert werden. Eine andere Alternative sind Programme, die im Browser laufen – auf das Internet haben auch iPhones und iPads freien Zugriff.

Mobile Geräte im Fokus

Apple betont regelmäßig, in erster Linie ein Hersteller mobiler Geräte zu sein. Erstens machen iPhone und iPad längst den Löwenanteil der Apple-Umsätze aus, zweitens sind auch die meisten verkauften Macs inzwischen Laptops. Das zeigte sich auch beim jüngsten Update des Mac-Betriebssystems Mac OS X. Die aktuelle Version Lion betont die Gestensteuerung, die vor allem bei Trackpads sinnvoll ist, die in Laptops verbaut werden.

iCloud löst iTunes als Zentrale ab

Zentrale Schnittstelle zwischen allen Apple-Geräten war bisher das Programm iTunes, über das die Geräte als „Hub“ auf Mac oder PC synchronisiert werden. Allerdings zeichnet sich mit der Einführung der iCloud eine Ablösung von iTunes als zentrales Hub ab – die Daten wandern nun in die "Wolke", also das Internet. Mit der iCloud soll das Internet zur zentralen gemeinsamen Schnittstelle aller Apple-Geräte werden. Dokumente werden im Netz gespeichert und können über sämtliche Plattformen synchron gehalten werden. iPad und iPhone sollen auch ohne Mac oder PC verwendbar sein.

„Es funktioniert einfach“

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird der derzeitige Trend beschrieben, dass Konsumenten-Produkte wie iPhone und iPad zunehmend auch die Unternehmen erobern, weil Menschen einfache und intuitive Bedienungen auch im Geschäftsleben schätzen. Kritiker meinen andererseits, dass Apple im Bemühen um eine möglichst intuitive Bedienung den Nutzern bei vielen Fragen zu wenig Freiheit lässt.

Dabei herrscht an Konkurrenten kein Mangel. „Von der Hardware her gibt es durchaus Produkte, die mit dem iPad konkurrieren können“, so Milansi. Als Beispiele nennt sie das Samsung Galaxy Tab 10.1 oder das Touchpad von HP. Das Problem sieht sie eher bei der Software: „Googles Tablet-System Honeycomb ist noch nicht so intuitiv wie das Android-System für Smartphones“.

Woran es ebenfalls immer noch mangelt ist das passende Ökosystem - also die Apps, die die Tablets erst wertvoll machen. Zwar laufen auch die für Android-Smartphones gedachten Mini-Programme auf den Tablets, doch für das iPad gibt es bereits Hunderte speziell auf die Größe des Tablets angepasste Applikationen. „Es gibt immer noch wenig Inhalte für die Android-Tablets“, so Milansi. „Aus der Konsumentensicht ist es schwierig, das Geld für ein Gerät zu rechtfertigen, wenn dieses Gerät nichts kann, was man nicht auch mit PC oder Smartphone tun könnte“.

Kommentare (3)

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zephyroz

29.07.2011, 14:57 Uhr

Der eigentliche Erfolg von Apple liegt an dem in Ihrem Kasten beschriebenen Punkt: "Es funktioniert einfach". Nur PowerUser und Freaks wollen irgendetwas installieren oder andere Freiheiten haben. Der normale Anwender - egal ob privat oder beruflich - will nur, daß es funktioniert und sonst NICHTS.

john.d.doe

19.08.2011, 23:40 Uhr

Absoluter Blödsinn. An der Tatsache, dass die Heinis aus Cupertino heulend nach Düsseldorf rennen und mit gefälschten Bildern das Galaxy Tab versuchen zu verbieten, sieht man die Angst vor dem besseren und vor allem offenen Tablet. Andere Presse sieht das komplett anders. Bereits in zwei Jahren sollen Honeycomb Tablets den Ipad-Knast übertreffen. Schon wegen Flash würde ich nie von meinem GT-7500 weggehen. Bleibt die Frage, ob der Redakteur versucht zu rechtfertigen, dass er eine solche Selbsbewußtseinsprothese braucht, oder ob Apple diesen Unsinn gesponort hat.

Galgenstein

19.03.2012, 15:26 Uhr

Die Grundlage für Apples Erfolg lässt sich recht gut in dem Buch von Gary Hamel: Das revolutionäre Unternehmen nachlesen. In diesem Buch wird Apple zwar noch negativ betrachtet, die strategische Blaupause scheint aber diesem Buch entnommen. In aller Kürze: es kommt nicht nur auf das Produkt an, sondern auf ein Geschäftsmodell, in dem jedes Element ein anderes verstärkt, bei gleichzeitiger Integration von Kunden und Lieferanten. Dies ist Apple gelungen.

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