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28.01.2015

11:05 Uhr

Bildung der Zukunft

Was unsere Kinder lernen sollen

VonThorsten Giersch

Bleibt für unsere Kinder im Maschinenzeitalter noch genug Arbeit übrig? Ja, sagen Experten. Wenn Sie die richtigen Fähigkeiten haben. Doch diese bekommen sie an Schulen und Universitäten nur selten vermittelt.

Manche Wahrheiten lassen sich auf 140 Zeichen eindampfen. Zum Beispiel über unser Bildungssystem. „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“, schrieb eine Schülerin am Wochenende auf Twitter. „Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

Es ist eine Klage darüber, dass die Schule wenig hilft, selbständig zu werden. Sie schlug in den sozialen Netzwerken hohe Wellen, wurde tausendfach verbreitet und diskutiert und stieß so eine Debatte über unser Bildungssystem an. Doch die Debatte müsste viel weiter gehen. Denn unsere Wirtschaft steht vor weitreichenden Veränderungen: Die Maschinen werden den Menschen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer mehr Routineaufgaben wegnehmen. Wer künftig einen lukrativen Job haben will, muss sich auf Dinge konzentrieren, die der Computer nicht so gut kann. Dass dies ohne Bildung nicht klappen kann, ist offensichtlich.

Chancen durch Veränderung der Schulstruktur

Verlängerung der Grundschule

33 Prozent der Lehrer und 27 Prozent der Eltern meinen mit einer Verlängerung der Grundschule auf sechs Jahre kann man benachteiligte Kinder am besten fördern.

Quelle: Allensbach

Einzelunterricht in der Schule

26 Prozent der Lehrer und 33 Prozent der Eltern meinen, der Einzelunterricht in der Schule verbessere die Situation der Kinder.

Bildung von Klassen mit ähnlich leistungsstarken Schülern

Die Bildung von Klassen mit ähnlich leistungsstarken Schülern ist für 21 Prozent der Lehrer und 40 Prozent der Eltern maßgeblich für eine verbesserte Förderung.

Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems

21 Prozent sowohl der Lehrer als auch Eltern meinen, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems ist die beste Lösung.

Abschaffung der Noten

Lediglich sieben Prozent der Lehrer und acht Prozent der Eltern würden die Abschaffung der Noten als eine verbessere Förderung benachteiligter Kinder betrachten.

Abschaffung des Sitzenbleibens

Zehn Prozent der Lehrer und zwölf Prozent der Eltern denken, die Abschaffung des Sitzenbleibens ist am besten.

Wie mächtig die Maschinen werden, lässt sich an autonom fahrenden Autos ablesen. Was einst als Science Fiction galt, ist heute im Bereich des Möglichen – und könnte einst menschlichen Taxifahrern das Leben schwer machen. Auch andere Aufgaben lassen sich automatisieren, von der Gehaltsabrechnung über die Berechnung der Bonität von Kreditnehmern bis hin zu Jobs am Fließband. Kollege Computer hat aber Schwächen. Er kann nicht so gut Muster erkennen, Ideen gewinnen und beherrscht auch keine komplexen Formen von Kommunikation.

Thorsten Giersch ist Mitglied der Chefredaktion von Handelsblatt Online.

Thorsten Giersch ist Mitglied der Chefredaktion von Handelsblatt Online.

Doch wird in unserem Bildungssystem auf diese Fähigkeit Wert gelegt? Zweifel sind berechtigt. Die Pauschalkritik lautet: Eher stehen das Auswendiglernen von Fakten sowie die Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz im Vordergrund. Das gilt nicht nur für Schulen, sondern spätestens seit der Einführung von Bachelor und Master auch an vielen Hochschulen, wo die Studenten für die vielen Klausuren ein „Buliminie-Lernen“ betreiben: Erst alles reinstopfen, dann alles ausbrechen. Nachhaltig ist das nicht.

Auch in den USA läuft die Diskussion. Alles sei fokussiert auf den Konkurrenzdruck der Studierenden untereinander, beklagt Silicon-Valley-Ikone Peter Thiel. Anstatt zu lernen, im Team Probleme zu lösen und Ideen zu entwickeln, werde der Kampf um den besten Abschluss initiiert.

Nicht nur der Selfmade-Milliardär, auch viele Wissenschaftler sind der Meinung: Entschlossenheit und Selbstkontrolle erreichen junge Menschen nur dadurch, dass sie Fehler machen. Doch kann man sich das in den starren, auf Noten basierenden Konkurrenz-Studiengängen erlauben? Nur sehr bedingt. Wer Angst vor dem Scheitern hat, wird auch scheitern. Oder wie es der renommierte Professor James Kwak ausgedrückt hat: „Der typische Harvard-Student ist mehr von Angst getrieben, nicht erfolgreich zu sein, als von dem wirklichen Verlangen, etwas Bestimmtes zu tun.“

Kommentare (7)

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13.01.2015, 18:00 Uhr

Ein recht alte Kiste - nur nie beachtet seit Jahrzehnten.

Das deutsche Schulsystem wird von ideologisierten Politik- und Pädagogikfunktionären sozialisiert.
Das Nievau soll auch den als minderwertig nur empfundenen eigenen Kindern helfen können, zu studieren.

Dazu werden alle Standards abgesenkt bis hin zu Aufwertung von Fachhochschulen zu Universitäten.

Wo aber nur noch Mittelmaß regiert, kann nichts gedeihen, was das Land voran bringt.

Herr peter Spirat

13.01.2015, 18:20 Uhr

Es ist immer leicht, anderen die Schuld dafür zu geben, wenn es nicht so hut läuft.

Ausbildungen vermitteln nur in den unteren Bereichen Kenntnisse, die man direkt anwenden kann (Handwerker). Und selbst da muss man seine Grundkenntnisse erst so in die Praxis einbringen, dass man schließlich damit Geld verdienen kann.

FH / Uni vermitteln uns die Fähigkeit zu lernen und denken zu können. Welche Kenntnisse dabei vermittelt werden, ist fast unwichtig, denn es geht nur um Fähigkeiten.

Darüber hinaus gibt es Weiheitsschulen, die uns mit dem Umgang mit dem Unterbewusstsein vertraut machen. Offensichtlich eine Sache, die nur sehr wenige Menschen noch auf sich nehmen.

Genau darum liebe ich dieses Land, denn hier hatte ich die Möglichkeit mich auf all diesen Ebenen ausbilden zu lassen. Ich habe hier einen freien zugang zu diesen Bildungsstätten und dieses Vorrecht hatten vorgehende Generationen nicht.

darum ist es mir egal, was Merkel & Co sagen tun, oder wollen.

Herr Erik Wikinger

13.01.2015, 18:53 Uhr

Wäre ich ein Vater mit schupflichtigem Kind, würde ich eher versuchen es von einer unserer tollen Verblödungsanstalten fern zu halten.

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