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24.09.2014

16:01 Uhr

Blackberry Passport im Test

Blackberry gibt Nutzern die volle Breitseite

VonSteffen Daniel Meyer

Das soll ein Smartphone sein? Das Blackberry Passport hat die Maße eines Reisepasses, es erinnert eher an einen Mini-Computer als an ein Handy. Und wenn man es benutzt, fühlt es sich auch so an. Schlecht ist das nicht.

Handelsblatt-Techniktest

Das Blackberry Passport in der Kurzvorstellung

Handelsblatt-Techniktest: Das Blackberry Passport in der Kurzvorstellung

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Das Blackberry Passport ist das neue Smartphone-Flaggschiff des Blackberry-Konzerns: Es hat die Maße eines Reisepasses (daher der Name) und setzt auf eine echte Tastatur mit integriertem Trackpad. Die angepeilte Zielgruppe ist jene, dank der Blackberry in den 90er-Jahren groß wurde: „Mobile Professionals“. Also Leute, die ständig unterwegs sind und auf allen Kanälen mobil erreichbar sein wollen: Manager, Berater, aber auch – wenn es nach Blackberry geht – Freiberufler wie Journalisten und „Working Moms“.

Dabei geht es nicht nur um ein neues Produkt, sondern um die Zukunft des Unternehmens, das bis 2013 noch Research in Motion (RIM) hieß. Denn vorbei sind die Zeiten, in denen der Satz „Plötzlich vibrierte sein Blackberry“ in Reportagen und Geschichten über reiche und mächtige Personen zu lesen war. In den letzten Jahren schrumpfte der Marktanteil auf weniger als ein Prozent. Es hieß sogar, dass Blackberry-Fan Barack Obama sich nach einem neuen Smartphone umschaue – was das Weiße Haus aber dementierte.

Weil der Konzern gegen Apple und Samsung nicht ankommt, richtet er sich jetzt neu aus: Er verkauft jetzt Unternehmen sichere Lösungen für die Verwaltung mobiler Geräte, die auch andere Logos tragen dürfen. Die eigenen Smartphones sind für die getreuen Blackberry-Fans gedacht, die nicht auf eine physische Tastatur verzichten wollen – der Hersteller konzentriert sich wieder auf seine ursprüngliche Zielgruppe.

Das Blackberry Passport in aller Kürze

Was ist es?

Das neue Spitzenmodell von Blackberry, das die ureigene Kompetenz des Herstellers in den Mittelpunkt rückt: die Tastatur.

Was ist in der Verpackung?

Smartphone, Netzteil, Kopfhörer, Anleitung.

Was ist gelungen?

Die Tastatur hält, was Blackberry verspricht: Sie erleichtert es, Texte auf dem mobilen Gerät zu schreiben. Die Hardware des Gerätes lässt wenig zu wünschen übrig. Der Akku ist sehr ausdauernd.

Was ist nicht so gelungen?

Das Gerät ist recht groß und schwer. Der quadratische Bildschirm hat Nachteile bei der Videowiedergabe – hier ist ein schwarzer Balken zu sehen. Die App-Auswahl ist deutlich kleiner als bei Apple und Android.

Was kostet es?

Ohne Vertrag werden 599 Euro fällig.

Für wen lohnt es sich?

Das Blackberry Passport ist eine E-Mail-Maschine – und es eignet sich, um längere Texte zu tippen. Wer vor allem surft und Videos guckt, ist mit anderen Geräten besser beraten.

Kernstück des neuen Gerätes ist die QWERTZ-Tastatur, die 26 Buchstaben, eine Leertaste, eine Rücktaste und eine Enter-Taste umfasst. Die Satzzeichen werden auf dem Display über der Tastatur angezeigt, Zahlen und Sonderzeichen werden erst nach Knopfdruck oder einer Fingergeste auf der Tastatur angezeigt.

Denn die kapazitive Blackberry-Tastatur fungiert gleichzeitig als Trackpad mit Gesten-Steuerung. Wischt man mit dem Finger noch unten, ploppt über der Tastatur die ganze Bandbreite an Zahlen und Sonderzeichen auf dem Display auf. Das ist erst ungewohnt, geht aber nach einiger Übung recht flott von der Hand.

Ebenfalls sinnvoll: Wenn man die Tastatur zweimal leicht hintereinander berührt, erhält man einen Text-Cursor. Die Oberfläche der Tastatur dient dann als Mousepad, sodass man zielgenau den Cursor zwischen die Buchstaben manövrieren und dann dort fehlende Lettern einsetzen oder überflüssige löschen kann.

Grundsätzlich funktioniert die Trackpad-Steuerung besser, als – wie üblich – lange mit dem Finger auf den Bildschirm zu drücken und über den Text zu fahren. Wenn man aber erst auf den Bildschirm drückt und dann das Pad berührt, kann es passieren, dass man plötzlich ganz woanders im Text landet und unabsichtlich ganze Wörter löscht oder an der falschen Stelle weiterschreibt. Das ist nervig und frustrierend, hier muss Blackberry noch nachbessern.

Akzeptabler Ersatz für große Tastatur

Andere Gesten kamen im Test weniger zum Einsatz: Wischt man von rechts nach links, löscht man das vorangegangene Wort - da kann man auch mehrmals die Rücktaste drücken -, und wischt man von unten nach oben, wird der angezeigte Wortkorrektur-Vorschlag ausgewählt – hat man den Dreh mit der Tastatur erst raus, braucht man die Autokorrektur fast nicht mehr. Hält man zudem die Tastatur seitlich, kann man mit Hoch- und Runter-Wischbewegungen vertikal scrollen. Ein nettes Gimmick, mehr nicht.

Der Druckpunkt der Tasten ist angenehm, für manche Geschmäcker vielleicht zu stark. Wenn man nach dem Tippen auf dem Blackberry auf einer Smartphone-Mattscheibe schreibt, vermisst man sofort den Widerstand der Tasten. Dieser Artikel hier wurde auf dem Passport geschrieben und später am PC überarbeitet. Mit einer normalen Computertastatur ist man zwar immer noch schneller, aber hat man gerade keine zur Hand, ist das neue Blackberry-Gerät ein akzeptabler Ersatz.

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